Der Abend, der alles veränderte
Es war das allererste WM-Spiel für Kap Verde – und der 40-jährige Torhüter Vozinha lieferte eine Sensation. Im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta trotzte der Weltranglisten-67. dem haushohen Favoriten Spanien ein 0:0 ab. Vozinha parierte sieben offizielle Schüsse, sechs davon aus dem Strafraum. Spaniens 27 Torschüsse und 765 Pässe prallten an ihm ab wie an einer Mauer.
Besonders in der 39. Minute vereitelte er spektakulär eine Doppelchance: Erst klärte er einen Lattentreffer von Ferran Torres, dann den Nachschuss von Mikel Oyarzabal im Nachfassen. Nach dem Schlusspfiff brach Vozinha auf dem Rasen in Tränen aus, seine Mitspieler feierten ihn mit der Nationalflagge. Die Wahl zum Spieler des Spiels war nur konsequent.
Acht Millionen Follower in einer Nacht
Noch während der Partie begann ein beispielloser Social-Media-Tsunami. Der brasilianische Streamer CazéTV mit 31 Millionen Abonnenten rief seine Zuschauer auf, dem Torhüter zu folgen. Wie die Associated Press berichtet, stieg Vozinhas Instagram-Followerzahl von rund 46.000 vor dem Spiel auf 1,6 Millionen direkt nach Abpfiff – und innerhalb von 24 Stunden auf über acht Millionen.
Damit überholte der Kapverdier etablierte US-Sportgrößen: NFL-Quarterback Patrick Mahomes, NBA-Finals-MVP Jalen Brunson und sogar Victor Wembanyama, den Topspieler der San Antonio Spurs. Eine Follower-Explosion, die selbst erfahrene Social-Media-Experten verblüffte.
Die Geschichte hinter „Vozinha“
Geboren am 3. Juni 1986 auf São Vicente, erhielt Josimar José Évora Dias seinen Spitznamen von den Großeltern, bei denen er aufwuchs. „Vozinha“ heißt auf Portugiesisch „Großmütterchen“ oder „Stimme“. Als er in Angola wegen eines Namensvetters nicht als Josimar II auflaufen wollte, blieb er bei dem Namen: „Wenn mich in Kap Verde alle als Vozinha kannten, dann sollte das auch so bleiben.“
Seine Profikarriere führte über Angola, Moldawien, Portugal, Zypern und die Slowakei bis in die zweite portugiesische Liga. Zum Zeitpunkt des Turniers war er vereinslos. Als man ihm nach dem Spanien-Spiel auf einem Bildschirm die explodierenden Followerzahlen zeigte, rang er mit den Tränen und sagte: „Ich habe mein ganzes Leben lang von solchen Momenten geträumt.“ Auf die Ehrung als Mann des Spiels angesprochen, stellte er sofort sein Team in den Vordergrund – nicht er allein, sondern die gesamte Mannschaft habe sie verdient.
Der überraschende Punktgewinn gegen Spanien eröffnet dem Inselstaat mit nur 530.000 Einwohnern die Chance auf das Weiterkommen in Gruppe H. Am Sonntag trifft Kap Verde in Houston auf Uruguay. Sollte Vozinha erneut so brillieren, könnte die nächste Sensation folgen.





