Die Polizei rechnet mit massiven Ausschreitungen, doch die frühere Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) setzt auf friedlichen Widerstand: Am 4. und 5. Juli 2026 findet in Erfurt der Bundesparteitag der AfD statt. Rund 1.200 Delegierte kommen auf dem Messegelände zusammen, um unter anderem einen neuen Bundesvorstand zu wählen. Göring-Eckardt mobilisiert zur Teilnahme an angemeldeten Demonstrationen und spricht von einem „großen Fest der Demokratie“.
Erfurt ist eine lebendige, weltoffene Stadt. Die AfD steht all dem entgegen. Erfurt wird mit einem großen Fest der Demokratie in der Stadt antworten.Katrin Göring-Eckardt
Die Proteste sollen nicht nur laut, sondern auch vielfältig sein. Bereits Ende Juni kündigten die Kampagnenorganisation Campact und die Klimaaktivistin Luisa Neubauer an, sich an den vom Bündnis „Widersetzen“ organisierten Sitzblockaden zu beteiligen. Auch Grünen-Bundesvorsitzender Felix Banaszak unterstützt die Aktionen: „Sorgt dafür, dass ein starkes Bild einer wehrhaften, aber eben friedlichen Demokratie entsteht. Und dazu können auch Blockaden zählen“, sagte er in einem Interview mit WELT TV. Das Bündnis „Widersetzen“, getragen von Linkspartei, Kirchen und Gewerkschaften, will die Zufahrten zum Parteitag blockieren, um diesen zu stören.
Symbolträchtiges Datum und historische Parallelen
Zusätzliche Brisanz erhält der Termin durch das Datum: Am 4. Juli 1926 – auf den Tag genau 100 Jahre zuvor – begann in Weimar, nur rund 25 Kilometer von Erfurt entfernt, der zweite Reichsparteitag der NSDAP, auf dem die Hitlerjugend gegründet wurde. Die Linke Thüringen spricht von einer „bewussten Provokation und einer fatalen Parallele zur Geschichte des Nationalsozialismus“. Staatsministerin Serap Güler (CDU) sagte laut «Kölner Stadtanzeiger»: „Die bewusst gewählte Parallele zeigt wieder einmal, wessen Geistes Kind die AfD ist.“ Der Direktor des Hannah-Arendt-Instituts, Jörg Ganzenmüller, wertete die Terminwahl als „bewussten symbolischen Akt“.
Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Stefan Möller wies die Kritik zurück: „Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Wer wegen des Parteitags der AfD in Erfurt fatale Parallelen zu einem NSDAP-Parteitag in Weimar vor 100 Jahren ausmacht, ist offenkundig nur an einer zwanghaften Delegitimierung interessiert.“
Polizei in Alarmbereitschaft
Die Polizei hat eine „Großlage“ ausgerufen und rechnet laut verschiedenen Berichten mit rund 2.500 gewaltbereiten Linksextremisten der höchsten Gefährdungskategorie. Ein Worst-Case-Szenario mit massiven Ausschreitungen sei möglich. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte vor Engpässen beim Personal und vor Angriffen auf Einsatzkräfte. Auf militanten Plattformen wurden Ankündigungen verbreitet, Dächer an den Zufahrtsstraßen zu besetzen und Delegierte sowie Polizisten anzugreifen.
Unser Protest wird laut sein, er wird bunt sein und offen für alle, die sich der AfD und ihrer menschenverachtenden Politik friedlich entgegenstellen wollen.Katrin Göring-Eckardt
Die Stadt Erfurt, die nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die Durchführung des Parteitags hat, informiert auf einer städtischen Seite über die Großveranstaltungen. Parallel zum Parteitag finden auf dem Domplatz Konzerte statt: Roland Kaiser spielt am 3. Juli, Clueso am 4. Juli – vor jeweils bis zu 15.000 Menschen. Die Stadtverwaltung verweist auf ein eigens eingerichtetes Sicherheitskonzept und warnt vor Verkehrsbeeinträchtigungen.
Trotz der angespannten Lage betont Göring-Eckardt: „Wir setzen alles daran, dass der Tag in Erfurt friedlich bleibt und rufen dazu auch alle Protestierenden auf.“ Ob die Mischung aus Demonstrationen, Blockaden und Gegenveranstaltungen tatsächlich friedlich abläuft, wird sich am kommenden Wochenende zeigen.





