Aussage mit Sprengkraft
In der hitzigen Debatte nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) hat sich der TikTok-Creator Muhammed Coskun mit deutlichen Worten gegen ein Kopftuchverbot gestellt. In einem Video, das über die Facebook-Seite „Typisch Bugra – FaxxenTV“ mit rund 439.000 Followern sowie auf Instagram verbreitet wurde, sprach Coskun von einer „Unverschämtheit“ gegenüber Muslimen.
Coskun, der auf seiner TikTok-Profilseite als „Politiker · Bundestagsabgeordneter – JuP Landesvertreter – BW a.D.“ firmiert, ist mit rund 2.370 Followern und über 72.800 Likes eine eher kleine Stimme im Netz. Eine Bestätigung seiner politischen Vita durch offizielle Stellen fehlt indes: Die Abgeordneten-Datenbank des Bundestags listet keinen Muhammed Coskun, weder in der aktuellen Wahlperiode noch früher.
Zwei brisante Zitate
„Muslime sind Menschen und haben genauso viele Rechte in diesem Land.“
Mit diesem Satz stellt Coskun die rechtliche Gleichstellung in den Vordergrund und argumentiert gegen ein pauschales Verbot. Sein zweites Zitat unterstreicht die persönliche Bedeutung des Kopftuchs:
„Ein Kopftuchverbot wäre eine Unverschämtheit gegenüber Menschen muslimischen Glaubens, denn das Kopftuch gibt vielen Musliminnen sehr viel Kraft.“
Coskuns Statement fällt in eine Zeit, in der das Thema Kopftuch nach dem CSD-Anschlag neue Brisanz erhalten hat. Erst vor wenigen Tagen hatte die Hijab-tragende Finalistin Büsra Sayed mit einem „AfD10“-Rabatt auf Hijabs reagiert, nachdem Beatrix von Storch sie als „Hijab-Aktivistin“ bezeichnet hatte.
Der blutige Hintergrund
Chronologie: Vom Libanon-Aufenthalt zum CSD-Anschlag
- November 2025Abdul B. wird abgeschoben
Nach einem gescheiterten Versuch, sich dem IS im Libanon anzuschließen, wird der 21-jährige Deutsch-Libanese nach Deutschland abgeschoben und in Untersuchungshaft genommen.
- Mai 2026Bewährungsstrafe und Freilassung
Ein Jugendgericht verurteilt ihn zu 22 Monaten auf Bewährung. Trotz Berufung der Staatsanwaltschaft kommt er frei.
- 26. Juli 2026Tödlicher Anschlag auf den CSD
Abdul B. fährt am Rande der CSD-Abschlussparty in eine Menschenmenge, tötet eine Frau und verletzt 29 Menschen. Die Polizei erschießt den Täter.
Unmittelbar nach der Tat forderten CDU/CSU-Politiker ein härteres Vorgehen. Marc Henrichmann (CDU) sprach von einer „Kriegserklärung an unsere freiheitliche Demokratie“, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte die Bewährungsstrafe eine „Katastrophe“. Gleichzeitig warnten die CSD-Veranstalter eindringlich vor Instrumentalisierung:
„Wir wollen nicht, dass diese Tat für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder Menschen unter Generalverdacht gestellt werden.“
In diese polarisierte Stimmung hinein postete Coskun sein Video. Während etablierte Medien nicht über seinen Auftritt berichteten, sorgte die virale Verbreitung auf Social Media für Reichweite.
Coskuns Selbstbezeichnung als Ex-Bundestagsabgeordneter bleibt unbelegt. Dennoch spiegelt sein Statement die verfassungsrechtliche Position wider: Das Bundesverfassungsgericht hat pauschale Kopftuchverbote wiederholt für unverhältnismäßig erklärt. Die Debatte dürfte auch mit Blick auf Forderungen aus dem politischen Raum, wie etwa den jüngst von Sophie Koch (SPD) und Kai Wegner (CDU) vorgeschlagenen Islamunterricht, weiter anhalten.
Ob Coskun mit seiner Wortmeldung über das Netz hinaus Wirkung entfaltet, bleibt offen. Sein Profil auf TikTok zeigt ihn jedenfalls weiterhin als selbsterklärten Politiker – eine offizielle Bestätigung steht bislang aus.








