Knobloch rechnet mit Merkels Flüchtlingspolitik ab
Bild: KI-generiert
Holocaust-Überlebende

Knobloch rechnet mit Merkels Flüchtlingspolitik ab

Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch wirft Angela Merkel vor, die Aufnahme von Geflüchteten 2015 nicht vorbereitet zu haben. Im BUNTE-Interview sagt sie: „Es kamen Menschen, in deren Heimat der Hass auf Juden und Israel normal ist.“

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Charlotte Knobloch attackiert die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Im Interview mit der BUNTE sagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern: „Ich verstehe, dass 2015 Hilfe für Menschen notwendig war, die vor Krieg geflüchtet sind. Aber die Aufnahme und Integration hätte man vorbereiten müssen.“

Ich verstehe, dass 2015 Hilfe für Menschen notwendig war, die vor Krieg geflüchtet sind. Aber die Aufnahme und Integration hätte man vorbereiten müssen. Es kamen Menschen, in deren Heimat der Hass auf Juden und Israel normal ist. Das hätte man gegensteuern müssen, und das ist oft nicht geschehen.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Damit bricht die 93-Jährige mit einer Position, die sie früher öffentlich vertreten hatte. Noch vor einigen Jahren stand Knobloch fest an Merkels Seite und verteidigte deren Flüchtlingspolitik. Nun macht sie fehlende Gegenmaßnahmen gegen Judenhass für den wachsenden Antisemitismus mitverantwortlich.

In ihrer Autobiografie „In Deutschland angekommen“ (2012) hatte sich Knobloch noch optimistisch gezeigt. Heute sagt sie laut Süddeutscher Zeitung: „Die echte Zuversicht jedoch, also die feste Überzeugung auf realistischer Faktenlage, ist mir abhandengekommen.“

Das vollständige Interview erscheint am Donnerstag, 3. September 2026, in BUNTE 37/2026. Ihr Buch „Trotzdem weiter. Ein jüdisch-deutsches Fazit“ (C.H. Beck, 266 Seiten, 26 Euro) ist seit dem 20. August 2026 im Handel.

Das Buch als Abrechnung

In der rund 270-seitigen Bestandsaufnahme sucht die Holocaust-Überlebende, die als Kind in einem Versteck in Mittelfranken überlebte, nach den Ursachen für den wachsenden Judenhass. Laut BR24 schreibt sie, Antisemitismus sei „mitnichten … nur ein ‚importiertes‘ Problem unter Muslimen“, sondern wuchere „an den schmutzigen Rändern rechts wie links“ und keime auch in der gesellschaftlichen Mitte.

Sie rechnet zudem scharf mit der AfD ab, deren Erstarken für jüdische Menschen „ein Schlag ins Gesicht“ sei. Knobloch fordert ein schnelleres AfD-Verbotsverfahren: Eine wehrhafte Demokratie dürfe „nicht übervorsichtig agieren“. Mehr dazu in unserem Artikel Knobloch warnt vor AfD und rät zu radikalen Mitteln.

Die Entwicklung von Knoblochs Haltung

  1. 2012
    Autobiografie erscheint

    In „In Deutschland angekommen“ zeigt sich Knobloch verhalten optimistisch.

  2. Juli 2026
    Wiederwahl

    Knobloch wird einstimmig für weitere vier Jahre zur Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gewählt.

  3. 20. August 2026
    Buch erscheint

    „Trotzdem weiter. Ein jüdisch-deutsches Fazit“ erscheint im Verlag C.H. Beck.

  4. 2. September 2026
    BUNTE-Interview online

    Knobloch kritisiert Merkels Migrationspolitik.

  5. 3. September 2026
    BUNTE 37/2026 im Handel

    Die ausführliche Fassung erscheint im Heft.

Persönliche Einsamkeit: Die Familie fehlt

Im BUNTE-Interview blickt Knobloch auch auf ihr Privatleben. Mit 93 Jahren vermisst sie vor allem eines: „Es hätte mir schon gefallen, Kinder und Enkel um mich zu haben.“ Ihre beiden Töchter und alle Enkel hätten Deutschland verlassen, nur ihr Sohn sei geblieben.

Im Judentum ist jeder Freitagabend ein Familienabend. Da bin ich allein.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Trotz täglicher Bedrohung im Amt

Knobloch wurde erst Anfang Juli 2026 einstimmig für weitere vier Jahre zur Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wiedergewählt, berichtet die Jüdische Allgemeine. In ihrem Buch und gegenüber dem BR erklärt sie ihre Situation so: „Die Realität ist leider: Ich werde jeden Tag bedroht. Mehrfach.“

Zugleich versteht Knobloch ihr Buch als Appell, dem Antisemitismus entgegenzuwirken, „sodass sich jüdische Menschen hier wieder gerne zu Hause fühlen“. Damit stellt sie die Frage, ob Deutschland das noch leisten kann.

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Knoblochs Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik ist ein deutlicher Bruch mit ihrer früheren Haltung. Halten Sie ihre Vorwürfe für berechtigt? Stimmen Sie ab.

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