Claudia Michelsen ist empört: Die Polizeiruf-Kommissarin bezeichnet die dreijährige Produktionspause für die Ost-Krimis des MDR als „fatale Entscheidung“ – und warnt vor einem unsichtbaren Osten im ARD-Programm. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung rechnet die Schauspielerin mit der Sparpolitik ihres Senders ab.
Sparzwang trifft Ost-Krimis
Der MDR hatte Mitte Mai 2026 beschlossen, die Produktion neuer Folgen des Dresdner Tatorts und des Magdeburger Polizeiruf 110 für drei Jahre auszusetzen. Grund sind massive Sparzwänge, weil die Bundesländer die von der KEF empfohlene Erhöhung des Rundfunkbeitrags blockieren. Der MDR muss seinen Haushalt bis 2028 um rund 160 Millionen Euro entlasten. Bereits abgedrehte Folgen werden noch ausgestrahlt, doch ab 2027 soll es keine neuen Dreharbeiten mehr geben.
„Bittere Realität“: Ost-Krimis in der Minderheit
Michelsen, die seit 2013 die Magdeburger Kommissarin Doreen Brasch spielt, macht auf die ohnehin schwache Ost-Repräsentanz im ARD-Sonntagabendprogramm aufmerksam. „Wir haben 19 ,Tatorte‘, davon sind 17 im Westen, mit den beiden aus Österreich und der Schweiz – also zwei im Osten, wenn man Berlin dazuzählen möchte. ,Polizeirufe‘ haben wir vier, einen in Bayern, der zweite spielt in Rostock, wird aber vom NDR in Hamburg produziert, bleiben noch Frankfurt (Oder) und Magdeburg. So ist also der Osten am Sonntagabend in der ARD vertreten, das ist die bittere Realität“, zitiert die SZ die 57-Jährige.
Wir haben 19 'Tatorte', davon sind 17 im Westen, mit den beiden aus Österreich und der Schweiz – also zwei im Osten, wenn man Berlin dazuzählen möchte. 'Polizeirufe' haben wir vier, einen in Bayern, der zweite spielt in Rostock, wird aber vom NDR in Hamburg produziert, bleiben noch Frankfurt (Oder) und Magdeburg. So ist also der Osten am Sonntagabend in der ARD vertreten, das ist die bittere Realität.Claudia Michelsen in der Süddeutschen Zeitung
Die Pause werde nicht funktionieren, warnt Michelsen. „Eigentlich möchte ich schon lange nicht mehr über den Osten oder den Westen reden. Aber wir kommen mit dieser fatalen Entscheidung des MDR tatsächlich wieder in die Situation zu sagen: Was passiert hier mit dem Osten?“ Sie spüre bei jedem Dreh, dass sich die Menschen in der Region gesehen fühlen. Die Aussetzung führe zu einem „noch massiveren Minimieren des Ostens, der eh schon minimiert ist im Programm“.
Eigentlich möchte ich schon lange nicht mehr über den Osten oder den Westen reden. Aber wir kommen mit dieser fatalen Entscheidung des MDR tatsächlich wieder in die Situation zu sagen: Was passiert hier mit dem Osten?Claudia Michelsen
Arbeitsplätze und Investitionen in Gefahr
Neben der kulturellen Sichtbarkeit warnt die Schauspielerin auch vor wirtschaftlichen Schäden. Das „schnelle Sparen an der Fiktion“ koste Unmengen von Arbeitsplätzen und Investitionsgelder, die bislang regelmäßig nach Sachsen und Sachsen-Anhalt geflossen seien. UFA-CEO Sascha Schwingel unterstützt sie: Der Magdeburger Polizeiruf sei einer der wenigen verbliebenen fiktionalen Orte für ostdeutsche Geschichten; eine dreijährige Pause sei das Ende des Formats.
MDR-Intendant Ralf Ludwig räumte ein, dass der Sender auf die Produktionspause hätte verzichten können, wenn die empfohlene Erhöhung des Rundfunkbeitrags umgesetzt worden wäre. ARD und ZDF haben gegen die ausbleibende Anpassung Verfassungsbeschwerde eingelegt – ein Urteil steht noch aus. Bis dahin bleibt der Osten am Sonntagabend noch unsichtbarer.





