Am Freitag wird Deutschland zum Glutofen: Bis zu 39 Grad, örtlich kratzt die Temperatur an der 40-Grad-Marke – und die Nacht zuvor bringt kaum noch Abkühlung. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor dem heißesten Tag der Woche, während Meteorologen die eigentliche Gefahr längst woanders sehen: im ausbleibenden Regen.
DWD-Meteorologe Markus Übel rechnet bundesweit mit 31 bis 38 Grad, im Westen und Südwesten sind 39 Grad nicht ausgeschlossen. Noch weiter geht Diplom-Meteorologe Dominik Jung in seiner Wetter-Kolumne für die HNA: Am Freitag und Samstag würden verbreitet 38 Grad erreicht, örtlich kratze man an der 40-Grad-Marke.
„Dann werden landesweit 31 bis 38 Grad erreicht, in den wärmsten Regionen im Westen und Südwesten sind auch 39 Grad nicht ausgeschlossen.“
Jung warnt vor drückender Schwüle und empfiehlt, die Mittagsstunden zu meiden und viel zu trinken. Nach dem Freitag sei die große Extremhitze für dieses Jahr Geschichte – auf einen nächsten 40-Grad-Tag müsse man sich „wohl bis frühestens 2027“ gedulden. 30 Grad und mehr seien aber bis weit in den September hinein möglich.
Dürre-Alarm: Der Rhein fällt unter 20 Zentimeter
„Was mir echte Sorgen bereitet, ist etwas ganz anderes: der fehlende Regen. Die Wettermodelle schrauben die erwarteten Regenmengen für die kommende Woche Tag für Tag weiter nach unten.“
Die Folgen sind gravierend: Das Niedrigwasser am Rhein und die Probleme für die Schifffahrt könnten sich bis in den Oktober ziehen – Wochen, in denen Frachter nur noch halb beladen fahren dürfen. Am Pegel Kaub am Mittelrhein liegt der Wasserstand bei weniger als 20 Zentimetern, wie die tagesschau berichtet.
Die Frachtraten vom Oberrhein Richtung Rotterdam haben sich binnen einer Woche in etwa vervierfacht, sagt Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft. Erste Unternehmen haben angekündigt, ihre Produktionen zu drosseln; besonders betroffen sind Petrochemie, Chemie und Stahl. Auch die Kraftstoffpreise im Rheingebiet sind bereits relativ zum übrigen Bundesgebiet gestiegen. Die wirtschaftlichen Folgen des Niedrigwassers sind bereits jetzt spürbar, wie eine frühere Analyse zeigt.
12.500 Hitzetote – und hohe Waldbrandgefahr
Der gesundheitliche Ernst der Lage wird durch eine Zahl des Robert-Koch-Instituts (RKI) unterstrichen: Demnach sind in diesem Jahr bereits rund 12.500 Menschen hitzebedingt gestorben. Die Sommermonate Juni und Juli 2026 waren in Westeuropa laut Daten des EU-Klimabeobachtungsprogramms Copernicus so heiß wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Bereits im Juni waren 5.120 Hitzetote bis Juni gemeldet worden.
Der ADAC warnt vor konkreten Gefahren im Alltag: Auf Autobahnen könne es bei Temperaturen über 30 Grad zu sogenannten Blow-ups kommen, bei denen die Fahrbahndecke plötzlich aufplatzt. Geparkte Autos würden binnen Minuten zur lebensgefährlichen Hitzefalle, Oberflächen wie Lenkrad, Gurtschlösser oder Kindersitze könnten sich auf bis zu 80 Grad erhitzen.
Der DWD-Waldbrandgefahrenindex zeigt für das Hitze-Wochenende hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr (Stufe 4 und 5), besonders gefährdet sind Brandenburg und der Nordosten Deutschlands. Am Samstag ist nach DWD-Angaben der Höhepunkt überschritten: Im Westen und Nordwesten steigt das Gewitterrisiko, im Osten und Süden bleiben 30 bis 37 Grad.
So geht es weiter
Nach Prognosen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) könnte sich die Großwetterlage ab dem 16. August umstellen – am 18. August lägen die Höchsttemperaturen nur noch zwischen 17 Grad im äußersten Norden und 25 Grad im tiefsten Süden. Doch die Trockenheit dürfte bleiben: Es sehe danach aus, als würde sie den kompletten Herbst begleiten.
So eskalierte die Hitzewelle
- 10. August 2026Rhein fällt unter 20 Zentimeter
Der Pegel Kaub sinkt unter die kritische Marke, die Frachtraten vom Oberrhein Richtung Rotterdam vervierfachen sich.
- 11. August 2026Nächste Hitzewelle angekündigt
Meteorologe Dominik Jung kündigt die nächste Hitzewelle an und sieht Signale für eine Umstellung ab 16. August.
- 12. August 2026DWD: Freitag heißester Tag
Der Deutsche Wetterdienst kündigt für Freitag 31 bis 38 Grad an, im Westen und Südwesten bis 39 Grad.
- 13. August 2026Jung prognostiziert 40 Grad
In seiner HNA-Kolumne warnt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vor örtlich nahe der 40-Grad-Marke und Dürre bis Oktober.
- 14. August 2026Höhepunkt der Hitzewelle
Bis zu 39 Grad, örtlich nahe 40, dazu drückende Schwüle und kaum nächtliche Abkühlung.
- 15. August 2026Höhepunkt überschritten
Im Westen und Nordwesten steigt das Gewitterrisiko, im Osten und Süden bleiben 30 bis 37 Grad.
- 16. August 2026Mögliche Wetterumstellung
Laut ECMWF fallen die Temperaturen bis 18. August auf 17 bis 25 Grad.
