Kretschmer attackiert Merz: „Erfolgreichstes Kabinettsmitglied“ entlassen
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CDU-Krise

Kretschmer attackiert Merz: „Erfolgreichstes Kabinettsmitglied“ entlassen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nannte die aus Nordsachsen stammende CDU-Politikerin Christiane Schenderlein das „erfolgreichste Kabinettsmitglied“ der Regierung Merz und erklärte die Entlassung für unverständlich.

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Sachsens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Michael Kretschmer hat die Ablösung von Christiane Schenderlein als Sport-Staatsministerin im Kanzleramt in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. In einem Interview mit MDR AKTUELL am Abend des 27. Juli 2026 sprach der 51-Jährige der aus Nordsachsen stammenden CDU-Politikerin das Prädikat „erfolgreichste Kabinettsmitglied in der Regierung Merz“ zu und erklärte: „Insofern habe ich diesen Wechsel überhaupt nicht verstanden.“

Ich hätte eher gesagt, Frau Schenderlein bekommt die Urkunde für das erfolgreichste Kabinettsmitglied in der Regierung Merz. Diese Veränderung, die müssen wir erst alle noch mal durchdenken und dann vielleicht verstehen.
Michael Kretschmer, Ministerpräsident Sachsens und CDU-Landeschef

Kretschmer beließ es nicht bei der Einzelpersonalie. Zum gesamten Regierungsumbau sagte er: „Es ist eine schwierige Geschichte gewesen die letzten Tage. Ich glaube, viele Menschen standen davor, haben das Ganze beobachtet und haben den Kopf geschüttelt. Ich auch.“ Gleichwohl räumte er Merz das Recht ein, sein Team selbst zu bilden: „Jetzt gibt es eine Veränderung. Die ist sicherlich nicht so glattgelaufen, wie man das erwarten kann. Aber jetzt gibt es diese Klarheit, und jetzt geht es hoffentlich auch wieder an die Arbeit.“

Ein Jahr Erfolge – und plötzlich der Rauswurf

Schenderlein, die einzige ostdeutsche Ministerin im Kabinett Merz, hatte erst vor 14 Monaten das neu eingerichtete Sportressort im Kanzleramt übernommen. In dieser Zeit brachte sie das Sportfördergesetz durch den Bundestag, gründete das Zentrum für Safe Sport und die unabhängige Spitzensportagentur, die sie zudem nach Mitteldeutschland holte. Auch die Olympiabewerbung unterstützte sie aktiv. Am Montag gab Kanzler Merz dann die Personalrochade bekannt: Schenderlein wechselt als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium, ihr bisheriger Posten bleibt vorerst unbesetzt.

Hintergrund: Der CSU-Konflikt

Die genauen Beweggründe von Merz sind öffentlich nicht dokumentiert. Doch mehrere Quellen deuten auf einen Konflikt mit der CSU hin: Bereits im Frühjahr 2026 gab es erhebliche Spannungen um das von Schenderlein vorangetriebene Sportfördergesetz, mit dem die Spitzensportförderung grundlegend reformiert und eine unabhängige Agentur geschaffen werden sollte. CSU-Chef Markus Söder kritisierte das Gesetz in der „Bild“-Zeitung scharf als staatliche Einmischung in den Sport. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) soll es Medienberichten zufolge zeitweise im Kabinett blockiert haben.

Die Sportplattform Sportspitze berichtete zudem, Merz habe den „öffentlichkeitswirksamen Spitzenposten“ mit einer bekannten Sportlerin besetzen wollen – allein das habe bei CDU-Politikern aus Ostdeutschland Kopfschütteln ausgelöst. Auch soll es rund um die Olympiabewerbung immer wieder „Knatsch“ mit Markus Söder gegeben haben, den das Portal als „besonderen Troublemaker“ bezeichnete.

Ostdeutsche Verbände in Aufruhr

Kretschmers Kritik ist kein Einzelfall. Die Ablösung der einzigen ostdeutschen Ministerin hatte schon im Vorfeld massiven Unmut in den ostdeutschen CDU-Landesverbänden ausgelöst. Kretschmer sieht bei der Bundesregierung einen grundsätzlichen Nachholbedarf bei der Wahrnehmung ostdeutscher Interessen – er nannte Rente, Pflegeheimkosten und wirtschaftliche Entwicklung. Aus seiner Sicht reiht sich die Schenderlein-Ablösung in ein Muster zu geringer Berücksichtigung ostdeutscher Belange in Berlin.

In der CDU-Bundesvorstandssitzung am Montagmorgen hatte zuvor Sachsens Innenminister Armin Schuster für eine stärkere ostdeutsche Repräsentanz geworben. Merz soll ihn jedoch „abgebürstet“ haben mit dem Hinweis, der Mecklenburger Philipp Amthor ziehe als Staatsminister ins Kanzleramt ein und Schenderlein bleibe ja als Staatssekretärin präsent.

Die Entscheidung des Bundeskanzlers nehme ich zur Kenntnis. Dass er sie – anstelle eines persönlichen Gesprächs mit mir – zuerst in Parteigremien und vor der Presse verkündet hat, bleibt seine eigene Stilfrage.
Tino Sorge, entlassener Gesundheitsstaatssekretär (CDU)

Kretschmers Intervention zeigt Wirkung

Ein bemerkenswertes Detail: Laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) erhielt Schenderlein ihren neuen Posten im Gesundheitsministerium erst, nachdem Kretschmer sich bei Merz persönlich über die Entlassung beschwert hatte. Sie rückte dann kurzerhand auf die Stelle von Tino Sorge. Dies deutet darauf hin, dass Kretschmers Intervention zumindest eine nachträgliche Abfederung bewirkte – Schenderlein blieb so auf Bundesebene präsent. Die parteiinterne Kritik an Merz’ Führungsstil nahm unterdessen weiter zu.

Merz unter Druck: Breiter Unmut in der CDU

In derselben Vorstandssitzung hielt der Bremer CDU-Landeschef Heiko Strohmann dem Kanzler entgegen: „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.“ Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, verglich die aktuelle Stimmung mit der Zeit der Spendenaffäre. Besonders schwerwiegend: Die CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz sagte ein für September geplantes Treffen mit Merz ab. Fraktionschef Christoph Gensch schrieb, ein persönlicher Austausch setze ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung voraus, „was durch die aktuelle Situation so leider nicht gegeben ist.“

Merz hofft nun auf ein Ende der Personaldebatten ab Mittwoch, dem 29. Juli. Die Vereidigung der neuen Minister soll aus Kostengründen erst nach der Sommerpause am 9. September stattfinden – auch das sorgte für verfassungsrechtliche Kritik. Wer Schenderlein als Sport-Staatsministerin nachfolgt, ließ der Kanzler bewusst offen. Auf der Pressekonferenz angesprochen auf Nadine Keßler, die Ex-Nationalspielerin und Weltfußballerin des Jahres 2014, sagte Merz lediglich, er werde die Nachfolge „zu einem späteren Zeitpunkt präsentieren“. Die Entlassung von Verkehrsminister Schnieder hatte bereits gezeigt, wie riskant überhastete Personalentscheidungen sein können.

Chronologie des Regierungsumbaus

  1. 19. Juli 2026
    Spahn-Rücktritt

    Fraitionschef Jens Spahn tritt wegen einer Leihmutter-Affäre zurück.

  2. 24. Juli 2026
    Umbau beginnt

    Merz informiert Schenderlein telefonisch über ihre Ablösung; Warken wird Kanzleramtschefin, Linnemann Gesundheitsminister.

  3. 27. Juli 2026
    Vorstandssitzung und Kretschmers Attacke

    Scharfe Kritik im CDU-Bundesvorstand; Umbau offiziell; abends kritisiert Kretschmer die Schenderlein-Entlassung im MDR.

  4. 29. Juli 2026
    Ernennung der Minister

    Neue Kabinettsmitglieder sollen durch den Bundespräsidenten ernannt werden.

Die Entscheidung über die Nachfolge im Sportressort dürfte auch die ostdeutsche CDU genau beobachten. Mit der möglichen Kandidatin Keßler aus Westdeutschland bleibt die Repräsentanz-Debatte brisant – und Kretschmer hat deutlich gemacht, dass er nicht gewillt ist, dieses Feld kampflos zu räumen.

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