Moskau droht London und Paris mit Angriffen auf Militärziele
Nach der Zusage Londons und Paris', der Ukraine Zugang zu sensibler Storm-Shadow-Technologie zu gewähren, droht Moskau mit „unvorhersehbaren Konsequenzen“. Betroffen seien britische Militärziele innerhalb und außerhalb der Ukraine.
Moskau droht London und Paris mit militärischen Konsequenzen: Nach der Zusage beider Länder, der Ukraine Zugang zu sensibler Raketentechnologie zu gewähren, warnte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Donnerstag vor „unvorhersehbaren Konsequenzen“. Die beiden Nato-Staaten spielten „mit dem Feuer“, sagte Sacharowa, wie der Tagesspiegel berichtet.
Konkret drohte Sacharowa Großbritannien mit Angriffen auf britische Militärziele, sollten ukrainische Streitkräfte russisches Staatsgebiet mit britischen Raketen beschießen. Dies könne Ziele innerhalb und außerhalb der Ukraine betreffen. Großbritannien sei nur noch „einen Schritt“ davon entfernt, sich an dem zu beteiligen, was Moskau als „Terrorismus gegen russische Zivilisten“ bezeichnet; ein solcher Kurs könne „katastrophale Folgen“ haben.
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„Wir haben wiederholt gewarnt, dass britische Militärstützpunkte und britische Ausrüstung in der Ukraine und außerhalb ihrer Grenzen als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russisches Gebiet zum Ziel werden könnten.“
Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums
Auslöser: Raketentechnologie für die Ukraine
Anlass der Drohung ist eine britisch-französische Zusage vom Montag, dem 24. August, dem ukrainischen Unabhängigkeitstag. London und Paris sagten der Ukraine stärkere militärische Unterstützung zu, darunter den Zugang zu vertraulicher Technologie und schnellere Lieferungen von Luftabwehrraketen.
Großbritannien will der Ukraine den Zugriff auf geheime Technologie ermöglichen, damit das Land eigene Storm-Shadow-Marschflugkörper herstellen kann – Waffen, die Ziele tief in Russland treffen können. Die Weitergabe der Storm-Shadow-Technologie hatte London am Montag beschlossen; Frankreich stimmte der Lizenzierung zu. Die Rakete hat eine Reichweite von über 250 Kilometern.
Die Lizenzproduktion des SCALP-Marschflugkörpers ist Teil eines umfassenderen Pakets: Großbritannien hat der Ukraine insgesamt 25 Milliarden Pfund zugesagt, davon 16 Milliarden Pfund für militärische Hilfe. Premierminister Andy Burnham kündigte bei seinem Antrittsbesuch in Kyjiw zudem ein Abkommen zur militärischen Nutzung Künstlicher Intelligenz an.
Eskalation in vier Tagen
24. August 2026
Technologie-Zusage
Großbritannien und Frankreich sagen der Ukraine Zugang zu Storm-Shadow-Technologie zu.
25. August 2026
Fedorow warnt
Putins Berater droht mit „halbmilitärischen“ Reaktionen auf britische Drohnenfabriken.
26. August 2026
Donezk-Vorwurf
Russland beschuldigt die Ukraine, britische Storm Shadow gegen ein Einkaufszentrum eingesetzt zu haben.
27. August 2026
Sacharowa droht
Russlands Außenamtssprecherin warnt vor Angriffen auf britische Militärziele.
Fedorows Vorwarnung
Bereits am Dienstag hatte Putins Berater Andrei Fedorow – ein ehemaliger Vize-Außenminister – in der BBC-Sendung „Newsnight“ in ähnlicher Manier gewarnt: Es könne zu einer „halbmilitärischen“ Reaktion „unbekannter Quellen“ gegen britische Drohnenfabriken kommen. Derlei Maßnahmen könne er nicht „zu 100 Prozent ausschließen“, sagte Fedorow.
Putin stehe unter „ernsthaftem Druck“, „bestimmte Maßnahmen gegen Großbritannien zu ergreifen“, so Fedorow. Auf Nachfrage präzisierte er: „Es könnte sich um eine sogenannte technische Reaktion handeln, vielleicht um Hackerangriffe aus unbekannter Quelle, natürlich nicht von offizieller Seite aus.“ Und auf die Frage, ob britische Fabriken militärisch angegriffen werden könnten: „Sie könnten angegriffen werden, nicht von Russland, sondern von … aus unbekannten Quellen.“
Eskalationssignale
Die Drohungen fallen in eine Phase erhöhter Spannungen: Am Dienstag war CIA-Direktor John Ratcliffe zu einem Besuch in Moskau eingetroffen, bei dem er Berichten zufolge vor Angriffen auf Nato-Staaten gewarnt haben soll. Zudem hat Russland seinen Botschafter Andrei Kelin aus London abgezogen; laut „Sunday Times“ hatte er Großbritannien bereits am 21. Juli verlassen.
Der Kreml wies Berichte über eine bevorstehende Eskalation als „Schauergeschichten“ zurück. Telepolis ordnet die Drohung als bislang schärfste gegen ein Nato-Mitglied ein; sie richte sich gezielt gegen britische Einrichtungen, nicht gegen die Nato-Infrastruktur insgesamt. Sollte Russland tatsächlich britische Einrichtungen außerhalb der Ukraine angreifen, könnte dies eine unmittelbare Konfrontation mit einem Nato-Mitglied auslösen.