Rüstungsunternehmer Thumann sieht Deutschland und Russland im Krieg
Donaustahl-Chef Stefan Thumann lebt seit Monaten im Verborgenen, geschützt vor einem mutmaßlichen russischen Mordkomplott. Im Podcast nennt er die Sabotage einen Kriegsakt – zeitgleich macht die Bundesregierung Moskau für den Drohnenanschlag in Leipzig verantwortlich.
Seit deutsche Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr einen mutmaßlichen russischen Plan aufdeckten, Stefan Thumann mit Gift zu töten, lebt der Gründer des Kampfdrohnen-Herstellers Donaustahl im Untergrund. Im Podcast „Ronzheimer“ vom 1. September 2026 spricht er erstmals offen über den Preis, den er für seine Unterstützung der Ukraine zahlt. Wie Politico berichtet, sagt er einen Satz, der die Sicherheitsdebatte in Berlin verändert.
Donaustahl liefert Kampfdrohnen an die ukrainischen Streitkräfte – und genau das machte Thumann nach eigenen Angaben zur Zielscheibe des russischen Geheimdienstes. Kurz vor Weihnachten 2025 warnten ihn die Behörden: „Ja, es kommt aus Russland. Und ja, es ist sehr ernst – Ihr Leben ist in Gefahr“, schildert er. Wenige Tage später wurde ein mutmaßlicher Handlanger festgenommen. Wie jux.news im August berichtete, sollte danach ein Anschlag mit Gift durchgeführt werden.
„Deutschland und Russland befinden sich im Krieg“
Stefan Thumann, Rüstungsunternehmer und Donaustahl-Gründer
Seitdem hat Thumann sein Leben radikal verändert. Er hält sich nur noch an geheim gehaltenen Orten auf, wird rund um die Uhr von Leibwächtern begleitet und hat seit Monaten keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Für den Fall seiner Ermordung hat er bereits ein Testament und eine Patientenverfügung aufgesetzt. Seine offiziell bekannten Adressen nutzt er nach Angaben von news.de als „Honigtöpfe“, um feindliche Akteure in eine Falle zu locken.
Chronologie einer Eskalation
Thumanns Warnung fällt nicht vom Himmel. Seit Monaten eskalieren russische Sabotageakte auf deutschem Boden. Im Juli 2024 brannte ein DHL-Logistikzentrum in Leipzig; Ermittler vermuten russische Sabotagenetzwerke dahinter. Eine damals gesicherte DNA-Spur tauchte später an der Leipziger Sprengstoffdrohne wieder auf.
Die Eskalation im Überblick
Juli 2024
Brandanschlag auf DHL-Zentrum
Ein DHL-Logistikzentrum in Leipzig gerät in Brand; russische Sabotagenetzwerke werden als Urheber vermutet.
2025
Vereitelter Giftmordplan
Deutsche Sicherheitsbehörden decken einen mutmaßlichen russischen Plan auf, Stefan Thumann mit Gift zu töten.
4. August 2026
Sprengstoffdrohne in Leipzig
Am Flughafen Leipzig/Halle wird eine mit Sprengstoff bestückte Drohne nahe einem ukrainischen Antonow-Frachtflugzeug gefunden.
1. September 2026
Thumanns Podcast und Regierungsreaktion
Stefan Thumann nennt die Sabotage einen Kriegsakt; die Bundesregierung macht Russland offiziell verantwortlich.
In diesem Kontext lehnt Thumann den Begriff „hybrider Krieg“ ab, den EU-Politiker häufig verwenden. Die russischen Sabotageoperationen seien ein „Kriegsakt, der von den russischen Streitkräften kontrolliert und koordiniert“ werde. Der versuchte Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle ist für ihn der Beleg dafür.
Bundesregierung macht Russland verantwortlich
Am selben Tag, an dem der Podcast erscheint, zieht die Bundesregierung nach. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärt in Berlin, polizeiliche Ermittlungen, erkannte Tatmuster und Erkenntnisse der Nachrichtendienste hätten zu einem klaren Ergebnis geführt. Wie news.de meldet, macht sie Russland erstmals offiziell für einen konkreten Anschlag in Deutschland verantwortlich.
„Die Bundesregierung kommt deswegen zum Schluss, dass Russland den hybriden Angriff in Leipzig am 4. August zu verantworten hat“
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister (CSU)
Die Ermittler fanden in der Nacht zum 5. August 2026 eine mit Sprengstoff bestückte Drohne in unmittelbarer Nähe eines ukrainischen Antonow-Frachtflugzeugs. In den Folgetagen wurden weitere verdächtige Objekte in Sachsen-Anhalt gesichert, darunter Bruchstücke einer zweiten, ebenfalls sprengstoffbeladenen Drohne im nahen Kabelsketal. Laut Dobrindt kamen Mittel zum Einsatz, die aus früheren russischen Hybridaktionen und dem Ukraine-Krieg bekannt sind.
Ein DNA-Abgleich verknüpft die Sprengstoffdrohne zudem mit dem Brandanschlag auf das DHL-Logistikzentrum in Leipzig im Juli 2024. Die Drohnenkonfiguration, Bauteile, der Sprengstoff und die Zündtechnik sprechen nach Darstellung der Regierung für eine russische Steuerung.
Sanktionen und Fristen
Berlin kündigt umfangreiche Gegenmaßnahmen an: Das russische Generalkonsulat in Bonn wird zum 18. September 2026 geschlossen, der Vertrag über das „Russische Haus“ in Berlin wird gekündigt. Weitere Personen kommen auf EU-Sanktionslisten, die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige werden verschärft und der Druck auf die russische Schattenflotte erhöht.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits zuvor erklärt, der Drohnenangriff zeige, dass Deutschland „sehr realen Bedrohungen“ ausgesetzt sei – wie jux.news berichtete. Für Stefan Thumann ändert das an seiner Lage nichts: Er bleibt im Untergrund, getragen von einem Testament und dem Wissen, dass sein Tod in dieser Geschichte zumindest einkalkuliert ist.