FIFA setzt Staatsanwalt nach WM-Prügelei ein – Rote Karte für Paredes war falsch
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WM-Finale 2026

FIFA setzt Staatsanwalt nach WM-Prügelei ein – Rote Karte für Paredes war falsch

Nach Spaniens Finalsieg rasten Argentiniens Spieler aus. Die FIFA untersucht die Vorfälle und korrigiert eine fehlerhafte Platzverweis-Meldung. Spaniens Gavi spricht sich gegen Sperren aus.

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Eskalation nach dem Schlusspfiff

Es sollte der krönende Abschluss einer Monster-WM werden – und endete in einem wilden Handgemenge. Im MetLife-Stadion von New Jersey setzte sich Spanien im Finale gegen Argentinien nach Verlängerung mit 1:0 durch. Das Tor von Ferran Torres brachte den zweiten Titel für die Iberer, während sich der Traum von Titelverteidiger Argentinien in Luft auflöste. In einem Duell der Generationen zwischen Lionel Messi und Lamine Yamal blieb der 39-jährige Superstar blass – doch was danach passierte, war nicht weniger als ein Eklat.

Sekunden nach dem Schlusspfiff entlud sich die Frustration der Argentinier in mehreren Tätlichkeiten. Verteidiger Nahuel Molina schlug Spaniens Kapitän Rodri, der vom Bankbereich aufs Feld gelaufen war, mit der Faust in den Arm. Als Rodri den Angreifer konfrontierte, stieß Molina aggressiv nach vorne. Leandro Paredes packte Eric Garcia an der Kehle und warf ihn zu Boden. Der eingewechselte Gavi eilte seinem Teamkollegen zu Hilfe – und wurde von Paredes und Thiago Almada niedergestoßen. Paredes drückte dem 21-Jährigen dabei die Hand ins Gesicht. Co-Trainer Roberto Ayala, selbst 115-facher Nationalspieler, hielt Eric Garcia am Hals und schlug offenbar auch den Spanier Dani Olmo.

Paredes hat zwei oder drei Schwinger in jemandes Gesicht geworfen. Dafür gibt es keinen Platz. Wir wissen, wie viel es ihnen bedeutet und wie sehr es wehtut zu verlieren, aber es gibt eine Art und Weise zu verlieren. Zu oft haben wir das von Argentinien gesehen. Die Reaktion nach dem Schlusspfiff ist schrecklich.
Alan Shearer, BBC-Experte

Die verwirrende Rote-Karte-Panne

Das Spiel ist vorbei, sie können sich über das, was heute passiert ist, absolut nicht beschweren. Ekelhaftes Verhalten.
Joe Hart, BBC-Experte

Mitten in der Rangelei zeigte das FIFA-eigene Kommentatoren-Informationssystem für kurze Zeit eine Rote Karte gegen Paredes an – offenbar wegen dessen Attacke auf Garcia. Doch der Eintrag wurde Minuten später wieder gelöscht. Die FIFA bestätigte später ausdrücklich, dass kein Platzverweis gegen Paredes ausgesprochen wurde und während der Vorfälle keinerlei Disziplinarmaßnahmen auf dem Platz verhängt wurden. Eine Panne, die für zusätzliche Verwirrung sorgte.

FIFA schaltet Staatsanwalt ein

Am Tag nach dem Finale gab der Weltverband bekannt, ein Disziplinar- und Ethik-Staatsanwalt sei ernannt worden. Die Untersuchung stützt sich auf Artikel 36 des FIFA-Disziplinarkodex. Geprüft werden „mögliche Verstöße gegen den FDC im Zusammenhang mit den Vorfällen nach dem Spiel". Artikel 13 des Kodex deckt „beleidigendes Verhalten und Verstöße gegen die Grundsätze des Fairplay" ab – die Handgreiflichkeiten könnten als Verhalten gewertet werden, das den Fußball in Verruf bringt.

Dem ermittelnden Staatsanwalt stehen weitreichende Befugnisse zu. Er kann weltweit gültige Sperren verhängen, wie sie bereits Luis Suárez nach dessen Biss bei der WM 2014 (vier Monate) oder der ehemalige spanische Verbandspräsident Luis Rubiales nach dem Kuss-Skandal beim Frauen-Finale 2023 (drei Jahre) kassierten. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die Strafen für Molina, Paredes, Almada und Ayala milder ausfallen werden. Auch dem argentinischen Verband AFA droht eine Geldstrafe – zumal er bereits vorbelastet ist: Wegen eines Banners mit der Aufschrift "Las Malvinas son Argentinas" nach dem englischen Halbfinale und einer obszönen Geste von Emiliano Martínez nach dem Titel 2022 hat die FIFA bereits Verfahren eingeleitet.

Gavi plädiert für Milde, Olmo kritisiert Haltung

Ausgerechnet das prominenteste Opfer der Rudel-Prügelei sprach sich gegen harte Sanktionen aus. Der spanische Mittelfeldspieler Gavi, der von Paredes und Almada zu Boden gestoßen wurde und dessen Gesicht von Paredes' Hand bedeckt war, sagte:

Nein, um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass sie gesperrt werden sollten. Ich weiß, dass es kein gutes Beispiel für die Kinder ist, aber es gibt auch diese etwas brutalere Seite des Fußballs. Das Logischste wäre vielleicht gewesen, ihn während des Spiels vom Platz zu stellen und es dabei zu belassen. Aber am Ende des Tages gehört das alles zum Fußball dazu.
Gavi, spanischer Nationalspieler

Dani Olmo, der offenbar von Co-Trainer Ayala getroffen wurde, kritisierte vor allem die Haltung der Argentinier bei der Siegerehrung. Während unsere Mannschaft feierte, drehten sie uns den Rücken zu und verweigerten sich der Mixed Zone. Olmo sagte dazu:

Worauf es ankommt, sind die Werte, die man vermitteln will. Wir sind ein Vorbild für viele Generationen, und ich finde, das sollten sie auch sein.
Dani Olmo, spanischer Nationalspieler

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni wiegelte ab:

Wir sind gnädig im Sieg, und wir müssen gnädig in der Niederlage sein. Heute zeigen wir, dass wir zu verlieren wissen. Wir haben das Spiel verloren, und wir akzeptieren das, aber das heißt nicht, dass wir aufhören zu leben oder alles vergessen, was wir getan haben, um hierher zu kommen.
Lionel Scaloni, Cheftrainer Argentinien

Die Worte wirkten angesichts der Brutalität der eigenen Spieler wie blanker Hohn. Die Siegerehrung, bei der zuvor US-Präsident Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino gemeinsam den Pokal übergeben hatten, war überschattet von Respektlosigkeit.

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Wann die FIFA über mögliche Sanktionen entscheidet, ist offen. Der ermittelnde Staatsanwalt muss zunächst einen Bericht vorlegen – das kann Wochen oder Monate dauern. Sicher ist nur: Der WM-Finalkrimi wird eine aktenkundige Fortsetzung finden.

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