Trump verlangt Rückzahlung für US-Waffenhilfe an Ukraine
US-Präsident Donald Trump fordert Europa auf, die frühere US-Militärhilfe an die Ukraine nachträglich zu bezahlen. Rechtlich ist das kaum durchsetzbar – doch als Druckmittel könnte die Forderung wirken.
Donald Trump will Europa nachträglich für die US-Militärhilfe an die Ukraine zahlen lassen. Der US-Präsident kündigte am Donnerstag in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social an, die USA würden frühere Waffenlieferungen an Kiew nun bezahlt haben wollen, wie Politico über die Ankündigung berichtet.
Trump schrieb von Hunderten Milliarden Dollar, die der Ukraine und der Nato kostenlos gegeben worden seien. Wörtlich: „Hundreds of Billions of Dollars was given to Ukraine and NATO, free of charge, that Europe would have paid for — If they were only asked, but we will be asking for that money, though somewhat belatedly.“
Trump machte zugleich die Regierung seines demokratischen Vorgängers Joe Biden verantwortlich. Die Ankündigung ist Teil einer Serie von Posts, in denen er Berichte über knappe US-Munitionsbestände im Krieg gegen den Iran zurückwies.
Die Forderung
In dem Beitrag behauptet Trump, Europa hätte die Kosten übernommen, wenn die USA nur gefragt hätten. Er schrieb: „we will be asking for that money, though somewhat belatedly“ – zu Deutsch: „wir werden dieses Geld verlangen, wenn auch etwas verspätet.“
Außerdem wies er Berichte über Munitionsknappheit im Iran-Krieg zurück. Für das „verräterische Gesindel“, das nicht korrekt berichte, verfüge man über „praktisch unbegrenzte Mengen“ an Munition. Waffenverkäufe an Verbündete seien vorübergehend ausgesetzt, würden aber bald wieder beginnen.
Chronologie
Die Ankündigung fällt in eine angespannte Lage: Die USA führen seit rund sieben Monaten Krieg gegen den Iran. Erst am 1. September griffen US-Streitkräfte den Iran mit etwa 100 Angriffen an.
Die Ereignisse im Überblick
1. September 2026
US-Angriffe auf Iran
Rund 100 Angriffe der US-Streitkräfte; der Krieg dauert zu diesem Zeitpunkt etwa sechs Monate.
3. September 2026
Trump kündigt Rückforderung an
In einem Truth-Social-Post verlangt Trump, Europa solle frühere US-Militärhilfe an die Ukraine bezahlen.
4. September 2026
Internationale Berichte
Medien ordnen die Forderung ein: 195 Mrd. Dollar Gesamtbewilligungen, 67,8 Mrd. reine Militärprogramme, kein rechtlicher Schuldner.
Die Zahlen
Nach Angaben zur US-Unterstützung für die Ukraine stellte Washington seit 2022 insgesamt rund 195 Milliarden Dollar für die Ukraine-Unterstützung und damit verbundene Militärausgaben in Europa bereit. Bis Ende März 2026 waren davon erst 177,8 Milliarden Dollar verbindlich gebunden und lediglich 116 Milliarden Dollar tatsächlich ausgezahlt.
Die 195 Milliarden Dollar sind allerdings keine reine Ukraine-Hilfe: Sie enthalten auch Kosten für US-Truppen in Europa, das Auffüllen amerikanischer Waffenlager und 4,2 Milliarden Dollar, die Nato-Partner selbst an das US-Verteidigungsministerium überwiesen haben. Betrachtet man nur Waffen und militärische Dienstleistungen, kommen laut Ukraine Oversight 67,8 Milliarden Dollar zusammen.
Der Council on Foreign Relations beziffert die gesamte direkte US-Unterstützung der Ukraine auf rund 127 Milliarden Dollar. Das US-Außenministerium hatte im März 2025 mitgeteilt, seit Beginn der russischen Vollinvasion rund 66,9 Milliarden Dollar Militärhilfe bereitgestellt zu haben.
Unterschiedliche Angaben zur US-Unterstützung
Quelle: Ukraine Oversight, Council on Foreign Relations, US-Außenministerium
Kein rechtlicher Schuldner
Rechtlich hat Washington bislang keinen Schuldner. Der Congressional Research Service, der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses, unterscheidet ausdrücklich zwischen Zuschüssen (grants) und Krediten. Frühere direkte Hilfen an die Ukraine wurden als Zuschüsse vergeben.
Nur bei späteren Programmen schrieb der Kongress teils Rückzahlungsregeln vor – etwa beim 20-Milliarden-Dollar-Anteil der USA am G7-Kredit. Europäische Staaten seien dabei aber nicht nachträglich zu Schuldnern geworden. Ein einmal gewährter Zuschuss lasse sich nicht per Präsidentenerlass in eine Forderung gegenüber einem unbeteiligten Drittstaat verwandeln.
Die Forderung gilt daher als politisches Druckmittel. Realistischer ist, dass Trump Europa zu künftigen Waffenkäufen in den USA drängen will, etwa über die Nato-Initiative PURL (Prioritized Ukraine Requirements List). Im ersten Halbjahr 2026 stammten mehr als 90 Prozent der darüber bereitgestellten Militärhilfe aus US-Beständen.
Deutschlands theoretischer Anteil
Einen Verteilungsschlüssel nennt Trump nicht. Würden allein die 27 EU-Staaten zahlen und die Kosten nach Wirtschaftsleistung (Eurostat) verteilt, entfielen auf Deutschland 23,8 Prozent.
Das ergäbe rund 16 Milliarden Dollar bei einer 67,8-Milliarden-Rechnung, gut 30 Milliarden bei 127 Milliarden und rund 46 Milliarden Dollar bei der maximalen 195-Milliarden-Variante.
Nach einem auf die europäischen Nato-Staaten umgelegten Nato-Kostenschlüssel läge Deutschlands Anteil bei rund 19 Prozent. Bei einer Maximalforderung von 190,8 Milliarden Dollar entspräche das theoretisch etwa 36 Milliarden Dollar. Diese Berechnungen sind rein hypothetisch.
Europas Gegenrechnung
Zahlen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft relativieren Trumps Darstellung. 2025 brach die neu zugesagte US-Hilfe um 99 Prozent gegenüber den Vorjahren ein, während Europa seine militärischen Hilfszusagen um 67 Prozent erhöhte.
Auch 2026 ist Europa laut Ukraine Support Tracker der größte Geber militärischer Hilfe. Allein im ersten Halbjahr 2026 erreichten die europäischen Zusagen fast das Niveau des gesamten Vorjahres. Die EU und NATO schnüren derzeit neue Hilfspakete für die Ukraine.
Europas Schwachpunkt bleibt jedoch die Abhängigkeit von US-Waffensystemen wie Patriot, was Trump als Hebel nutzen kann. Ob Europa bereit ist, über eine nachträgliche Zahlung auch nur zu verhandeln, bleibt offen.