Anschläge auf Umspannwerke: Dobrindt vermutet einen Einzeltäter
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Sicherheitspolitik

Anschläge auf Umspannwerke: Dobrindt vermutet einen Einzeltäter

Innenminister Dobrindt sieht nach den Anschlägen auf Umspannwerke einen mutmaßlichen Einzeltäter aus dem Bereich Klimaextremismus. NRW-Innenminister Reul hält auch andere Täter oder fremde Sabotage für möglich – die Fahndung läuft.

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Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich am Freitag erstmals öffentlich zu den Anschlägen auf Umspannwerke geäußert – und dabei einen Einzeltäter aus dem Bereich Klimaextremismus vermutet. Bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf sprach er von einem mutmaßlichen Einzeltäter, betonte aber zugleich, eine abschließende Beurteilung sei noch nicht möglich. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) ließ offen, ob der Verfasser der Bekennerschreiben auch wirklich der Täter ist. Laut dem Bericht der Tagesschau zur Pressekonferenz verwies Dobrindt auf die laufenden Ermittlungen und den „bisher nicht abschließend geklärten“ Tathintergrund.

Bereits am Dienstag waren Unbekannte in Brandenburg nahe dem Kraftwerk Jänschwalde sowie an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln aktiv. Die Polizei fand selbstgebaute Flugkörper und Abschussvorrichtungen. In Bergheim fielen fünf Braunkohle-Blöcke aus; die Polizei ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. Mehr dazu in der Berichterstattung zum Anschlag auf das Umspannwerk Bergheim.

Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger in Dormagen eine ähnliche Abschussvorrichtung. Zwei handschriftliche Bekennerschreiben gingen an „taz“ und „FAZ“; der Verfasser bekennt sich als Einzeltäter und nennt als Motiv den Kampf gegen fossile Stromerzeugung. Reul sagte, die Schreiben enthielten detailliertes Täterwissen und seien mit vollständigem Namen unterschrieben – „das haben wir noch nie erlebt“.

Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, verdeckte Aktionen, Extremismus und Staatsterrorismus – wir sind mit diesen Gefahrenlagen gleichzeitig aktuell bedroht.
Alexander Dobrindt (Bundesinnenminister, CSU)

Der Minister forderte, Unternehmen müssten befähigt werden, selbst Drohnen abzuwehren, und die Sicherheitsbehörden müssten personell wie technisch gestärkt werden. Zugleich verwies er auf die unklare Motivlage.

Die Spuren führen zu einem Verdächtigen

Der Verdächtige ist ein 48-jähriger Deutscher aus Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis, laut „taz“ ein studierter Mediziner. In seiner Wohnung fanden die Ermittler die Sprengstoff-Ausgangsstoffe Kaliumnitrat und Kaliumperchlorat. Der Mann selbst war nicht dort. Er ist weiter flüchtig.

Chronologie der Anschlagsserie

  1. 01. September 2026
    Angriffe in Brandenburg und NRW

    In Turnow-Preilack und Bergheim werden selbstgebaute Raketen und Abschussvorrichtungen eingesetzt; fünf Kraftwerksblöcke fallen aus.

  2. 03. September 2026
    Verdächtige Vorrichtung in Dormagen

    Ein Spaziergänger entdeckt eine Abschussvorrichtung; die Polizei wertet den Fall als Sabotage.

  3. 04. September 2026
    Durchsuchung und Fahndung

    Wohnungsdurchsuchung in Gevelsberg, Fund von Sprengstoff-Chemikalien; SEK stürmt Lkw bei Hambacher Forst.

Streit um die Bewertung der Gefahr

Während Dobrindt von einem Einzeltäter ausgeht, schließt Reul andere Szenarien nicht aus. Er ließ offen, ob der Verfasser der Bekennerschreiben auch der Täter ist, und verwies auf mögliche linksextremistische Hintergründe oder sogar fremdstaatlich gesteuerte Sabotage. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann hatte zuvor sogar einen koordinierten Angriff auf die Energieversorgung vermutet.

Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche.
Herbert Reul (Innenminister Nordrhein-Westfalen, CDU)

Dobrindt hatte bereits im Juli die Bedrohungslage als „hoch“ eingestuft und von akuten Anschlagsplänen gegen Deutschland gesprochen. Seine damalige Warnung vor Anschlagsplänen gewinnt damit neue Relevanz. Das Bundesinnenministerium hält zudem einen Zusammenhang der Sabotagehäufung mit den bevorstehenden Landtagswahlen für möglich.

Die Jagd nach dem Täter

Am späten Freitagnachmittag stürmte ein Spezialeinsatzkommando den auffälligen Lkw des Verdächtigen in Niederzier nahe des Hambacher Forsts – der Gesuchte war jedoch nicht im Fahrzeug. Reul sagte, der Mann sei vermutlich zu Fuß unterwegs und werde nicht weit kommen. Polizei, Spürhund und ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera suchten den Wald in der Nacht vergeblich ab.

In Sachsen sicherte die Polizei vier unbekannte Sprengvorrichtungen an zwei Fundorten im Landkreis Görlitz. Bei einer Stromanlage in Hamm gab es am Abend einen größeren Polizeieinsatz; Entwarnung kam dagegen im niedersächsischen Ganderkesee, wo lediglich ein Schaltschrank offen stand. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte, die Energieversorgung in Deutschland sei sicher – es habe keine Ausfälle für einzelne Haushalte gegeben.