Eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt schaltet sich Altkanzlerin Merkel ein: Die AfD sei ein gesamtdeutsches Phänomen und bestimme alle Gespräche. In Umfragen liegt die Partei bei 42 Prozent.
Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) die Deutschen zum Kampf für die Demokratie aufgerufen. Am Samstagabend (29. August) sagte sie im Haus der Berliner Festspiele: „Wir müssen jetzt mal wieder richtig für diese Demokratie kämpfen.“ Das berichtet der Spiegel.
„Ich glaube, wir müssen jetzt mal wieder, was wir viele Jahrzehnte nicht mussten, richtig für diese Demokratie kämpfen und uns einfach einsetzen und auch ein bisschen mutig sein und unser Wort stehen und sagen, das ist eine tolle Art zu leben.“
Angela Merkel, Altbundeskanzlerin (CDU)
Anlass des Auftritts war das 75-jährige Bestehen der Berliner Festspiele. Merkel sprach im Rahmen der Thementage „Reflexe & Reflexionen“, deren diesjähriges Motto „Die große Unordnung“ lautet. Ihre Gesprächspartner waren die Politologin Saba-Nur Cheema und der Historiker Meron Mendel. Angekündigt war ein Abend über Deutschlands Rolle in einer multipolaren Welt – tatsächlich wurde die AfD zum beherrschenden Thema.
Merkel nannte die AfD ein „gesamtdeutsches Phänomen“. Als Belege verwies sie auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg (18,8 Prozent im März 2026) und Rheinland-Pfalz (19,5 Prozent), wo die Partei jeweils stark zulegte. Das Erstarken sei längst kein ostdeutsches Phänomen mehr.
Zugleich kritisierte die Altkanzlerin den Umgang mit der Partei. Die AfD habe es teilweise geschafft, „alle unsere Gespräche von morgens bis abends zu bestimmen“. Man wisse kaum noch, wofür die übrigen Parteien eigentlich stünden. Dieses Argument hatte Merkel bereits im Mai auf der re:publica vorgebracht; ihre damalige AfD-Kampfansage hatte Beatrix von Storch zu einem scharfen Konter veranlasst. Ihr Befund falle nun noch schärfer aus.
Umfragen in Sachsen-Anhalt: AfD klar vorn
Eine Woche vor der Wahl am 6. September liegt die AfD in der jüngsten ARD-Vorwahlumfrage bei 42 Prozent – ein neuer Höchstwert. Im ZDF-Politbarometer vom 28. August erreicht sie 40 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt auf 22 bis 23 Prozent, dahinter folgen Linke (12,5 bis 13 Prozent), SPD (7,5 bis 9 Prozent) und Grüne (5,3 bis 6 Prozent). FDP und BSW liegen bei etwa drei Prozent und würden an der Fünfprozenthürde scheitern.
Je nachdem, wie viele kleine Parteien scheitern, könnte die AfD sogar eine absolute Mehrheit der Mandate erringen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte der erste Ministerpräsident seiner Partei in einem Bundesland werden. Gefragt, wen sie lieber an der Spitze des Landes sähen, nennen allerdings 48 Prozent der Befragten Schulze und 32 Prozent Siegmund.
ARD-Umfrage Sachsen-Anhalt (August 2026)
Angaben in Prozent
Quelle: ARD-Vorwahlumfrage, August 2026
Verfassungsschutz stuft Landesverband als rechtsextrem ein
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Ministerpräsident Schulze hatte das Amt erst im Januar 2026 von Reiner Haseloff übernommen, der nach fast 15 Jahren vorzeitig zurücktrat.
Auch in Berlin verdoppelt die AfD ihren Wert
Die gesamtdeutsche Dimension unterstreicht ein Blick auf die Abgeordnetenhauswahl am 20. September in Berlin: Dort liegt die AfD in der jüngsten Forsa-Umfrage bei 18 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 waren es nur 9,1 Prozent – eine Verdopplung in der Hauptstadt.
Am 6. September entscheidet sich, ob die AfD trotz des Verfassungsschutz-Verdikts erstmals einen Ministerpräsidenten stellt.