Im Bundestag warf Ricarda Lang Russland vor, die deutsche Gesellschaft mit hohen Energiepreisen spalten zu wollen. Der Plan sei nicht aufgegangen: „Wir lassen uns nicht spalten.“
Mehr als drei Jahre später erreicht Ricarda Langs Bundestagsrede vom 15. Dezember 2022 erneut ein großes Publikum. Die damalige Grünen-Vorsitzende warf Russland vor, die deutsche Gesellschaft gezielt spalten zu wollen – mit steigenden Energiepreisen als politischem Druckmittel. Auszüge der Rede verbreiten sich seit August 2026 viral in sozialen Netzwerken.
Anlass der ursprünglichen Debatte war die Einführung von Preisbremsen für Gas, Wärme und Strom. Der Bundestag beriet an jenem Tag abschließend über die Gesetzentwürfe, die die Folgen der explodierenden Energiekosten für Bürger und Wirtschaft abfedern sollten.
„Wir lassen uns nicht spalten.“
Ricarda Lang, damalige Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen
Lang machte deutlich, dass Putins Kalkül nicht aufgegangen sei. „Aus dem Winter der Wut wird ein Winter der Solidarität“, sagte sie laut Plenarprotokoll. Die deutsche Demokratie habe sich widerstandsfähiger gezeigt, als der Kreml erwartet habe.
Putins Strategie: Spaltung durch Energiepreise
Wladimir Putin habe nicht nur militärisch die Ukraine überfallen, sondern auch die wirtschaftlichen Folgen des Krieges als Waffe gegen den Westen eingesetzt, so Lang. Die steigenden Gas- und Stromkosten sollten die Unterstützung der deutschen Bevölkerung für die Ukraine untergraben und innenpolitische Konflikte verschärfen.
Bereits vor Kriegsbeginn habe Deutschland in einer gefährlichen Abhängigkeit von russischem Gas gesteckt. Diese Abhängigkeit sei „niemals billig gewesen“, betonte Lang. Jetzt zahle die Bevölkerung den Preis dafür. Ein dauerhafter Ausstieg aus fossiler Energie aus Russland sei daher unverzichtbar.
Dass Putin mit solchen Methoden arbeitet, ist in der Politik nicht neu. Erst kürzlich warf der Grünen-Abgeordnete Robin Wagener der AfD vor, als „nützliche Idioten“ des Kremls zu agieren. Auch der ukrainische Botschafter Makeiev sprach von „Weisungen aus Moskau“ an deutsche Parteien.
Chronologie der Eskalation
Russlands Energiekrieg gegen Deutschland
24. Februar 2022
Russland greift Ukraine an
Putin beginnt den großflächigen Angriffskrieg. Die Energiepreise in Europa schnellen in die Höhe.
15. Dezember 2022
Lang hält Bundestagsrede
Während der Debatte zur Strom- und Gaspreisbremse wirft die Grünen-Chefin Russland gezielte Spaltungsversuche vor.
1. Januar 2023
Preisbremsen treten in Kraft
Gas- und Strompreisbremse sollen Millionen Haushalte und Unternehmen vor explodierenden Kosten schützen.
August 2026
Rede geht viral
Mehr als dreieinhalb Jahre später erreichen Langs Worte über soziale Medien erneut ein großes Publikum.
Gas- und Strompreisbremse: Entlastung und Signal an Moskau
Der Bundestag beschloss die Preisbremsen noch am selben Tag mit breiter Mehrheit. Für die Gas- und Wärmepreisbremse stimmten 370 Abgeordnete, die Strompreisbremse passierte das Parlament mit 373 Ja-Stimmen. Die Gesetze sollten Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeheime und die Wirtschaft gezielt entlasten.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) unterstrich die Signalwirkung der Maßnahmen an den Kreml. Die Entlastungen zeigten, dass Deutschland standhaft bleibe.
„Wir lassen uns nicht erpressen, wenn es um die Verteidigung der Demokratie und der Menschenrechte geht.“
Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister (SPD)
Die erneute Verbreitung der Rede vier Jahre später zeigt, wie aktuell Langs Warnungen vor russischer Einflussnahme geblieben sind. Die Frage, ob Deutschlands Energiesouveränität dauerhaft gesichert ist, bleibt politisch umkämpft.