Wagenknecht nennt Siegmund keinen neuen Hitler und will Merz stürzen
Sahra Wagenknecht verweigert dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund den Hitler-Vergleich und erklärt den Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Wahlziel. Bayerns BSW-Landeschef Klaus Ernst widerspricht offen: Eine AfD-Regierung sei kein demokratischer Neuanfang.
Sahra Wagenknecht verweigert dem sachsen-anhaltischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund den Hitler-Vergleich. In einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte die BSW-Gründerin einen Satz, der den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt wenige Wochen vor der Landtagswahl am 6. September 2026 verschärft.
„Ich bin kein Fan von Herrn Siegmund, aber ein neuer Hitler ist er nicht.“
Sahra Wagenknecht, BSW-Parteigründerin
Gleichzeitig erklärte Wagenknecht die Wahl in Sachsen-Anhalt zur Machtfrage für den Bund. „Ob Sven Schulze das Amt des Ministerpräsidenten verteidigen kann oder nicht, dürfte mit darüber entscheiden, wie lange Friedrich Merz noch Bundeskanzler ist“, sagte sie. Auf die Frage, ob sie Merz stürzen wolle, antwortete sie: „Friedrich Merz und seine Politik schaden unserem Land. Es wäre ein Segen, wenn seine Regierung kippt.“
Wie n-tv berichtet, bezeichnete Wagenknecht die AfD als legale Partei, die gewählt werde, und verwies darauf, dass viele AfD-Positionen eher mit der CDU übereinstimmten, aus der die meisten Spitzenpolitiker kämen. Zugleich kündigte sie an, dass es ihr um die Abwahl des CDU-Amtsinhabers gehe.
Wagenknecht greift die etablierten Parteien an
Die größte Gefahr für die Demokratie gehe aktuell von jenen Parteien aus, die die Meinungsfreiheit beschränkten, Regierungskritiker überwachten, einschüchterten und durch bezahlte NGOs bekämpften. Dass heute nach einem satirischen Post die Polizei vor der Tür stehen könne, erinnere sie an die DDR, sagte Wagenknecht. Zugleich räumte sie ein, dass auch die AfD den autoritären Trend „wahrscheinlich nicht stoppen, sondern nur das Vorzeichen verändern würde“.
Für Sachsen-Anhalt nannte sie einen Neuanfang als Ziel: Kinder müssten in den Schulen wieder etwas lernen, alte Menschen ihre Pflege bezahlen können. Ihr BSW strebe einen überparteilichen Ministerpräsidenten an, der mit wechselnden Mehrheiten regiere – auch mit der AfD. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, wies sie die Vorstellung eines Ministerpräsidenten Siegmund zurück.
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Klaus Ernst widerspricht öffentlich
Bayerns BSW-Landeschef Klaus Ernst lehnt eine mögliche Duldung eines AfD-Ministerpräsidenten strikt ab. „Eine AfD-Regierung wäre alles andere als ein demokratischer Neuanfang“, sagte der frühere Linken-Parteichef der Deutschen Presse-Agentur. Als Gewerkschafter sei es für ihn nicht denkbar, einem AfD-Regierungschef zur Macht zu verhelfen.
Ernst verwies zudem auf die Rüstungspolitik der AfD: Alice Weidel sei eine der Ersten gewesen, die fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Rüstung habe ausgeben wollen. Den Vorschlag einer parteiunabhängigen Expertenregierung unterstütze er persönlich jedoch.
Die Eskalation in Sachsen-Anhalt
Bereits im Juli hatte die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel Siegmund zum künftigen Regierungschef ausgerufen. Der AfD-Spitzenkandidat selbst lehnte das BSW-Angebot einer stillen Duldung ab: Er will in Sachsen-Anhalt nur mit absoluter Mehrheit regieren, wie aus einem früheren Bericht hervorgeht.
Vom Verfassungsschutz-Bericht zur Wahlentscheidung
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In Sachsen-Anhalt dürfte die AfD am 6. September klar stärkste Kraft werden. Das BSW liegt im Wahltrend laut merkur.de bei 4,4 Prozent und wäre damit nicht im Landtag vertreten. Damit könnte Wagenknechts Plan einer Enthaltung im dritten Wahlgang ins Leere laufen.
Eine Woche später, am 20. September, wählt auch Mecklenburg-Vorpommern. Auch dort liegt die AfD in Umfragen vorn. Offen bleibt, ob Wagenknechts Konfrontation mit den eigenen Landesverbänden den BSW-Kurs vor den Wahlen weiter spaltet.