Nur zwei Tage vor der Beerdigung des getöteten Marius Dick hat der AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Bohnhof den Fall auf Facebook instrumentalisiert. Er spricht der Familie sein Mitgefühl aus – und verknüpft es mit scharfer Kritik an der Migrationspolitik. Die Eltern des Opfers wehren sich gegen jede Stimmungsmache gegen Ausländer.
Am 15. Juli wurde der 22-jährige Marius Dick in der Robert-Schuman-Allee in Trier auf offener Straße erstochen. Der Täter, ein 22-jähriger Afghane namens Sajad M., war 2015 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland gekommen und hatte nach abgelehntem Asylantrag eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Er absolvierte eine Lehre als Metallbauer, galt als „bestens integriert“, war jedoch zuletzt in psychiatrischer Behandlung. Nach der Tat ordnete das Amtsgericht die Unterbringung in der geschlossenen Forensik an. Der Angriff traf den Studenten völlig willkürlich – ein Stich ins Herz war sofort tödlich. (Mehr zum Tathergang)
Die Eltern zeigten ihren Schmerz öffentlich: Am 20. Juli veröffentlichten sie eine Traueranzeige mit einem Bild, das Marius am Meer im Holland-Urlaub zeigt. „Durch ein unfassbares Verbrechen haben wir unser Kind verloren. Unsere Herzen sind gebrochen!“, schrieben Thomas und Elke Dick. Vater Thomas erklärte: „Er soll nicht vergessen werden und sein Tod soll nicht folgenlos bleiben.“
Bohnhofs politische Botschaft
Auf seiner Facebook-Seite schrieb der 63-jährige Dortmunder Rechtsanwalt und Vorsitzende des AfD-Bundeskonvents am 23. Juli: „Marius darf nicht vergessen werden! Mein tiefstes Mitgefühl gilt der Familie von Marius Dick.“ Anschließend lenkte er den Blick auf die Asyl- und Sicherheitspolitik: Deutschland brauche konsequentere Abschiebungen und einen besseren Schutz vor Messergewalt. Bohnhof verband den konkreten Fall so mit dem Wahlprogramm seiner Partei.
„Marius darf nicht vergessen werden! Mein tiefstes Mitgefühl gilt der Familie von Marius Dick. Der 22-jährige Geschichtsstudent aus Landstuhl hatte gerade seine letzte Klausur geschrieben, war einkaufen und wurde auf dem Heimweg in Trier auf offener Straße grundlos erstochen.“
Appell der Eltern: „Nicht gegeneinander ausspielen“
Die Eltern des Opfers, Thomas und Elke Dick, gehen mit ihrer Trauer bewusst an die Öffentlichkeit – doch anders, als es der AfD-Politiker suggeriert. „Deutschland muss aufstehen. Tut etwas“, forderten sie im SWR. Gleichzeitig betonte Elke Dick: „Es geht uns nicht darum, Menschen gegeneinander auszuspielen. Bei uns ist jeder willkommen, der friedlich mit uns lebt.“ Das Ehepaar selbst ist in der CDU verwurzelt.
Bundeskanzler Friedrich Merz rief die Familie persönlich an. Thomas Dick zeigte sich überrascht und dankbar, wertete das Gespräch als „sehr emotional“ und hatte den Eindruck, Merz habe „emotional die Nachricht verstanden“. Jetzt warte man auf Taten: „Wir warten ja auf Antworten.“
Die Eltern berichteten von massiven Hassbotschaften im Netz, die sie tief getroffen hätten. Nachrichten wie „Dieses Mal hat es die Richtigen getroffen“ oder „Ihr habt Blut an euren Händen“ machten die Runde. Elke Dick sagte dem SWR: „Das hat uns tief getroffen.“
Eine ausführliche Darstellung ihrer Forderungen finden Sie hier: Eltern fordern Abschiebungen: „Hört auf zu schweigen, benennt diese Probleme“
AfD vereinnahmt den Fall
Bohnhofs Post ist kein Einzelfall. Der AfD-Politiker Georg Pazderski hatte bereits zuvor auf X gehetzt: „Die Gutmenschen beglückten ihn mit der ganzen Palette unseres überfürsorglichen Sozialstaates – er galt als gut integriert. Zum Dank erstach er Marius Dick.“ Die AfD nutzt den Fall systematisch, um ihre migrationsfeindliche Agenda zu befeuern, während die Eltern vor Vereinnahmung warnen.
Am Samstag wurde Marius Dick unter großer öffentlicher Anteilnahme beigesetzt. Zur Trauerfeier in Landstuhl kamen rund 500 Menschen, darunter der rheinland-pfälzische Innenminister Achim Schwickert (CDU). Die Eltern äußerten die Hoffnung, dass der Tod ihres Sohnes ein Symbol für Veränderung sein möge. Derweil läuft die politische Debatte weiter – und die Instrumentalisierung durch die AfD könnte den Blick auf die drängenden Sicherheitsfragen verstellen.





