Im Ringen um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident steuern CDU und CSU auf einen offenen Machtkampf zu. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) favorisiert nach Informationen der Bild-Zeitung den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein, CSU-Chef Markus Söder dagegen will die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner durchsetzen.
Im ARD-Sommerinterview am Abend des 2. August 2026 bekräftigte Söder seinen Vorschlag, Aigner zur Nachfolgerin Steinmeiers zu machen. Die Unionsparteien hätten sich festgelegt, dass diesmal eine Frau ins Schloss Bellevue einziehen solle, betonte er.
„Die Ilse wäre, wie ich glaube, eine gute Bundespräsidentin und es würde mich freuen, wenn es am Ende klappen würde.“
Söder kann auf Rückendeckung aus der SPD hoffen, wie die Welt berichtet. Der bayerische Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) lobte Aigners „politische Erfahrung, menschliche Integrität und ein tiefes Verständnis für unsere parlamentarische Demokratie“.
„Man hat sich ja festgelegt, dass dieses Mal eine Frau Bundespräsidentin werden soll.“
Merz’ Gegenvorschlag: Boris Rhein
„Ilse Aigner bringt alles mit, was eine gute Bundespräsidentin auszeichnet: politische Erfahrung, menschliche Integrität und ein tiefes Verständnis für unsere parlamentarische Demokratie.“
Doch Merz hat einen anderen Namen im Kopf: Boris Rhein, den 54-jährigen Ministerpräsidenten von Hessen. Der Volljurist regiert das Land seit 2022 und genießt in der CDU den Ruf eines unaufgeregten Administrators – genau das, was auch von einem Bundespräsidenten erwartet werde, so die Junge Freiheit.
Hinter Merz’ Präferenz steht keine persönliche Geringschätzung Aigners. Er nannte sie „respektabel“ und „denkbar“. Doch das Kalkül des Kanzlers geht weit über Personalfragen hinaus.
„Ilse Aigner ist sicherlich eine respektable, denkbare Bundespräsidentin.“
Der entscheidende Grund ist die Furcht vor einer Staatskrise, sollte die AfD bei den Landtagswahlen im September in Ostdeutschland einen Ministerpräsidenten stellen. In einem solchen Szenario, das in Berlin hinter den Kulissen bereits durchgespielt wird, brauche es einen Bundespräsidenten mit juristischem Sachverstand und der Autorität, das Grundgesetz präzise auszulegen, berichtet der Merkur.
Rhein bringt diese Voraussetzungen mit. Zudem gilt er als Ziehsohn des früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der heute zu den engsten Beratern von Merz zählt. Die persönliche Verbindung könnte den Ausschlag geben.
Keine Festlegung auf eine Frau
Anders als Söder hat Merz sich nie öffentlich darauf verpflichtet, dass eine Frau Bundespräsidentin werden müsse. Er wünsche sich einen Kandidaten oder eine Kandidatin, die breite Zustimmung finde, erklärte er. Unionsfraktionschef Thorsten Frei sekundierte im Sender Welt-TV: „Aus meiner Sicht muss beides möglich sein.“
„Aus meiner Sicht muss beides möglich sein. Wir sollten da offen rangehen.“
Diese Offenheit stößt in der CSU auf Widerstand. Söder beharrt auf dem Prinzip einer weiblichen Kandidatin und sieht sich durch positive Signale aus der SPD bestärkt. Der Konflikt um die Geschlechterfrage zeigt, wie tief die Meinungsverschiedenheiten in der Union gehen.
Die Entscheidung im Herbst
Die Union will ihren Kandidatenvorschlag im September küren. Doch Merz möchte zunächst die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September), Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (20. September) abwarten. Ihr Ausgang wird die Zusammensetzung der Bundesversammlung prägen, die am 30. Januar 2027 den neuen Bundespräsidenten wählt.
In der Unionsführung ist man sich bewusst, dass die Anforderungen an das Staatsoberhaupt unter den gegenwärtigen politischen Vorzeichen extrem hoch sind. Es gehe um „gewaltige Autorität, viel Regierungserfahrung“ und die Fähigkeit, im Ernstfall die Demokraten zusammenzubringen, zitierte der Merkur aus Unionskreisen.
Ob sich Merz mit Rhein durchsetzt oder Söder mit Aigner, bleibt offen. Die SPD dürfte bei der Entscheidung ein gewichtiges Wort mitreden – und hat sich bereits für Aigner stark gemacht. Der Termin im September verspricht eine Richtungsentscheidung für die Union und das Land.
Der Weg zur Kandidatenkür
- 26. Juli 2026Söder schlägt Aigner vor
Im ZDF-Sommerinterview bringt CSU-Chef Markus Söder die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als mögliche Bundespräsidentin ins Gespräch.
- 2. August 2026Bild enthüllt Merz’ Rhein-Plan
Die Bild-Zeitung berichtet exklusiv, dass Bundeskanzler Friedrich Merz den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein favorisiert.
- 6. September 2026Landtagswahl Sachsen-Anhalt
Die Wahl in Sachsen-Anhalt beeinflusst die Zusammensetzung der Bundesversammlung.
- 20. September 2026Landtagswahlen in MV und Berlin
Auch Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wählen neue Landesparlamente.
- September 2026Geplante Entscheidung der Union
Nach Söders Angaben soll der gemeinsame Kandidatenvorschlag im September feststehen.
- 30. Januar 2027Bundesversammlung wählt neuen Präsidenten
In Berlin tritt die Bundesversammlung zusammen und wählt den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier.
