Enthüllungsvideo bringt Stein ins Rollen
Gegen den deutschen Webvideoproduzenten Ahmad Nadim Ahadi, besser bekannt als ApoRed, ermittelt die Polizei wegen schwerer Vorwürfe sexueller Übergriffe. Auslöser ist ein Enthüllungsvideo des YouTubers MiiMii, in dem mehrere junge Frauen den 1994 in Hamburg geborenen Influencer belasten. Die mutmaßlichen Taten sollen sich über einen längeren Zeitraum erstreckt haben – die Geschädigten waren zum Teil erst 15, 16 oder 17 Jahre alt, so die Schilderungen.
MiiMii hatte nach eigenen Angaben monatelang recherchiert und legte in seinem Video umfangreiches Material vor: Sprachnachrichten, Fotos, Videos und Chatverläufe zwischen den Betroffenen und ApoRed. Eine der Frauen schildert detailliert, wie Ahadi sie gegen ihren ausdrücklichen Willen in ein Schlafzimmer gedrängt haben soll. Trotz ihrer lauten Proteste und eines klaren „Neins“ habe er versucht, ihr den Rock herunterzuziehen.
Juristische Einordnung: „Wirklich schwerste Vorfälle“
Medienanwalt Christian Solmecke bestätigte auf seinem Kanal WBS Legal, dass die Behörden tätig geworden sind. Er bewertete die geschilderten Szenarien als äußerst gravierend und sieht bei einer Bewahrheitung der Vorwürfe den Tatbestand des § 177 StGB (sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) als erfüllt an.
„Wenn sich diese Vorwürfe bestätigen, handelt es sich um wirklich schwerste Vorfälle“Christian Solmecke, Rechtsanwalt und Partner der Kölner Medienrechtskanzlei WBS.LEGAL
Ahadi selbst hat sich zu den neuen Anschuldigungen bislang nicht öffentlich geäußert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung, solange keine rechtskräftige Verurteilung vorliegt.
Vorgeschichte: Bombenprank, Bewährung, offener Haftbefehl
Die aktuellen Ermittlungen reihen sich in eine lange Liste juristischer Auseinandersetzungen ein. Bereits 2016 sorgte ApoRed mit einem sogenannten „Bombenprank“ für Schlagzeilen: Er hatte vor einer Hamburger Bankfiliale einen Rucksack auf den Boden geworfen und Passanten mit den Worten „30 Sekunden habt ihr alle Zeit, lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas wert ist!“ in Panik versetzt. Das Amtsgericht verurteilte ihn dafür zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung sowie 200 Sozialstunden.
Weil er gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll – unter anderem durch Fahren ohne Führerschein und Dokumentenfälschung – liegt seit März 2023 ein Haftbefehl des Landgerichts Hamburg gegen ihn vor. Ahadi bestreitet die Rechtmäßigkeit und pendelt eigenen Angaben zufolge zwischen Istanbul, Dubai und Nordzypern, wo er mutmaßlich als Kellner in einer Shisha-Bar arbeitet – weit entfernt vom Millionen-Lifestyle, den er auf seinen Kanälen inszenierte.
„Die komplette Justiz schießt gegen mich – zu Unrecht – und will mich zu Unrecht in den Knast schicken“, kommentierte der Youtuber in einem inzwischen gelöschten Video. Medienberichten zufolge lebt er getrennt von seiner Familie; Ahadi ist Vater zweier Kinder.
Ob die neuen Vorwürfe die Auslieferung aus dem Ausland erleichtern könnten, ist offen. Rechtsanwalt Solmecke betonte, dass das deutsche Strafrecht auch im Ausland Wirkung entfalten könne. Die Ermittlungen dauern an.





