Russische Armeetasse im AfD-Büro – Tillschneider will Veröffentlichung stoppen
Bild: KI-generiert
Sachsen-Anhalt

Russische Armeetasse im AfD-Büro – Tillschneider will Veröffentlichung stoppen

Hans-Thomas Tillschneider präsentierte Paul Ronzheimer eine Tasse der russischen Armee und versuchte danach, die Veröffentlichung per Anwalt zu stoppen. Vergeblich.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Eine schwarze Tasse mit rotem Stern und kyrillischer Aufschrift bringt den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in Erklärungsnot. Der stellvertretende Landesvorsitzende aus Sachsen-Anhalt zeigte sie dem Reporter Paul Ronzheimer in seinem Wahlkreisbüro in Querfurt – und versuchte danach, die Veröffentlichung der Aufnahmen per Anwalt zu stoppen.

Laut Focus fiel Ronzheimer die Tasse sofort auf: „Da steht russische Armee drauf.“ Auf die Frage, warum er sein Büro mit einem Souvenir der russischen Streitkräfte schmücke, antwortete Tillschneider zunächst ausweichend: „Die Tasse steht da einfach rum. Ich verbinde damit nichts Großes. Die ist mir mal geschenkt worden.“

X · @ronzheimer
Jetzt hören Sie mit dieser blöden Tasse auf.
Hans-Thomas Tillschneider, Stellv. AfD-Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt

Was in dem Büro zu sehen war

Neben der Tasse fand Ronzheimer nach übereinstimmenden Berichten weitere politische Souvenirs: eine „Make America Great Again“-Kappe aus Donald Trumps Wahlkampf, ein Buch mit dem Titel „Das Buch Hitler“ sowie einen Gesprächsband mit dem wegen NS-Parolen verurteilten AfD-Politiker Björn Höcke. Souvenirs anderer Armeen – etwa der Bundeswehr – gab es nicht, wie Der Standard auflistet.

Im Video entgegnete Tillschneider, die Tasse habe ihm jemand geschenkt: „Ich wollt' sie jetzt nicht wegtun.“ Auf Ronzheimers Hinweis, es handele sich um die Armee, die die Ukraine angreift und in Deutschland einen hybriden Krieg führe, sagte er: „Es ist nicht unser Krieg.“

Die Vorgeschichte des AfD-Politikers

Tillschneider gilt innerhalb der AfD als Vertreter des pro-russischen Flügels. Bereits 2022 reiste er nach Russland, im Oktober 2025 feierte er in der russischen Botschaft Putins Geburtstag.

Vorgeschichte Tillschneiders

  1. September 2022
    Reise nach Russland

    Tillschneider reist mit zwei weiteren AfD-Politikern nach Russland, inklusive geplantem Besuch der besetzten Ostukraine. Nach Kritik der Parteiführung bricht er ab.

  2. Oktober 2025
    Putins Geburtstag in Berlin

    Tillschneider feiert in der russischen Botschaft in Berlin den Geburtstag von Wladimir Putin.

  3. August 2026
    Tasse im Büro und Anwaltsschreiben

    Bei den Dreharbeiten zeigt Tillschneider die Tasse der russischen Armee; anschließend versucht er per Anwalt, die Veröffentlichung zu untersagen.

Veröffentlichung per Anwalt gestoppt

Kurz nach den Dreharbeiten versuchte Tillschneider, die Veröffentlichung der in seinem Büro entstandenen Aufnahmen zu untersagen. Gegenüber der dpa bestätigte er, die Veröffentlichung habe „aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams unterbunden werden“ sollen, meldet WELT.

Ronzheimer veröffentlichte die Reportage trotzdem in voller Länge auf YouTube und in seinem Podcast. „Das sind freie Medien und das lassen wir uns natürlich nicht nehmen“, sagte der Reporter laut FAZ.

Die Tasse selbst ist im militärischen Online-Shop der Marke „Armija Rossii“ für rund acht Euro erhältlich, wie Focus berichtet. Der Shop führt das russische Verteidigungsministerium als offiziellen Partner.

Tillschneider selbst sieht kein Problem. Gegenüber der dpa erklärte er: „Es handelt sich um ein Mitbringsel von einer Russlandreise aus 2023 oder 2024, über das schon mehrfach berichtet wurde. Insofern verstehen wir die Skandalisierung nicht“, zitiert die Berliner Zeitung.

Die Affäre fällt in den Endspurt des Wahlkampfs. Bereits im August deckten Recherchen eine russische Desinformationskampagne gegen Kandidaten in Sachsen-Anhalt auf. Auch Bundesverteidigungsminister Pistorius hatte zuletzt vor der Putin-Nähe der AfD gewarnt.

Empörung und Wahlkampf

Auf die Enthüllung meldeten sich umgehend Politiker zu Wort. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann schrieb bei X: „Die AfD bleibt die Putin-Partei.“ CDU-Europaabgeordneter Dennis Radtke kommentierte mit dem Wortwitz: „Wer politisch nicht alle Tassen im Schrank hat, der hat halt eine russische Armee Tasse im Schrank.“ Der Pianist Igor Levit schrieb ironisch: „Aber klar, es ist alles nur eine Verschwörung, dass die AfD Russlands Interessen vertritt.“

Die Enthüllung fällt in den Endspurt des Landtagswahlkampfs in Sachsen-Anhalt. Tillschneider wird als möglicher Bildungsminister gehandelt, falls die AfD nach der Landtagswahl am 6. September Regierungsverantwortung übernimmt. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Umfrage
Lädt