Rentenkommission will Regelalter auf 67,5 Jahre anheben und Rente mit 63 eindampfen
KI-Bild
PolitikAltersvorsorge

Rentenkommission will Regelalter auf 67,5 Jahre anheben und Rente mit 63 eindampfen

Eine Expertengruppe der Bundesregierung plant tiefgreifende Reformen: Das Renteneintrittsalter soll ab 2032 an die Lebenserwartung gekoppelt werden, die abschlagsfreie Frührente für langjährig Versicherte steht vor dem Aus. Die Politik übernimmt Kernideen, weicht aber in entscheidenden Punkten ab.

Schrittweise Anhebung an Lebenserwartung

Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission aus 13 Experten empfiehlt, das gesetzliche Renteneintrittsalter ab 2032 schrittweise anzuheben. Nach den Berechnungen des Gremiums würde die Regelaltersgrenze bis 2041 von derzeit 67 auf 67,5 Jahre steigen. Die Kopplung an die steigende Lebenserwartung soll anschließend dynamisch fortgeführt werden, sodass künftige Generationen automatisch länger arbeiten.

Damit rückt die Kommission von der bisherigen starren Grenze ab und folgt einem Modell, das bereits in mehreren europäischen Nachbarländern praktiziert wird. Konkrete Vorschläge sehen vor, die Lebensarbeitszeit in regelmäßigen, vorhersehbaren Schritten zu verlängern.

Für Aufsehen sorgt vor allem der Umgang mit der „Rente mit 63“. Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren soll in ihrer heutigen Form nicht mehr möglich sein. Stattdessen schlägt das Gremium flexible Ausstiegsmodelle für Menschen mit belastenden Biografien und gesundheitlichen Einschränkungen vor, die zwar einen früheren Rentenbeginn erlauben, aber nicht mehr ohne Abschläge.

Die Kommission drängt zugleich auf verstärkte Vermittlungsbemühungen der Arbeitsagenturen für rentennahe Jahrgänge, um vorzeitige Renteneintritte und damit verbundene Kosten zu vermeiden.

Kapitalgedeckter Fonds als zweites Standbein

Ein weiteres Kernelement ist die Empfehlung, einen Teil der Rentenbeiträge künftig in einen staatlich verwalteten Kapitalstock fließen zu lassen. Dieser Fonds soll die umlagefinanzierte Rente ergänzen und demografische Risiken abfedern. Eine vollständige Abkehr vom Umlagesystem ist dabei nicht vorgesehen.

Politik greift Vorschläge auf – mit Abweichungen

Der Bericht erschien pünktlich vor der entscheidenden Sitzung des Koalitionsausschusses von CDU, CSU und SPD Anfang Juli 2026. Die dort vereinbarten 34 Punkte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik nehmen zentrale Ideen der Kommission auf, weichen aber in Details ab. So soll die Rente mit 63 laut Koalitionsbeschluss in ihrer Grundstruktur erhalten bleiben – ein Punkt, den die Experten ausdrücklich anders bewertet hatten.

Die konkrete gesetzliche Umsetzung der Kommissionsvorschläge steht noch aus und wird Gegenstand der parlamentarischen Beratungen sein. Laut Koalitionskreisen soll ein erster Gesetzentwurf noch in dieser Legislaturperiode vorgelegt werden.

Offen bleibt, wie stark sich die Politik am Ende an den wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren wird. Der Konflikt zwischen langfristiger Tragfähigkeit des Rentensystems und kurzfristigen sozialpolitischen Versprechen dürfte die Debatte prägen.

Umfrage
Lädt
Mehr aus

Politik