250 Millionen Dollar für Werbung: Streit um FIFA-Trinkpausen eskaliert
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WM-Trinkpausen

250 Millionen Dollar für Werbung: Streit um FIFA-Trinkpausen eskaliert

FIFA-Chef Gianni Infantino bestreitet kommerzielle Interessen an den verbindlichen Hydration Breaks. US-Medienexperten schätzen die Einnahmen von Fox auf eine Viertelmilliarde – in den Stadien gibt es Pfiffe.

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Drei Minuten Zwangspause bei jedem Spiel – sogar bei 16 Grad

Es ist das erste Mal, dass der Schiedsrichter in einem WM-Spiel ohne Rücksicht auf die Temperatur die Partie unterbricht. Bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gilt: exakt 22 Minuten nach Anpfiff jeder Halbzeit pfeift der Unparteiische eine dreiminütige Trinkpause ab – auch bei 16 Grad und in klimatisierten Arenen. Was als Spielerschutz begann, ist längst zum Symbol einer zunehmenden Kommerzialisierung geworden. FIFA-Präsident Gianni Infantino tritt nun die Flucht nach vorn an.

Am 24. Juni 2026 bezog der Schweizer in einem Interview mit dem Sportnachrichtendienst SNTV Stellung und wies jegliche Kritik zurück: „Uns geht es nicht ums Geld, uns geht es ausschließlich um den Sport." (FOCUS Online/dpa) Das Statement folgte auf wachsenden Unmut – in den Stadien wurden die Pausen zunehmend ausgepfiffen.

Uns geht es nicht ums Geld, uns geht es ausschließlich um den Sport.
Gianni Infantino (FIFA-Präsident)

Infantino argumentiert, die Unterbrechungen kämen sogar der Spielqualität zugute. "Vielleicht kann der Trainer bestimmte Situationen neu bewerten und bestimmte Fehler korrigieren. Die Spieler bekommen eine kleine Verschnaufpause und kommen dann wieder mit voller Kraft zurück. Nun, ist das unbedingt schlecht? Vielleicht ist es sogar gut." (t-online, via AP/SNTV) Und: "Wir haben noch nie erlebt, dass 90 Minuten in einem Turnier wie diesem mit einer solchen Intensität gespielt wurden."

250 Millionen Dollar für Fox – FIFA verdient angeblich nichts

Die Kritiker sehen in den Pausen vor allem eines: zusätzliche Werbefenster für die übertragenden Sender. Ein 30-sekündiger Spot bei Fox Sports kostet während der WM je nach Spiel zwischen 200.000 und 750.000 Dollar. Hochgerechnet auf die 104 Turnierspiele mit insgesamt 832 neuen Werbeslots (Luxembourg Times) kommt der US-Sender nach Expertenschätzungen auf Einnahmen von rund 250 Millionen Dollar – fast die Hälfte der Summe, die Fox für die Übertragungsrechte bezahlt hat.

Infantino kontert: Die FIFA erziele durch die Werbepausen "absolut nichts", da "alle kommerziellen Verträge bereits lange im Voraus unterzeichnet" worden seien (FOCUS Online). Tatsächlich hatte der Weltverband schon im März 2026 vermeldet, dass sämtliche globalen Sponsoring-Pakete ausverkauft seien – Monate bevor die Trinkpausen-Regel im Dezember 2025 offiziell beschlossen wurde.

Pfiffe bei 16 Grad – Fans fühlen sich veräppelt

In den Stadien sorgt die Regel für Kopfschütteln. Besonders absurd wirkte eine Trinkpause beim Gruppenspiel Ägypten gegen Iran in Seattle, als die Außentemperatur nur etwa 16 Grad betrug. "Wenn sie heute Abend eine Trinkpause machen, wird das wirklich lustig, denn es ist tatsächlich sehr kalt", spottete der ägyptische Fan Roger Antoine vor dem Spiel (Al Jazeera). Ein Stadion-Ordner beim US-Eröffnungsspiel gegen Paraguay in Los Angeles bezeichnete die Spielviertel wegen der Pausen bereits als "Quarters" – wie im American Football.

Auch der Spielfluss leidet nach Ansicht vieler Fans. Cesar Espino aus Washington, D.C. monierte gegenüber Al Jazeera, die Statistiken zeigten deutlich, dass "das Momentum komplett kippt, sobald die Trinkpause kommt". Infantino hält dagegen mit einem Fairness-Argument: "Wenn wir Trinkpausen nur in den Spielen einlegen würden, in denen es zu heiß ist, und nicht in den anderen, würden wir einigen Trainern oder Mannschaften einen Vorteil oder Nachteil verschaffen."

Wenger räumt ein: Nicht beliebt, keine Leistungsdaten

Kurz vor dem Finale am 18. Juli gab auch FIFA-Fußballentwicklungschef Arsène Wenger zu, dass die Trinkpausen nicht populär seien. "Manchmal mochten die Leute es nicht. Wir müssen nach der WM analysieren, welche Auswirkungen es hatte", sagte der frühere Arsenal-Trainer. Auf die Frage, ob Daten eine Verbesserung von Leistung oder Spielfluss belegten, antwortete er knapp: "Nein" (BBC, Al Jazeera, Reuters).

Schon zwei Tage zuvor hatte Infantino für Aufsehen gesorgt, als er US-Präsident Donald Trump überschwänglich lobte und die WM als „magisches Turnier" pries. Beim Finale zwischen Spanien und Argentinien, bei dem Trump gemeinsam mit Infantino den Pokal überreichte, wurden beide von den Fans ausgepfiffen – ein weiteres Zeichen der wachsenden Entfremdung zwischen FIFA und Fußballanhängern.

Während Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente die Trinkpausen als sinnvollen Gesundheitsschutz begrüßte, lehnte Englands Coach Thomas Tuchel sie ab: Sie würden die "Identität eines Fußballspiels verändern" (BBC). Die UEFA und die DFL haben für Bundesliga und europäische Wettbewerbe bereits klargestellt, dass es keine generellen Trinkpausen geben wird – man entscheide weiter situativ nach Wetterlage (FOCUS Online).

Die FIFA will nach der WM eine gründliche Analyse durchführen und dann über die Zukunft der Regel entscheiden. Derweil ist die mit einem erwarteten Umsatz von elf Milliarden Dollar die kommerziell erfolgreichste der Geschichte. Der Sportökonom Simon Chadwick sieht in den Trinkpausen weniger eine Frage des Geldes als einen Versuch der FIFA, "in einem zunehmend überfüllten Sport- und Unterhaltungsmarkt Marktanteile zu halten und relevant zu bleiben" (WIRED). Ob die Fans diese Logik goutieren, bleibt fraglich – die Pfiffe von Seattle und Los Angeles lassen Zweifel aufkommen.

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