Schropp warnt nach Anschlag vor politischer Ausbeutung
Am Samstagabend raste ein Fahrzeug bei der Terrorfahrt am Berliner CSD in eine Menschenmenge. Eine polnische Staatsbürgerin starb, mindestens 29 Personen erlitten teils schwere Verletzungen. Der mutmaßliche Täter, der 21-jährige Abdul Ballout, war den Behörden als radikalisierter Islamist bekannt; er wurde am Sonntag von einem SEK in einer Spandauer Gartenlaube erschossen. Nur wenige Stunden zuvor hatte TV-Moderator Jochen Schropp mit Ricarda Hofmann die Hauptbühne am Brandenburger Tor moderiert. Der 47-Jährige fürchtet nun eine politische Vereinnahmung der Tat. In einem Exklusiv-Interview mit RTL warnte er eindringlich:
„Sollte sich der mutmaßlich islamistische Hintergrund der Tat bestätigen, fürchte ich, dass dieser Anschlag politisch instrumentalisiert wird und am Ende ausgerechnet denjenigen Kräften zugutekommt, die selbst gegen queere Rechte arbeiten und unsere demokratischen Werte infrage stellen.“
Schropp verlangt ein entschlossenes Vorgehen gegen Menschenfeindlichkeit – „ohne dabei die Werte preiszugeben, die wir verteidigen wollen“. Angesichts wachsender Anfeindungen betont er: „Gerade in einer Zeit, in der queere Menschen wieder häufiger zum Ziel von Hass und Gewalt werden, dürfen wir Sichtbarkeit nicht als selbstverständlich betrachten. Sie braucht Mut. Und sie braucht eine Gesellschaft, die sich schützend vor diejenigen stellt, die angegriffen werden.“
„Queere Menschen dürfen weder zum Ziel von religiösem Extremismus werden noch zum politischen Spielball derjenigen, die unsere Rechte für ihre eigene Agenda benutzen.“
CDU macht Druck für schärfere Sicherheitsgesetze
Während Schropp vor Vereinnahmung warnt, nutzen CDU-Sicherheitspolitiker den Anschlag für einen härteren Kurs. Marc Henrichmann, Vorsitzender des Geheimdienst-Kontrollgremiums, forderte, „Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten“ nicht länger überhöht zu sehen. Alexander Throm verlangte: „Im Zweifel für die Sicherheit der Bevölkerung.“ JU-Chef Johannes Winkel forderte Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einer „abscheulichen Tat“ und kündigte an, die Rechtslage zur Überwachung von Gefährdern überprüfen zu lassen.
„Hass und Angst dürfen nicht das letzte Bild dieses Tages sein. Wir bleiben sichtbar. Wir bleiben laut. Und wir bleiben zusammen.“
Trotz aller Erschütterung hob Schropp die positiven Bilder des Tages hervor: Hunderttausende, die „laut, bunt, friedlich und solidarisch“ durch Berlin gezogen seien. Sein kämpferisches Fazit steht gegen die Forderungen nach einer reinen Sicherheitspolitik. Offen bleibt, ob der Anschlag zu einer Verschärfung der Gesetze führt und wie sich die Debatte um die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit entwickeln wird.





