FDP warnt vor „Klassenarbeiten auf Arabisch“ – CDU spricht von „Lügenkampagne“
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Sprachstreit im Landtag

FDP warnt vor „Klassenarbeiten auf Arabisch“ – CDU spricht von „Lügenkampagne“

In NRW eskaliert der Streit um die Schulsprache. Ein Mehrsprachigkeits-Antrag von CDU, Grünen und SPD wird zum politischen Zündstoff. Die FDP fürchtet eine Aushöhlung des Deutschen als Unterrichtssprache, die Koalition wirft den Liberalen eine populistische Kampagne vor.

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Mit einem scharfen Angriff auf den Koalitionsantrag zur Mehrsprachigkeit hat FDP-Fraktionschef Henning Höne am Donnerstag einen Eklat im Düsseldorfer Landtag ausgelöst. Höne warnte vor einer „Hintertür für die Schwächung der Unterrichtssprache Deutsch“ und sprach von drohenden „Klassenarbeiten auf Arabisch, auf Türkisch, auf Ukrainisch“. CDU, Grüne und SPD wiesen die Darstellung empört zurück und warfen der FDP eine „Lügenkampagne“ vor.

Auslöser des Streits ist ein gemeinsamer Antrag der Regierungsfraktionen CDU und Grüne sowie der oppositionellen SPD zur Stärkung der Mehrsprachigkeit an Schulen. Der Vorstoß stammt bereits aus dem Sommer 2025 und fordert unter anderem einen Ausbau des Herkunftssprachlichen Unterrichts. Brisanz erhält er durch eine Passage, wonach Regelungen angepasst werden sollen, damit fachliche Kompetenzen auch dann erfasst werden können, wenn ein Kind „aufgrund noch unzureichender Deutschkenntnisse seine Kompetenzen nicht vollständig darstellen kann“.

Das Ziel: Mehrsprachigkeit fördern, Deutsch nicht abschaffen

Der Antrag zielt darauf ab, die sprachliche Vielfalt an den Schulen als Chance für bessere Bildungs- und Berufsperspektiven zu nutzen. Rund ein Drittel der Bevölkerung in NRW hat eine Zuwanderungsgeschichte, unter Schülern liegt der Anteil laut Angaben sogar bei 44 Prozent. Die GEW in NRW begrüßte den Vorstoß als „wertvolle Ressource“ und wies eine defizitäre Sichtweise auf Mehrsprachigkeit zurück. Die Grünen betonen, die Förderung von Mehrsprachigkeit solle stärker in der Fortbildung von Lehrkräften verankert werden.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stellte indes unmissverständlich klar:

Unsere gemeinsame Bildungssprache ist und bleibt Deutsch, sowohl im Unterricht als auch in Prüfungen.
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)

FDP scheitert mit Änderungsantrag – nur AfD stimmt zu

Die FDP hatte bereits vor der Debatte in sozialen Medien Stimmung gegen den Beschluss gemacht. Fraktionschef Höne legte nun nach:

Da sind wir bei Klassenarbeiten auf Arabisch, auf Türkisch, auf Ukrainisch.
FDP-Fraktionschef Henning Höne im NRW-Landtag

Die Liberalen brachten zwei Änderungsanträge ein: Einer forderte die Streichung der strittigen Passage, der andere lehnte Klassenarbeiten in anderen Sprachen als Deutsch pauschal ab. Beide wurden mit breiter Mehrheit abgelehnt – Zuspruch kam allein von der AfD-Fraktion. Die FDP veröffentlichte parallel ein Positionspapier mit dem Titel „Offensive für die deutsche Sprache als Grundlage für Chancen und Aufstieg“ und pocht darin auf verpflichtendes Sprachscreening und mehr Mittel für Deutschförderung.

CDU-Abgeordneter: „Was hat Sie verdammt noch mal geritten?“

Die Reaktionen der übrigen Fraktionen fielen vernichtend aus. Der CDU-Abgeordnete Jonathan Grunwald warf der FDP vor, dem „süßen Gift des Populismus“ zu verfallen:

Was hat Sie verdammt noch mal geritten, solch eine Lügenkampagne in den sozialen Medien loszutreten?
CDU-Landtagsabgeordneter Jonathan Grunwald

Die schulpolitische Sprecherin der SPD, Dilek Engin, nannte Hönes Aussagen einen „künstlichen Widerspruch“, den es gar nicht gebe:

Niemand in diesem Haus stellt infrage, dass Deutsch unsere gemeinsame Bildungs- und Verkehrssprache ist.
Schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion NRW, Dilek Engin

Bereits im Sommer 2025 hatte ein Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur festgestellt, dass Nordrhein-Westfalen Deutsch als Schulsprache nicht aufgibt und Mehrsprachigkeit nur ergänzend fördert. Die NRW-CDU ergänzte gegenüber NIUS, Arbeiten und Klausuren blieben „selbstverständlich in Deutsch“. Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, kritisierte den Beschluss dennoch als Wegbereiter für „tribalisierte Parallelgesellschaften“ und sprach von importiertem Analphabetismus.

Die Auseinandersetzung fällt mitten in den Wahlkampf zu den NRW-Kommunalwahlen am 14. September. Die schwarz-grüne Landesregierung unter Hendrik Wüst steht unter Druck, denn Bildung und Integration zählen zu den Top-Themen. Die FDP versucht, sich mit markigen Parolen zu profilieren – und nimmt dabei den Vorwurf der AfD-Nähe in Kauf.

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