Historischer Tiefstand bei Demokratiezufriedenheit
Die Demokratiezufriedenheit in Deutschland ist auf ein Rekordtief gefallen. Laut dem am 31. Juli veröffentlichten ZDF-Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen sind 54 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung mit dem Funktionieren der Demokratie unzufrieden. Nur 44 Prozent äußern sich zufrieden. Das ist der schlechteste Wert seit Oktober 2003 – damals unter Kanzler Gerhard Schröder hatten 55 Prozent Unzufriedenheit bekundet.
Zufriedenheit mit der Demokratie
Besonders dramatisch ist das Ost-West-Gefälle: In den östlichen Bundesländern sind 64 Prozent unzufrieden (zufrieden: 34 Prozent), im Westen liegt der Anteil bei 52 Prozent (zufrieden: 46 Prozent). Die Differenz von 12 Prozentpunkten unterstreicht die anhaltende politisch-kulturelle Spaltung des Landes.
Regierung und Kanzler tief im Minus
Parallel zur Demokratieskepsis fällt die Bewertung der handelnden Politik vernichtend aus: 68 Prozent der Befragten halten die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung für eher schlecht (eher gut: 28 Prozent). Noch kritischer wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beurteilt: 70 Prozent attestieren ihm eher schlechte Leistungen, nur 26 Prozent eher gute. Eine mehrheitliche Unterstützung erhalten Regierung und Kanzler ausschließlich aus den Reihen der Unionsanhänger.
Der kurz zuvor erfolgte Kabinettsumbau – ausgelöst durch den Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionsvorsitzendem – verpufft in der öffentlichen Wahrnehmung. Zwar finden 55 Prozent die Umbildung grundsätzlich gut, doch nur 17 Prozent glauben, dass sich die Regierungsarbeit dadurch verbessert. 61 Prozent erwarten keine großen Auswirkungen. Merz' Vorgehen bei der Personalrochade bewerten 57 Prozent als eher schlecht; selbst in der eigenen Anhängerschaft überwiegt mit 43 zu 39 Prozent die Kritik. Bereits zuvor hatten Umfragen einen massiven Vertrauensverlust für Merz dokumentiert.
AfD mit Rekordvorsprung
Die AfD baut ihren Vorsprung auf Rekordniveau aus: Mit 28 Prozent (plus 1) liegt sie fünf Prozentpunkte vor der Union, die unverändert bei 23 Prozent verharrt. Das ist der größte je im ZDF-Politbarometer gemessene Abstand der AfD zu den übrigen Parteien. Die Grünen verlieren einen Punkt auf 13 Prozent, die SPD bleibt bei 12 Prozent, die Linke fällt auf 12 Prozent (minus 1). Die FDP verharrt bei 4 Prozent und würde den Einzug in den Bundestag verfehlen. Alle sonstigen Parteien kommen auf 8 Prozent (plus 1).
Sonntagsfrage
Mit diesem Ergebnis hätte das Regierungsbündnis aus CDU/CSU und SPD keine parlamentarische Mehrheit. Die Rufe nach Neuwahlen dürften angesichts dieser Zahlen lauter werden.
Politiker-Ranking: Pistorius top, Weidel Schlusslicht
In der Beliebtheitsskala (Werte von +5 bis −5) führt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit 1,5, gefolgt von Cem Özdemir (0,9) und Johann Wadephul (0,1). Im tiefen Negativbereich liegen Friedrich Merz (−1,5), Katherina Reiche (−1,6) und Alice Weidel (−2,4).
Paralleler Alarmschlag: Staatsvertrauen auf Tiefststand
Zeitgleich meldete eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes (dbb) einen dramatischen Einbruch des Staatsvertrauens: Nur noch 17 Prozent der Bürger trauen dem Staat zu, seine Aufgaben zu erfüllen – ein Rückgang um sechs Punkte zum Vorjahr.
„Eine Katastrophe und einen Weckruf“
Der dbb-Vorsitzende warnte eindringlich vor den Konsequenzen.
„Ein solcher Vertrauensverlust ist eine Gefahr für unsere Demokratie.“
Forsa-Chef Manfred Güllner machte die Unzufriedenheit mit der Ampel- und der Merz-Regierung für den Vertrauensverlust mitverantwortlich. Die Forschungsergebnisse beider Institute zeichnen das Bild einer tief verunsicherten Republik, in der die etablierten Parteien und der Kanzler an Rückhalt verlieren.
Methodik
Das ZDF-Politbarometer wurde von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Zeitraum 28. bis 30. Juli 2026 unter 1.405 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Die Umfrage ist repräsentativ; der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund ±3 Prozentpunkte.
Ob die Bundesregierung noch Maßnahmen ergreifen kann, um das Ruder herumzureißen, erscheint angesichts der verhärteten Fronten fraglich. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Unmut in konkrete politische Konsequenzen mündet – etwa eine vorgezogene Vertrauensfrage oder Neuwahlen.













