Die Politik ist selbst zum Problem geworden: Erstmals nennt die Hälfte der Bundesbürger das Agieren von Politikern und Parteien als eines der größten Probleme Deutschlands. Das geht aus dem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervor, wie n-tv berichtet.
Der Wert von 50 Prozent markiert den höchsten Stand, den Forsa bei dieser Frage je gemessen hat. Bis 2021 lag der Anteil zwischen 14 und 36 Prozent, der bisherige Spitzenwert stammte aus dem Jahr 2005. Am Ende der Ampel-Koalition lag er noch bei 41 Prozent.
Steiler Anstieg in 15 Monaten
Damit hat sich der Unmut innerhalb von nur 15 Monaten seit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, 70) massiv verschärft. Lag der Wert beim Ende der Ampel-Regierung noch bei 41 Prozent, ist er nun auf 50 Prozent gestiegen – ein Plus von neun Punkten.
Noch deutlicher wird das Misstrauen bei der Frage, ob sich die Parteien um die wirklichen Probleme der Bürger kümmern: 84 Prozent verneinen dies. Nur 12 Prozent glauben, dass die Parteien die Anliegen der Menschen ausreichend ernst nehmen.
Politik-Frust im Zeitverlauf
- 2005Bisheriger Spitzenwert
36 Prozent nennen Politiker und Parteien als großes Problem.
- Bis 2021Schwankungsbereich
Der Anteil liegt zwischen 14 und 36 Prozent.
- Ende Ampel-KoalitionVor Merz-Antritt
41 Prozent sehen Politiker und Parteien als großes Problem.
- August 2026Historischer Höchstwert
50 Prozent nennen Politiker und Parteien als eines der größten Probleme.
Wirtschaft bleibt Top-Sorge, soziale Sicherung steigt
Trotz des Rekordwerts beim Politik-Frust steht der Unmut über die wirtschaftliche Lage weiter an der Spitze der Sorgenliste: 79 Prozent nennen sie als großes Problem. Damit bleibt die Ökonomie seit 1994 fast durchgehend das wichtigste Thema – nur in den Jahren 2015 (Migration), 2017 und 2021 (Corona) lag sie nicht vorn.
Auf Platz drei rücken die sozialen Sicherungssysteme mit 42 Prozent – ein deutlicher Anstieg. Im Mai 2026 lag der Wert noch neun Punkte niedriger; zwischen 1994 und Anfang 2025 hatte er zwischen 15 und 31 Prozent gelegen. Die Zuwanderung nennen 17 Prozent, Rechtsextremismus und AfD 14 Prozent, das Bildungssystem 11 Prozent, weltweite Kriege 10 Prozent und Umwelt und Klima 10 Prozent.
Die größten Probleme der Deutschen
Anteil der Befragten, die das jeweilige Problem nennen (August 2026)
Ost-West-Gefälle und Parteianhänger
Beim Politik-Frust zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle: In Ostdeutschland nennen 56 Prozent Politiker und Parteien als Problem, im Westen sind es 46 Prozent. Bei der Zuwanderung gibt es kaum Unterschiede – 16 Prozent im Osten, 17 Prozent im Westen.
Die Prioritäten unterscheiden sich je nach Parteineigung stark: AfD-Anhänger nennen die wirtschaftliche Lage zu 98 Prozent als Problem – 19 Punkte über dem Durchschnitt. Bei Unions-Anhängern sind es 81 Prozent, bei der SPD 72, bei den Grünen 63 und bei der Linken 57 Prozent. Für AfD-Anhänger folgen Politiker und Parteien mit 59 Prozent auf Platz zwei, die Zuwanderung mit 45 Prozent auf Platz drei – fast dreimal so häufig wie in der Gesamtbevölkerung.
AfD profitiert, Merz im Tief
Von der politischen Unzufriedenheit profitiert vor allem die AfD. Im aktuellen Trendbarometer kommt sie auf 28 Prozent und liegt damit sieben Punkte vor der Union (21 Prozent). Die Grünen folgen mit 16 Prozent, SPD und Linke liegen gleichauf bei 12 Prozent, die FDP verharrt bei 4 Prozent. Die AfD bleibt damit stärkste Kraft, wie bereits in der Erhebung von Ende Juli deutlich wurde.
Bundeskanzler Friedrich Merz steckt im Umfragetief: Nur 13 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, 85 Prozent nicht. Selbst unter Unions-Anhängern überwiegt die Kritik – 56 Prozent sind unzufrieden. Bei AfD-Anhängern liegt die Zufriedenheit bei gerade einmal 1 Prozent.
Bei der Frage, welche Partei die Probleme am besten lösen kann, trauen 13 Prozent der AfD und 12 Prozent der Union am ehesten zu; Grüne 7, SPD und Linke je 5 Prozent. 56 Prozent sind überzeugt, dass keine Partei dazu in der Lage ist.
Der Befund ist ein doppelter Vertrauensverlust: Die Bürger halten einerseits die Politik selbst für eines der größten Probleme, trauen aber andererseits keiner Partei zu, die eigentlichen Probleme – allen voran die Wirtschaft – zu lösen. 56 Prozent geben an, dass keine Partei am besten mit den Problemen Deutschlands fertig wird. Ähnlich pessimistisch war bereits die jüngste Umfrage zur Demokratiezufriedenheit ausgefallen.
Die Sonderbefragung zur Kompetenz auf zentralen Politikfeldern zeigt: Der Union trauen 35 Prozent den Erhalt der äußeren Sicherheit zu, 25 Prozent die Wirtschaftsförderung und 24 Prozent die Sanierung von Bahnen und Straßen. Die soziale Sicherung trauen die meisten der SPD zu (25 Prozent), die Steuerung der Zuwanderung der AfD (30 Prozent) und den Klimaschutz klar den Grünen (55 Prozent).
