EU plant stufenweise Altersbeschränkungen für soziale Medien
Brüssel will Kindern unter 13 Jahren nur noch zeitlich begrenzten Zugang zu sozialen Medien erlauben – bis die Plattformen nachweisen, dass sie „safe by design“ sind.
Kein Zugang unter 13 ohne Aufsicht
Die Europäische Union will den Zugang von Kindern zu sozialen Medien radikal einschränken. Am Montag präsentierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Expertenbericht, der empfiehlt, Kindern unter 13 Jahren nur noch „zeitlich begrenzten“ Zugang unter direkter Aufsicht von Eltern oder Lehrern zu gewähren. Für unter Dreijährige fordert das Gremium ein vollständiges Bildschirmverbot.
„Die Beweislast muss bei den Anbietern liegen, nicht bei Regulierern, Eltern und Kindern“, heißt es in dem Bericht des von der Leyen 2025 eingesetzten Expertengremiums unter Leitung von Maria Melchior und Jörg M. Fegert. Bis die Plattformen nachweisen, dass ihre Dienste von Grund auf sicher sind, soll ihnen der Zugang zu Kindern in der EU faktisch verwehrt bleiben.
Von der Leyen: „Kindheit wird nicht warten“
Von der Leyen machte das Thema zur Top-Priorität ihrer zweiten Amtszeit. „Genauso wie wir unseren Kindern nicht die Autoschlüssel geben, bevor sie einen Führerschein haben, oder ihnen keinen Alkohol kaufen lassen, bis sie das gesetzliche Alter erreicht haben – genauso müssen wir das Alter festlegen, ab dem Kinder legal auf soziale Medien zugreifen dürfen“, sagte sie in Brüssel.
Ihr Vorschlag sieht einen „phasenweisen und schrittweisen Zugang für verschiedene Altersstufen“ vor. Nach den Empfehlungen des Panels sollen Kinder über 13 nur noch auf „altersgerechte“ Plattformen zugreifen können. Die Kommission werde zudem festlegen, welche Dienste als für Minderjährige schädlich einzustufen sind, berichtete POLITICO.
Druck auf Tech-Konzerne via DSA
Bereits in der Vorwoche hatte die Kommission Meta unter Druck gesetzt: Entweder das Unternehmen deaktiviert suchtfördernde Design-Features wie „Infinite Scrolling“ oder es droht ein hohes Bußgeld nach dem Digital Services Act. Die EU arbeitet zudem an einer eigenen Altersverifikations-App, die das Alter anonym prüfen soll.
Viele Plattformen verbieten bereits Konten für unter 13-Jährige, doch die Regeln gelten als leicht zu umgehen. Die EU-Digitalaufsicht hatte Meta vorgeworfen, Minderjährige nicht ausreichend von der Plattform fernzuhalten.
Globale Regulierungswelle
Die EU-Initiative reiht sich in eine weltweite Entwicklung ein: Australien, Großbritannien, die Türkei und Indonesien haben bereits Verbote für Jugendliche unter 15 oder 16 Jahren erlassen. Auch aus EU-Hauptstädten wie Athen, Kopenhagen und Paris kam zuletzt Druck für Altersbeschränkungen.
Einen konkreten Gesetzesvorschlag will die Kommission in Kürze vorlegen. Von der Leyen räumte ein, dass die Regelung „nicht narrensicher“ sein werde, und verglich den angestrebten Bewusstseinswandel mit der Einführung der Sicherheitsgurtpflicht. Die Mitgliedstaaten müssen den Vorschlag dann beraten.





