Leif-Erik Holm hat in Grimmen eine Polizei-Spezialeinheit gefordert, die ausschließlich illegale Migranten zurückführen soll. Vor dem Kulturhaus protestierten rund 150 Menschen gegen die AfD-Veranstaltung.
Leif-Erik Holm will Abschiebungen zur Chefsache machen: Der AfD-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Mecklenburg-Vorpommern hat am Freitagabend in Grimmen eine neue Polizei-Spezialeinheit gefordert, die sich ausschließlich der Rückführung illegaler Migranten widmen soll.
Vor rund 400 Gästen im Kulturhaus erklärte Holm, die Einheit müsse sich allein der Rückführung illegaler Migranten widmen, wie die ZEIT unter Berufung auf dpa meldet. Statt einer Erstaufnahmeeinrichtung solle eine Ausreiseeinrichtung etabliert werden.
Bundesvorsitzender Tino Chrupalla nahm an der Wahlkampfveranstaltung teil; Parteichefin Alice Weidel sagte ihren Auftritt kurz vor Beginn ab. AfD-Landes- und Fraktionschef Enrico Schult warf Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) Personenkult und Lüge vor.
Spezialeinheit nach Vorbild von Trumps ICE
Die Forderung knüpft konzeptionell an die US-Einwanderungsbehörde ICE an, die unter Präsident Donald Trump verstärkt Abschiebungen durchführt. Bereits im Januar 2026 hatte die AfD in Bayern eine Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe samt eigener Abschiebeflugzeuge gefordert, wie das Schweizer Portal nau.ch berichtet.
„Brauchen wir eine Ausreiseeinrichtung und diese werden wir etablieren.“
Holm forderte vor dem Publikum eine Einheit, die sich allein der Rückführung illegaler Migranten widmet. Details zur Ausgestaltung nannte er nicht; die AfD MV spricht von einer Ausreiseeinrichtung, die sie nach einem Wahlsieg etablieren will.
150 Gegendemonstranten und verbale Konfrontation
Vor dem Kulturhaus protestierten rund 150 Menschen gegen die AfD-Veranstaltung. Nach Angaben der WELT kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen AfD-Unterstützern und den Gegendemonstranten, die ein Pfeifkonzert anstimmten. Ein starkes Polizeiaufgebot trennte die Gruppen.
„Wir sind gekommen, um zu regieren.“
Enrico Schult, AfD-Landes- und Fraktionschef MV
Schult warf Ministerpräsidentin Manuela Schwesig außerdem Personenkult und Lüge vor. Die Ostsee-Zeitung beschreibt die Stimmung als laut, rau und selbstbewusst – inhaltlich hätten beim Selbstfeiern der Partei die Inhalte kaum eine Rolle gespielt, stattdessen ein Lärmwettkampf mit der Gegendemonstration.
Insa: AfD führt mit 36 Prozent
In einer Insa-Umfrage von Mitte August liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit 36 Prozent vorn – vor der SPD mit 29 Prozent und den Linken mit 11 Prozent. CDU (10 Prozent) und Grüne (5 Prozent) würden ebenfalls in den Landtag einziehen.
Sonntagsfrage Mecklenburg-Vorpommern
Insa-Umfrage, Mitte August 2026
Quelle: Insa, August 2026
Das Portal nau.ch berichtet von Umfragewerten um 40 Prozent für die AfD und weist darauf hin, dass eine Regierungsbeteiligung der Partei wegen der Kooperationsverweigerung der übrigen Parteien trotzdem unwahrscheinlich sei.
Entscheidung am 20. September
Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Bereits beim Wahlkampfauftakt in Stralsund hatte Holm 43 Prozent als Zielmarke für eine Alleinregierung genannt – wie jux.news berichtete.
Ob Holms Forderung nach einer Spezialeinheit für Abschiebungen über den Wahlabend hinaus trägt, hängt davon ab, ob die AfD eine regierungsfähige Mehrheit erhält – und ob andere Parteien eine Koalition mit ihr ausschließen. Genau das tun bislang alle im Landtag vertretenen Fraktionen.