Gebet statt Jubel: Nach dem 7:1 folgt eine ungewöhnliche Szene
Deutschland hat den WM-Auftakt mit einem 7:1 gegen Curaçao gewonnen – doch die Bilder, die nach dem Abpfiff um die Welt gehen, zeigen keine Tore. Sie zeigen Felix Nmecha, der gemeinsam mit Nationalmannschaftskollege Jonathan Tah und mehreren Spielern des karibischen Außenseiters einen Kreis auf dem Rasen bildet. Die Köpfe sind gesenkt, die Hände auf den Schultern der Nebenmänner. Sie beten.
„Wir sind im Spiel Gegner gegeneinander und dann nach dem Spiel sind wir alle Christen und wir sind Brüder“, erklärte Nmecha in der ARD. „Da haben wir einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht, weil wir sind immer noch sehr dankbar.“ Der 25-Jährige hatte zuvor das erste deutsche Tor des Turniers erzielt – und setzte anschließend ein Zeichen, das über den Sport hinausweist.
Nmecha erzielt erstes deutsches WM-Tor 2026
In Houston hatte Nmecha die deutsche Mannschaft früh mit 1:0 in Führung gebracht. Curaçao gelang durch Livano Comenencia der zwischenzeitliche Ausgleich – das erste WM-Tor der Karibiknation überhaupt. Doch dann zog der Favorit davon: Nico Schlotterbeck, Kai Havertz (doppelt), Jamal Musiala, Nathaniel Brown und Deniz Undav schraubten das Ergebnis auf 7:1. Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach von einem wichtigen Selbstvertrauensschub: „Wir brauchen dieses Selbstvertrauen wirklich. Ich glaube, es war da, aber es ist gewachsen.“
Nmecha, der im Mittelfeld eine offensive Freigeist-Rolle einnahm, war nicht nur als Torschütze auffällig. Ein Foul an ihm im Strafraum durch Riechedly Bazoer führte zum Elfmeter, den Havertz zum 3:1 verwandelte. Die Partie war bereits vor der Halbzeit entschieden.
Bekennender Christ: Nmechas Glaube prägt seine Karriere
Dass Nmecha seinen Glauben öffentlich lebt, ist nicht neu. „Jedes Mal, wenn ich auf den Platz gehe, geht es nicht um mich, sondern darum, Gott zu verherrlichen“, sagte der gebürtige Hamburger 2023 in einem Vereinsinterview. Seine Jubelgeste – er zeigt zuerst auf sich selbst, dann in den Himmel – erklärt er so: „Ich will zeigen, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist, Er hat meine Sünden abgewaschen.“ Auf seinem Instagram-Profil steht nur ein Satz: „Jesus is Lord“.
Nmecha geriet allerdings auch in die Kritik, als er ein Video des konservativen US-Kommentators Matt Walsh zum Thema Transgender teilte und kommentierte: „Wenn wir nicht sehen, was daran falsch ist …“ Nach Transphobie-Vorwürfen stellte er klar: „Ich bin überhaupt nicht transphob, ich hasse definitiv niemanden.“ Zugleich verteidigte er die Bibel als „Leitfaden durch mein Leben, die Grundlage für Wahrheit“. Die Spannung zwischen seinem öffentlichen Bekenntnis und den Erwartungen des Profifußballs begleitet ihn seit Jahren.
Gegner beten mit: Seltene Geste im internationalen Fußball
Dass Spieler beider Mannschaften nach einem WM-Spiel gemeinsam beten, ist eine Seltenheit. Nmecha selbst erklärte den Moment so: „Vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns, aber auch im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben zusammen gebetet.“ Auf Instagram schrieb er unter Bilder vom Spiel: „Thank you Jesus!“
Mit der Geste rückt Nmecha seinen Glauben in den Mittelpunkt – und setzt einen Kontrapunkt zur hochkommerzialisierten, oft gnadenlosen Logik des Spitzensports. Während andere ihre Tore mit choreografierten Gesten feiern, verweist der Mittelfeldspieler auf etwas, das für ihn größer ist als das Spiel selbst.
Deutschland trifft im zweiten Gruppenspiel am Samstag in Toronto auf den Afrika-Cup-Sieger Elfenbeinküste. Danach wartet Ecuador. Ob Nmecha auch dann wieder Gegner zum Gebet versammelt, ist offen – sein Glaube aber wird das Turnier weiter begleiten.





