„Das kann nicht sein. Wer macht denn so was?“
Es ist der 15. Juli 2026, gegen 10 Uhr, als Thomas Dick die Nachricht erhält. Sein Sohn Marius, 22, sei in Trier mit einem Messer angegriffen worden. „Marius ist tot? Was? Wieso? Das kann nicht sein. Der ist doch in Trier. Wer macht denn so was?“, schildert der Vater später fassungslos im Interview mit NIUS. Der Student aus Landstuhl war nach einem Einkauf auf der Robert-Schuman-Allee von einem Gleichaltrigen attackiert worden – ein Zufallsopfer.
Am 15. Juli wurde der 22-Jährige in Trier-Ost erstochen. Der Täter, der später als Sajad M. identifiziert wurde, stach mindestens zweimal auf den Oberkörper des Studenten ein. Ein Stich traf ihn direkt ins Herz. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen starb Marius Dick wenig später im Krankenhaus.
Tatverdächtiger Sajad M. – abgelehnter Asylbewerber mit Niederlassungserlaubnis
Sajad M., 22, war 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde 2017 abgelehnt, dennoch erhielt er 2023 eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Er galt als gut integriert, hatte eine Ausbildung abgeschlossen und arbeitete seit vier Jahren in Trier. Nach der Tat räumte er die Messerattacke ein. Der Ermittlungsrichter ordnete die einstweilige Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie an. Die Staatsanwaltschaft geht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.
Die Universität Trier steht unter Schock. Über 1.000 Studierende versammelten sich am 16. Juli zu einer Gedenkminute. „Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir erfahren, dass ein Studierender unserer Universität Opfer eines Tötungsdelikts geworden ist“, hieß es auf der Website der Hochschule. Nur wenige Tage später wurde eine Studentin tot in ihrer Wohnung aufgefunden, die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. In der Heimatstadt Landstuhl wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt.
„Ich erwarte jetzt, dass Merz etwas bewegt“
Sieben Tage nach der Tat brechen Thomas und Elke Dick ihr Schweigen. Gegenüber NIUS erheben sie schwere Vorwürfe gegen die Politik und fordern Konsequenzen. „Wir müssen die Leute dann, wenn sie schwer straffällig sind, wieder zurückführen“, sagt Thomas Dick, selbst CDU-Politiker. Er appelliert an die Landes- und Bundesregierung, die Bürger vor solchen Attentaten zu schützen.
„Wir müssen die Leute dann, wenn sie schwer straffällig sind, wieder zurückführen.“
Seine Frau Elke beschreibt die Momente nach der Todesnachricht: „Als ich die Nachricht vom Tod meines Sohnes bekommen habe, bin ich zusammengebrochen und habe nur noch geschrien: ,Mein Kind, mein Kind, mein Marius. Das kann nicht sein.‘“ Die Eltern betonen, es gehe ihnen nicht um pauschale Ausländerfeindlichkeit, sondern um Sicherheit: „Es geht uns nicht darum, Menschen gegeneinander auszuspielen. Bei uns ist jeder willkommen, der friedlich mit uns lebt.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Familie nach der Tat angerufen. Das etwa zehnminütige Gespräch sei sehr emotional gewesen. Dennoch bleibt Thomas Dick skeptisch: „Ich erwarte jetzt natürlich auch, dass er irgendwas bewegt, dass er irgendwas in Gang setzt.“
Dobrindt: Abschiebungen auch nach Afghanistan forcieren
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte Verständnis für die Forderungen der Eltern. Es hielten sich Menschen in Deutschland auf, die immer mit Hinweis auf psychische Störungen schwerste Straftaten begingen – das könne die Gesellschaft nicht akzeptieren. „Ich halte das nach wie vor für eine zwingend notwendige Maßnahme und werde auch nicht lockerlassen, diese Abschiebungen auch in diese Länder wie Afghanistan weiter zu forcieren“, sagte Dobrindt in Berlin.
Während die rheinland-pfälzische Landesregierung erklärte, man werde „die bestehenden Regelungen vollumfänglich ausschöpfen“ und mit ausländerrechtlichen Konsequenzen reagieren, blieb die Bundesregierung eine konkrete Antwort auf den Schutz-Appell der Eltern schuldig. Ein Regierungssprecher verwies lediglich auf die Gewaltenteilung und die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden.
Am Samstag, dem 25. Juli, wird Marius Dick in Landstuhl beigesetzt. „Der schwerste Gang unseres Lebens“, sagen die Eltern. Thomas Dicks Appell an die Politik bleibt: „Hört auf zu schweigen, sondern benennt diese Probleme. Setzt euch zusammen mit allen Parteien, findet Lösungen und löst diese Probleme umgehend.“





