Auslandspresse warnt vor AfD-Alleinregierung als Stresstest für Deutschland
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Landtagswahl

Auslandspresse warnt vor AfD-Alleinregierung als Stresstest für Deutschland

Zwei Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD bei über 40 Prozent. Polen, Frankreich, Italien, Großbritannien und Dänemark sehen darin ein Signal für tiefgreifende politische Verschiebungen – und den größten Stresstest für die Nachkriegsdemokratie.

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Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September liegt die AfD in Umfragen bei über 40 Prozent – und könnte damit erstmals in der Nachkriegsgeschichte allein regieren. Diese Aussicht alarmiert europäische Nachbarn stärker als jedes andere Landeswahlergebnis seit Jahrzehnten.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat am 20. August einen Rundblick veröffentlicht, wie europäische Medien auf die Wahl blicken. Focus online und die FAZ publizierten den Text. Die Kernaussage: Die AfD-Stärke ist kein regionales Phänomen, sondern ein Signal für tiefgreifende politische Verschiebungen in Deutschland.

Chronologie bis zur Wahl

  1. 18. August 2026
    Economist-Analyse

    Die WELT berichtet über die Brandmauer-Kritik des britischen Magazins aus Bitterfeld.

  2. 20. August 2026
    dpa-Rundblick

    Die Agentur veröffentlicht die europäischen Medienreaktionen; Polen zeigt sich am besorgtesten.

  3. 6. September 2026
    Landtagswahl

    Die AfD könnte laut Umfragen erstmals allein regieren.

Polen warnt vor neuem deutschen Stolz

Am deutlichsten beunruhigt ist man in Polen. Das Magazin Polityka schreibt, die AfD „flirtet mit der nationalsozialistischen Vergangenheit“. Die Tageszeitung Rzeczpospolita warnt, eine Regierungsübernahme in einem Bundesland könne der AfD den Weg zu einer Koalition auf Bundesebene ebnen.

Da die Partei mit innenpolitischen Reformen scheitern würde, könnte sie sich auf die Außenpolitik stürzen und einen „neuen deutschen Stolz“ aufbauen. Das der AfD nahestehende Konzept einer deutschen Konsolidierung Mitteleuropas, das unweigerlich eine Rückkehr zu territorialen Fragen bedeutet, stellt für Warschau eine weitere Bedrohung dar.

Es wird als Großmacht wahrgenommen, als Staat, der über enorme Rohstoffvorkommen verfügt, und als Partner, mit dem Deutschland gute Beziehungen pflegen sollte, selbst wenn dies auf Kosten Polens oder, im weiteren Sinne, Mitteleuropas gehen würde.
Lukasz Jasinski, Deutschland-Experte am Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten (PISM)

Frankreich sieht Symptom einer politischen Krise

Die französischen Medien blicken vor allem auf die innerdeutschen Folgen. Die linksgerichteten Portale L'Humanité und Mediapart sehen die AfD-Stärke als Symptom einer politischen Krise. Mediapart schreibt, Deutschland, das lange Vorbild einer effizienten liberalen Demokratie war, versinke nun in einer politischen Sackgasse, in der die extreme Rechte den Ton angebe.

Der französische Rechtsextremismusforscher Jean-Yves Camus meint auf Atlantico, ein Umfrageergebnis ähnlich den Prognosen wäre das Ende der seit 1949 andauernden Phase, in der die extreme Rechte am Rand gehalten wurde. Dass sich das Rassemblement National der AfD wieder annähert, hält er für unwahrscheinlich.

Italien: Warnsignal, aber kein Meloni-Vergleich

In Italien werten die Zeitungen die AfD-Stärke als politisches Warnsignal. Der Vergleich mit Giorgia Meloni greift laut dpa allerdings zu kurz: Anders als mit Fratelli d'Italia will mit der AfD bislang niemand koalieren, und Meloni hat sich mehrfach distanziert.

Anders sieht es beim Europaabgeordneten Roberto Vannacci aus. Seine neue Partei Futuro Nazionale arbeitet im Europaparlament mit der AfD zusammen, steht in Italien aber in Konkurrenz zu Melonis rechter Koalition. Vannacci wirft der Regierungschefin vor, ihre alten Positionen im Regierungshandeln zu verwässern.

Großbritannien rechnet mit Brandmauer ab

Das britische Magazin Economist analysierte den Umgang der deutschen Parteien mit der AfD unter der Überschrift „Wie die Brandmauer die deutsche Politik kaputt gemacht hat“. Die WELT berichtete ausführlich über diese Reportage aus Bitterfeld.

Die These: Eine Politik, die darauf abzielte, die extreme Rechte von der Macht fernzuhalten, hat letztlich zu ihrer Stärkung geführt. Die AfD liege in mehreren Umfragen bei mehr als 40 Prozent – eine Umfrage sah sie bei 41 Prozent, die CDU bei 24 Prozent –, während Kanzler Friedrich Merz 2018 ausgelobt hatte, die AfD zu halbieren. Seither hat sich ihr Zuspruch verdoppelt; die CDU nähert sich Rekordtiefs.

Vor Ort bröckelt die Brandmauer längst. Bitterfelds CDU-Bürgermeister Armin Schenk sagte dem Economist, in seiner Stadt sei die Brandmauer keine Realität, weil die AfD 15 der 40 Ratssitze stelle. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wird mit dem Satz zitiert: „Wer über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“

Für die CDU ist es zu spät, eine Kehrtwende zu vollziehen, und für die AfD ist es zu spät, irgendeine Kehrtwende zu akzeptieren.
Christian Stecker, Politologe an der TU Darmstadt

Dänemark: Stresstest für Nachkriegsdemokratie

Die rechtsliberale Zeitung Jyllands-Posten schreibt: „Wenn die AfD gewinnt, ist das weit mehr als ein symbolischer Durchbruch für die Partei. Für die deutsche Nachkriegsdemokratie kann man sich keinen größeren Stresstest vorstellen.“ Die Zeitung Politiken bewertet ähnlich: „Deutschland steht etwas bevor, das als historischer Meilenstein und politisches Erdbeben enden könnte.“

Besorgt zeigt sich Berlingske mit Blick auf Europa: „Ein Deutschland mit einer kremlfreundlichen AfD an der Macht würde die Aussichten der Ukraine auf Frieden und Freiheit untergraben.“ Deutschland müsse ausloten, ob es eine Form des politischen Zusammenlebens mit der AfD geben könne – und sich „kurz gesagt neu erfinden. Es eilt.“

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