Albares verspricht Rückführung aller Migranten – Streit um wahre Zahl
Außenminister Albares verspricht in Ceuta, jeden irregulär Eingereisten nach Marokko zurückzuschicken. Doch über die Zahl der Verbliebenen herrscht heftiger Streit – und Italien blockiert weiter.
Spaniens Außenminister José Manuel Albares hat in Ceuta ein hartes Rückführungsversprechen abgegeben: Alle irregulär Eingereisten sollen nach Marokko zurück. Doch zwischen Madrid und der Stadtverwaltung ist umstritten, wie viele Menschen nach dem Massenansturm Ende Juli überhaupt noch in der spanischen Exklave sind.
„Jede einzelne Person, die irregulär nach Spanien eingereist ist, wird nach Marokko zurückgeschickt.“
José Manuel Albares, Spanischer Außenminister
Zwischen dem 30. und 31. Juli waren nach Angaben des spanischen Innenministeriums rund 72.000 Menschen – überwiegend junge marokkanische Männer – in die Exklave geströmt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Die meisten schwammen um die Wellenbrecher von Tarajal und Benzú oder kamen mit Schlauchbooten. Mindestens 100 Menschen starben nach offiziellen Angaben, Menschenrechtler sprechen von mehr als 140 Toten.
Rund 70.000 der Eingedrungenen sind nach Regierungsangaben bereits nach Marokko zurückgekehrt. Madrid spricht von nur noch 2.000 bis 2.500 Verbliebenen, der Stadtpräsident Juan Jesús Vivas von 8.000 bis 11.000. Notdienst und die NGO Luna Blanca schätzen 5.000 bis 7.000, wie die Welt meldet.
Italien blockiert – Madrid kontert
Italien kontrolliert seit dem 1. August Reisende aus Spanien. Madrid verurteilte das scharf und verhängte in der Nacht zum 8. August seinerseits Stichprobenkontrollen für Flüge und Schiffe aus Italien – zunächst bis zum 7. September, wie die Zeit berichtete.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wies ein spanisches Ultimatum zurück: Italien akzeptiere „keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland, was die nationale Sicherheit und die Grenzkontrolle betrifft.“ Die Kontrollen bleiben mindestens bis 15. August bestehen. Albares warf Rom vor, die Krise für parteiische Interessen zu nutzen, wie Euractiv berichtet.
Auch Frankreich verschärfte die Kontrollen an der Grenze zu Spanien. 22 EU-Regierungschefs hatten Spanien in einem Brief vorgeworfen, die Legalisierung von rund einer Million Migranten habe als Pull-Faktor gewirkt – ein Angriff, der den Konflikt mit den 22 EU-Regierungschefs weiter anheizte.
Die Eskalation im Zeitraffer
Vom Gerichtsurteil bis zum Rückführungsversprechen
Das Urteil wird später von Schleusern als angebliche Grenzöffnung verbreitet.
30.–31. Juli 2026
Massenansturm auf Ceuta
Rund 72.000 Menschen dringen ein; mindestens 100 sterben. Stadtpräsident Vivas fordert Notstand.
1. August 2026
Italien setzt Schengen-Verkehr aus
Grenzkontrollen für Reisende aus Spanien. Frankreich verschärft ebenfalls.
8. August 2026
Madrid kontert mit Kontrollen
Spanien kontrolliert Flüge und Schiffe aus Italien bis 7. September.
11. August 2026
Albares besucht Ceuta
Der Außenminister verspricht Rückführung „bis zur letzten Person“ nach Marokko.
12. August 2026
Marokko warnt vor neuem Ansturm
Rabat fordert einen Mechanismus für sofortige Rückführungen.
Minderjährige als Verhandlungsmasse
Unbegleitete Minderjährige können faktisch nicht abgeschoben werden. Die Stadtverwaltung registrierte rund 1.200 bis 1.340 Fälle. Sie sollen innerhalb von 15 Tagen aufs spanische Festland verteilt werden, wie die Welt berichtet.
Doch mehrere Regionen – darunter Aragón, Castilla y León und Katalonien – leisten Widerstand gegen die Aufnahme. Der von Sánchez geplante Verteilmechanismus stößt auf erhebliche Blockaden.
Neuer Ansturm angekündigt – was nun?
Für den 15. August kursieren in sozialen Netzwerken Aufrufe zu einem neuen Massenansturm. Marokko warnte am 12. August vor einem erneuten Migrationssturm und forderte einen Mechanismus für sofortige Rückführungen. Albares hatte die Migranten eindringlich gewarnt: „Setzen Sie nicht Ihr Leben, Ihr Geld und Ihre Zukunft auf ein Abenteuer, das zum Scheitern verurteilt ist.“
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Ob der erneute Ansturm wirklich kommt und wie viele der Verbliebenen tatsächlich abgeschoben werden, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Die Diskrepanz zwischen Madrid, Ceuta und den Helfern dürfte den Druck auf Albares weiter erhöhen.