E-Autos sind 41 Prozent sauberer, doch EU-Bilanz lässt Produktion außen vor
Bild: KI-generiert
Auto-Klimabilanz

E-Autos sind 41 Prozent sauberer, doch EU-Bilanz lässt Produktion außen vor

Eine TUM-Studie zeigt: Elektroautos sind im Lebenszyklus 41 Prozent klimafreundlicher als Verbrenner. Trotzdem kritisiert die Universität die EU-Regeln als schöngefärbt – und Söder fordert das Aus vom Verbrenner-Aus.

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Die EU feiert Elektroautos als emissionsfrei – doch die Technische Universität München rechnet nach: Im Schnitt stoßen E-Autos über den gesamten Lebenszyklus 41 Prozent weniger CO₂ aus als vergleichbare Verbrenner. Die EU-Regulierung zählt jedoch nur Abgase am Auspuff, nicht die Produktion von Stahl, Aluminium und Batterien.

Das Whitepaper „Defossilisation statt Dekarbonisation“ wertet 19 bestehende Studien mit insgesamt 47 Szenarien aus. Wie der MDR berichtet, reicht die Spannweite von 89 Prozent weniger CO₂ bis zu 21 Prozent mehr. In 92 Prozent der Szenarien ist das Elektroauto klimafreundlicher als der Verbrenner.

Klimavorteil in 92 Prozent der Szenarien

92%Szenarien mit Klimavorteil
Quelle: TUM-Whitepaper, September 2026

EU zählt nur den Auspuff

Die EU-Flottenregulierung (Verordnung (EU) 2019/631) stuft Elektroautos als emissionsfrei ein, weil für die CO₂-Grenzwerte der Hersteller nur direkte Emissionen am Auspuff gemessen werden – beim E-Auto also 0 g CO₂/km. Die TUM-Forscher nennen diesen Ansatz „wissenschaftlich nicht haltbar“.

CO₂-Emissionen aus der Produktion von Stahl, Aluminium und Batteriezellen, aus der Stromerzeugung und aus dem Recycling bleiben für die regulatorische Konformität unsichtbar. Der Rahmen konzentriere den gesamten Anreiz auf einen einzigen Hebel – den Antrieb –, während Materialien und Energieträger ohne jeden regulatorischen Wert blieben.

Das Whitepaper fordert deshalb einen lebenszyklusbasierten CO₂-Standard zusätzlich zur Auspuff-Messung. Die Elektrifizierung bleibt laut den Autoren der größte Hebel und soll durch Defossilisierung verstärkt, nicht ersetzt werden. Eine Forderung, das Verbrenner-Aus zu kippen, enthält der Text ausdrücklich nicht.

Söder will das Verbrenner-Aus kippen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nutzt die Studie umgehend für seine Agenda. Wie Focus Online berichtet, sagte er der „Bild am Sonntag“:

Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft.
Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte im ARD-Sommerinterview: „Die CO₂-Bilanz der Elektromobilität ist nicht so rosig, wie es immer wieder dargestellt wird.“ Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, die für 2035 geplante 100-Prozent-Reduktion auf 90 Prozent abzusenken.

TUM-Präsident Thomas Hofmann betonte bei der Pressekonferenz, die Ergebnisse müssten Eingang in die politische Debatte finden. Nach Angaben eines Teilnehmers positionierte er sich klar gegen das Verbrenneraus – und damit auf einer Linie mit Söder.

Fachleute widersprechen der Söder-Interpretation

Doch nicht alle folgen dieser Lesart. Ein Professor derselben Universität widerspricht: Die Studie fordere keine Abkehr von der Elektrifizierung, sondern eine Ergänzung der Regulierung um Lebenszyklusaspekte. Zudem handelt es sich nicht um einen peer-reviewten Fachartikel.

Der KIT-Professor Thomas Koch verweist darauf, dass auch E-Autos beim Laden CO₂ verursachen, weil der Strommix oft fossile Kraftwerke einschließt. Alternative Kraftstoffe wie HVO könnten Verbrenner in der CO₂-Bilanz mithalten lassen. Die TUM-Studie selbst hält aber fest: Elektroautos sind im Schnitt 41 Prozent klimafreundlicher.

Deutsche Hersteller stehen unter Druck: Der Anteil deutscher Elektroauto-Marken ist im ersten Halbjahr 2026 auf 54,2 Prozent gefallen. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz aus China.

Ob die EU-Kommission den geforderten Lebenszyklus-Standard in ihr Autopaket aufnimmt, ist offen. Söder und Merz dürften die TUM-Studie nutzen, um den für 2035 geplanten Verbrenner-Ausstieg weiter aufzuweichen.