548 Gleichstellungsbeauftragte – der Bund kennt nicht einmal die Kosten
AfD-Anfrage enthüllt: Hunderte Gleichstellungsbeauftragte im öffentlichen Dienst, doch die Bundesregierung hat weder Kosten noch Wirksamkeit je geprüft. Nun fordert die AfD die Abschaffung.
548 Gleichstellungsbeauftragte wachen in deutschen Bundesbehörden, Gerichten und der Bundesagentur für Arbeit über die Personalpolitik. Was dieser Apparat den Steuerzahler kostet, weiß die Bundesregierung nicht – eine Evaluation der Wirksamkeit hat es nie gegeben. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die der Jungen Freiheit exklusiv vorliegt.
In der unmittelbaren Bundesverwaltung stieg die Zahl der Gleichstellungsbeauftragten seit 2020 von 369 auf 388 im Dezember 2025. Davon unterlagen 338 dem Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG). Hinzu kommen 50 militärische Gleichstellungsbeauftragte nach dem Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsgesetz (SGleiG) im Verteidigungsressort sowie 160 Beauftragte bei der Bundesagentur für Arbeit.
Gleichstellungsbeauftragte in der unmittelbaren Bundesverwaltung
Quelle: Bundesregierung, BT-Drs. 21/7308
AfD fordert komplette Abschaffung
René Springer, Bundestagsabgeordneter der AfD und Initiator der Anfrage, sieht in den Hundert Stellen einen unnötigen Wasserkopf. Er fordert die vollständige Abschaffung des Amtes.
„Deutschland braucht keine Gleichstellungsbürokratie, sondern eine schlanke Verwaltung, die sich in den Dienst der Bürger stellt. Hunderte Stellen sind für eine Aufgabe freigestellt, deren Nutzen nie überprüft wurde und deren Kosten die Bundesregierung lieber verschweigt. Die Gleichstellungsbeauftragten gehören abgeschafft.“
René Springer, AfD-Bundestagsabgeordneter
Gleichstellungsbefürworter warnen vor Angriff auf Frauenrechte
Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende, hatte bereits im März 2026 vor einer solchen Strategie gewarnt. Sie verteidigt die Beauftragten als institutionelle Stimme der Frauen und sieht in den Anfragen einen gezielten Versuch, Strukturen zu erfassen, um sie später abzubauen.
„Wer Gleichstellungsbeauftragte abschafft, nimmt Frauen ihre institutionelle Stimme. Wer Gleichstellungspläne streicht, verzichtet bewusst auf Transparenz und Steuerung. Wer Quoten pauschal ablehnt, blendet bestehende strukturelle Ungleichheiten aus. Und wer Berichtspflichten und die Datengrundlage zur Gleichstellung beseitigt, schafft keine Entlastung, sondern gezielte Intransparenz.“
Was die Beauftragten tun – und warum nur Frauen kandidieren dürfen
Gleichstellungsbeauftragte sind nach dem BGleiG bei sämtlichen Personalmaßnahmen – von Einstellungen über Beförderungen bis zu Entlassungen – zu beteiligen. Sie erhalten vorab alle Bewerbungsunterlagen, geben ein förmliches Votum ab und können im Konfliktfall vor das Verwaltungsgericht ziehen. Dabei sind sie von Weisungen frei und genießen umfangreiche Freistellungen: In Dienststellen mit weniger als 600 Mitarbeitern mindestens die Hälfte der Arbeitszeit, ab 600 wird voll freigestellt.
Bemerkenswert: Nach § 19 Abs. 4 BGleiG besitzen nur weibliche Beschäftigte das aktive und passive Wahlrecht für das Amt. In den Bundesministerien lag der Frauenanteil zuletzt bei 55,9 Prozent, im Bundesfamilienministerium bei 74,8 Prozent und bei der Bundesagentur für Arbeit bei 71,9 Prozent – dennoch bleiben Männer von der Wahl ausgeschlossen.
Keine Kostenübersicht, keine Evaluation, keine Abbaukriterien
Die Bundesregierung räumte in ihrer Antwort ein, über die Kosten der Gleichstellungsbeauftragten keine Daten zu erheben. Auch eine Evaluation sei gesetzlich nicht vorgesehen, Kriterien für einen möglichen Abbau existieren nicht. Seit 2020 wurde keine einzige Stelle gestrichen. Auf die Frage, ob andere Länder ihre entsprechenden Stellen evaluieren, antwortete die Regierung, sie habe sich damit nicht befasst.
Chronologie
31.12.2020
369 Gleichstellungsbeauftragte
In der unmittelbaren Bundesverwaltung sind 369 Beauftragte tätig.
31.12.2025
388 GB, insgesamt 548
Die Zahl steigt auf 388; mit militärischen GB und BA sind es mindestens 548.
04.03.2026
Erste Regierungsantwort
Zahlen zu Körperschaften und Stiftungen fehlen; Antwort unbefriedigend.
22.07.2026
Zweite Antwort auf AfD-Anfrage
Kosten weiterhin unbekannt, keine Evaluation, keine Abbaukriterien.
10.08.2026
JF exklusiv
Die Junge Freiheit berichtet über den bürokratischen Wasserkopf.
Politischer Druck und Verantwortung
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Familienministerin Karin Prien (CDU) stehen nun unter Druck, eine Position zur Zukunft des Amtes zu beziehen. Die Bundesregierung erklärte, die Zahlen seien ausreichend – eine weitere Erhebung sei nicht beabsichtigt. Für die AfD ist das ein Beleg mangelnder Reformbereitschaft. Der Streit dürfte den Bundestagswahlkampf prägen.