AfD-Kandidat Siegmund feiert Spiegel-Cover als „Ritterschlag“
Bild: KI-generiert
Landtagswahl

AfD-Kandidat Siegmund feiert Spiegel-Cover als „Ritterschlag“

Der „Spiegel“ zeigt Ulrich Siegmund im Fahndungsplakat-Stil als „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Der AfD-Spitzenkandidat reagiert mit Spott – und ausgerechnet Kritiker warnen vor einem Wahlgeschenk.

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Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt der „Spiegel“ den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ – im Stil eines Fahndungsplakats. Erst Mitte Juli hatte AfD-Chefin Alice Weidel Siegmund beim Wahlkampfauftakt in Magdeburg bereits zum künftigen Ministerpräsidenten ausgerufen, wie jux.news berichtete.

Die Ausgabe 34/2026 erscheint am 14. August und zeigt Siegmund frontal vor schwarzem Grund, darunter in roten Lettern: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Auf die Frage, ob er oder „Fritze Merz“ der Gefährlichere sei, antwortete Siegmund bei einem Wahlkampfauftritt am 13. August: „Bin ich so gefährlich?“, wie WELT berichtet.

Der Fall Siegmund in Kürze

  1. 13. August 2026
    „Spiegel“ veröffentlicht Titelgeschichte online

    Ulrich Siegmund wird bei einem Wahlkampfauftritt auf das Cover angesprochen und reagiert mit Spott.

  2. 14. August 2026
    Print-Ausgabe erscheint

    Das Fahndungsplakat-Motiv hängt an Kiosken, die Debatte um Wahlwerbung beginnt.

  3. 6. September 2026
    Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

    Die AfD liegt in Umfragen bei rund 40 Prozent.

Das wirft der „Spiegel“ Siegmund vor

In der Titelstory, die der Spiegel am 13. August online stellte, nennt das Magazin Siegmund einen „gefährlichen Verführer“. Er umgebe sich mit Männern, „deren politische Biografien tief in die neonazistische Szene reichen“. Im Falle eines Wahlsiegs will er vor allem auf Vertraute aus dem eigenen Landesverband setzen.

Die FAZ konkretisiert zwei Namen: Patrick Harr, Pressesprecher der Fraktion, und Justiziar Laurens Nothdurft, beide früher in der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) aktiv. Bei einer Regierungsübernahme würden sie laut FAZ angeblich als Leiter der Staatskanzlei beziehungsweise Staatssekretär im Justizministerium gehandelt.

Bessere Wahlwerbung kann man für uns gar nicht machen.
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt

Reaktionen: Wahlgeschenk oder Warnung?

Die Reaktionen reichen von Spott bis zum Vorwurf, der „Spiegel“ betreibe unfreiwillige Wahlwerbung. AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen sagt: „Die Verantwortlichen beim Spiegel haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Historiker Rainer Zitelmann fragt, warum nicht ein Clankönig oder islamistischer Gefährder zum gefährlichsten Mann gekürt wurde.

Moderator Micky Beisenherz vergleicht das Cover mit einem Warnhinweis für Eltern, der die Zielgruppe „genauso effektiv vom Produkt“ abhalte. SPD-Politiker Ali Kaan Sevinc fragt: „Wer um Himmels willen hat beim Spiegel denn dieses Cover freigegeben? Wahlgeschenk für die AfD in Sachsen-Anhalt?“

Die Leute beim Spiegel sind ja nicht dumm. Sie sind auch mindestens schamlos, wenn sie so etwas zum Titel machen und so tun, als würden sie sich für ‚den Erhalt der Demokratie‘ einsetzen.
Micky Beisenherz, Moderator und Podcaster

Drei Wochen bis zur Wahl

Der Landesverfassungsschutz stuft den AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein, aktuell liegt die Partei in Umfragen bei rund 40 Prozent, wie Gießener Allgemeine berichtet. Erst am 12. August hatte Siegmund die angebotene BSW-Hilfe abgelehnt, wie jux.news meldete.

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FAZ-Kommentatorin Julia Encke warnt, das Cover könne am Kiosk in Sachsen-Anhalt wie ein Werbeplakat wirken: Wer die Geschichte nicht lese, könnte den Titel als Empfehlung verstehen. Die Stuttgarter Zeitung erinnert an Bismarck: „Jeder Superlativ reizt zum Widerspruch.“