Sabotagewelle: Deutschland befindet sich im hybriden Krieg mit Russland
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Kritische Infrastruktur

Sabotagewelle: Deutschland befindet sich im hybriden Krieg mit Russland

Nach Anschlägen auf zwei Umspannwerke und eine Baustelle in München warnt Sicherheitsexperte Joachim Krause: Russland führe bereits einen hybriden Krieg gegen Deutschland. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen spricht von einer „neuen Normalität“.

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Deutschland erlebt eine Serie mutmaßlicher Sabotageanschläge auf kritische Infrastruktur. Am Dienstag, dem 1. September 2026, wurden binnen 24 Stunden zwei Umspannwerke angegriffen – eines nahe dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg, das andere in Rommerskirchen bei Köln. Am Donnerstag folgte ein Brandanschlag auf eine Baustelle in München.

In Turnow-Preilack entdeckte die Polizei mehr als ein Dutzend selbstgebaute Spreng- und Brandvorrichtungen, ähnlich Feuerwerkskörpern. Nur eine Vorrichtung trug ein Kabel in die Hochspannungsleitung – die Störung blieb kurz, verletzt wurde niemand. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sprach von einer „hybriden Bedrohung“.

Am selben Abend kam es 700 Kilometer entfernt in Rommerskirchen zu einem mutmaßlich vorsätzlichen Kurzschluss. RWE musste fünf Braunkohlekraftwerksblöcke mit zusammen 4.200 Megawatt vom Netz nehmen. NRW-Innenminister Herbert Reul sagte, es habe sich um „keinen kaputten Schalter, sondern um Vorsatz“ gehandelt. Die Ermittlungen zum Kurzschluss am Umspannwerk Rommerskirchen (bei Bergheim) laufen wegen Sabotage.

München: Brandanschlag mit Russland-Hinweisen

Am Donnerstag nahm das Landeskriminalamt Bayern nach einem Brandanschlag auf eine Baustelle in München die Ermittlungen auf. In der Nähe liegen Standorte mehrerer Rüstungsfirmen. Nach dem Bericht der Tagesschau zum Brandanschlag in München gibt es starke Hinweise auf sogenannte Low-Level- oder Wegwerfagenten, die von Strohmännern russischer Geheimdienste angeworben wurden.

Die Ermittler sehen einen Zusammenhang mit der Festnahme eines 33-jährigen Ukrainers in Thüringen Anfang August, der Fotos von einem bayerischen Rüstungsunternehmen gemacht haben soll. Auch zwei mutmaßlich von einem russischen Geheimdienst angeworbene Personen wurden im Juli an der ungarisch-serbischen Grenze mit Sprengstoff und Drohne festgenommen.

Krause: „Wir sind im Krieg“

Sicherheitsexperte Joachim Krause, emeritierter Professor der Universität Kiel, zieht eine drastische Konsequenz. In seiner Analyse der Sabotagewelle bei t-online sagt er:

Wir sind im Krieg. Noch nicht militärisch, aber politisch, wirtschaftlich und hybrid. Russland verfolgt das Konzept eines nichtlinearen Krieges, das bedeutet, der Krieg fängt schon lange an, bevor bewaffnete Truppen eine Grenze überschreiten.
Joachim Krause, Sicherheitsexperte und emeritierter Professor der Universität Kiel

Krause führt die Zuspitzung auf die Ausweitung des Ukraine-Kriegs zurück. „Die Ukraine attackiert Ziele in Russlands Hinterland, nun schlägt Putin zurück“, sagte er – auch gegen Unterstützer der Ukraine. Das seien Angriffe auf Infrastruktur wie Umspannwerke oder Attacken auf Rüstungsfabriken und Nachschublinien.

Die Vorgeschichte

Die Angriffe reihen sich in eine Serie ein, die Deutschland seit Monaten beschäftigt. Ein Überblick:

Chronologie der Angriffe

  1. Januar 2026
    Brandanschlag auf Hochspannungsleitungen

    Mutmaßlich linke Extremisten greifen Leitungen nahe einem Kraftwerk im Berliner Südwesten an.

  2. März 2026
    Kritis-Dachgesetz tritt in Kraft

    Das Gesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur setzt EU-Vorgaben um. Im selben Monat werden zwei Ausspäher des Rüstungsherstellers Donaustahl festgenommen.

  3. 4. August 2026
    Versuchte Drohnenattacke auf Leipzig/Halle

    Ein mit Sprengstoff beladener Drohnenangriff gilt mutmaßlich ukrainischen Antonow-Transportmaschinen.

  4. 1. September 2026
    Zwei Umspannwerke angegriffen

    In Brandenburg und NRW kommt es zu Sabotageakten. Die Bundesregierung beschuldigt Russland wegen Leipzig/Halle.

  5. 3. September 2026
    Brandanschlag in München

    Das LKA Bayern ermittelt. Joachim Krause erklärt: „Wir sind im Krieg.“

Die neue Normalität

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Vorfälle wie der russische Drohnen-Sabotageangriff in Deutschland seien zur „neuen Normalität“ geworden. Aus einem internen BKA-Lagebild geht hervor, dass es bundesweit in diesem Jahr bereits 165 mutmaßliche Sabotageakte gab.

Die Bundesregierung hatte am Dienstag Russland für die versuchte Drohnenattacke auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August verantwortlich gemacht. Als Reaktion wurden das Russische Haus in Berlin und das Konsulat in Bonn geschlossen sowie Einreisekontrollen verschärft.

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Kritik am Schutz kritischer Infrastruktur

Der Schutz kritischer Infrastruktur ist im Kritis-Dachgesetz geregelt, das seit März 2026 in Kraft ist. Doch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz kritisiert: „Nun ist das Chaos perfekt. Dies führt zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit für alle Beteiligten, in erster Linie der Unternehmen.“

Sicherheitsexperte Manuel Atug bemängelt fehlende Ausführungsverordnungen und zu viele zuständige Behörden. NRW-Innenminister Herbert Reul fordert laut t-online eine eigene Brigade der Bundespolizei zum Schutz kritischer Infrastruktur, stößt aber auf zurückhaltende Reaktionen. Der bayerische Rüstungsunternehmer Stefan Thumann lebt seit Monaten im Verborgenen. Der Donaustahl-Chef sieht Deutschland und Russland im Krieg und sagt: „Mein Tod ist in dieser Geschichte zumindest einkalkuliert.“