Merz warnt in Quedlinburg vor „Wutbürger“-Experiment
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Landtagswahl

Merz warnt in Quedlinburg vor „Wutbürger“-Experiment

Sechs Tage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt warnt der Kanzler vor einer AfD-Regierung – und erntet mit dem Wort „Wutbürger“ Kritik. Die AfD feiert das als „Ritterschlag“.

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Sechs Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die AfD scharf attackiert – und sich mit dem Wort „Wutbürger“ selbst Kritik eingehandelt. Beim ersten Wahlkampfauftritt in Quedlinburg sagte Merz am Montag vor Journalisten jenen Satz, der nun bundesweit diskutiert wird.

Laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer liegt die AfD bei 40 Prozent, die CDU nur bei 23 Prozent. Merz warnte erneut, bei einer absoluten AfD-Mehrheit würden internationale Investoren ihre Engagements in Sachsen-Anhalt überdenken.

Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden.
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)

Merz warnt vor wirtschaftlichen Folgen eines AfD-Siegs

Der Kanzler wiederholte seine Warnung vom ARD-Sommerinterview am Sonntag. Investoren aus dem Ausland, so Merz, würden bei einer absoluten AfD-Mehrheit „dreimal überlegen“, ob sie noch in Sachsen-Anhalt investieren. Das sei keine Vermutung, sondern bekomme er regelmäßig zu hören, betonte er laut n-tv.

Merz stellte die wirtschaftliche Stabilität des Landes in den Mittelpunkt. Wer international tätige Unternehmen kenne, höre genau diese Sorge, sagte er. Die Formulierung „Wutbürger“ wurde dagegen als Tonvergriff gewertet – die WELT titelte dazu, „so etwas kann man nicht sagen“.

AfD-Spitzenkandidat nennt Warnung „Ritterschlag“

Fast zeitgleich feierte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im rund 40 Kilometer entfernten Klein Wanzleben einen als Bürgerdialog angekündigten Abend vor Hunderten Anhängern. Siegmund wertete Merz' Warnung als Ritterschlag und rief seine Anhänger dazu auf, Geschichte zu schreiben und das Land zurückzuholen.

AfD-Landeschef Martin Reichardt griff Merz anschließend scharf an. Er nannte ihn einen „Jammerkanzler“, der sich nicht mehr unters Volk traue und sich mit Parteibonzen in Hinterzimmern treffe. Kritische Fragen aus dem Publikum gab es in Klein Wanzleben nicht.

Auftritt streng abgeschottet – keine Journalistenfragen

In Quedlinburg, der Geburtsstadt von Ministerpräsident Sven Schulze, war der Termin auf Wunsch der CDU vor Ort nicht als öffentliche Großveranstaltung geplant. Polizeisperren schirmten Merz und Schulze ab; Journalistenfragen waren nicht zugelassen. Laut volksfreund.de wurde der Kanzler mit einer Limousine auf den Schlossberg gefahren.

Das Verhältnis zwischen Merz und Schulze gilt seit Wochen als angespannt. Nach dem jüngsten Umfrageabsturz attackierten Parteifreunde Schulzes den Kurs des Kanzlers. Schulze betonte jedoch, Merz sei im Wahlkampf willkommen.

Umfragen: AfD klar vorn, CDU hofft auf Trendwende

Der jüngste ZDF-Politbarometer sieht die AfD bei 40 Prozent, die CDU bei 23, gefolgt von Linken (13), SPD (9) und Grünen (6). BSW und FDP scheitern mit je drei Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die ARD-Vorwahlumfrage von Mittwoch sah die AfD sogar bei 42 und die CDU bei 22 Prozent.

ZDF-Politbarometer Sachsen-Anhalt, Ende August 2026

Quelle: ZDF-Politbarometer

Merz zeigte sich dennoch zuversichtlich und verwies auf die Landtagswahl 2021, als die CDU entgegen den Umfragen mit 37,1 Prozent klar gewann. Auch Altkanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt zum Kampf gegen die AfD aufgerufen.

Der Weg bis zur Wahl

Vor dem Wahltag am 6. September sind weitere Termine geplant. Am Donnerstag besucht Merz eine Werksbesichtigung bei UPM Biochemicals in Leuna – nicht öffentlich. Am Tag vor der Wahl tritt er bei einer CDU-Veranstaltung in Hannover auf.

Die entscheidenden Tage im Überblick

  1. 30. August 2026
    ARD-Sommerinterview

    Merz äußert sich bereits ähnlich zur Investoren-Frage im Fall eines AfD-Wahlsiegs.

  2. 31. August 2026
    Kühlungsborn

    Merz wird ausgepfiffen und als „Kriegstreiber“ sowie „Pinocchio“ beschimpft.

  3. 31. August 2026
    Quedlinburg

    Merz sagt: „Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden.“

  4. 31. August 2026
    Klein Wanzleben

    AfD-Spitzenkandidat Siegmund nennt Merz' Warnung einen Ritterschlag; Landeschef Reichardt spricht vom „Jammerkanzler“.

  5. 3. September 2026
    Leuna

    Merz plant eine nicht öffentliche Werksbesichtigung bei UPM Biochemicals.

  6. 6. September 2026
    Landtagswahl

    In Sachsen-Anhalt wird ein neuer Landtag gewählt.

Die Frage bleibt, ob Merz' Warnung vor einem Wutbürger-Experiment die CDU-Wähler mobilisiert oder der AfD weiteren Auftrieb gibt. Am Sonntagabend wird sich zeigen, ob die Umfragen erneut danebenlagen.