Mindestens fünf Menschen sind tot, nachdem ein Amazon-Frachtflugzeug am Sonntag bei der Landung am Miami International Airport über die Landebahn hinausschoss und mehrere Fahrzeuge rammte. Die Boeing 767-300 der Fluggesellschaft 21 Air, die im Auftrag von Amazon Air von San Juan nach Miami unterwegs war, geriet in Brand und kam nahe einem Parkplatz neben einem Amazon-Lager zum Stehen.
Laut den Flugverfolgungsdaten von Flightradar24 hatte die Maschine um 17:53 Uhr UTC auf der Landebahn 30 aufgesetzt und verließ das nutzbare Ende mit noch 112 Knoten – rund 207 Stundenkilometer. Das Flugunfallportal Aviation Herald bezifferte das Überschießen der Landebahn auf etwa 460 Meter. Die Maschine durchbrach die Flughafengrenze und kollidierte auf einer angrenzenden Straße mit Fahrzeugen.
Der Notruf ging gegen 13:55 Uhr Ortszeit ein. Über 60 Feuerwehreinheiten und rund 200 Einsatzkräfte rückten an, um das Feuer zu bekämpfen und eingeklemmte Personen zu befreien. Die FAA verhängte einen vollständigen Ground Stop – alle Start- und Landebahnen wurden zunächst geschlossen.
Rettungseinsatz und Opfer
Die Besatzung – Pilot und Co-Pilot – saß im Cockpit fest und musste in einer aufwendigen Such- und Rettungsaktion befreit werden. Beide überlebten verletzt. Drei weitere Verletzte wurden in kritischem Zustand in ein Traumazentrum gebracht, zwei in örtliche Krankenhäuser.
Auf einer Pressekonferenz am Sonntagabend bestätigten Behördenvertreter mindestens fünf Tote und fünf Verletzte, wie der Bericht der BBC zu den Opferzahlen zeigt. Die Identität der Todesopfer wurde zunächst nicht bekanntgegeben – unklar blieb damit zunächst, ob Besatzungsmitglieder oder Menschen am Boden unter den Toten waren. Für Angehörige wurde eine Hotline eingerichtet.
„Mindestens fünf Menschen haben ihr Leben verloren, und fünf weitere sind verletzt.“
Levine Cava betonte, die Rettungskräfte seien innerhalb von Sekunden am Unfallort gewesen. Ihre Worte unterstreichen das Ausmaß der Katastrophe, während die Ermittler noch keine Angaben zur Ursache machen.
Folgen für den Flugverkehr
Der Unfall ereignete sich am Labor-Day-Wochenende, einem der verkehrsreichsten Reisezeiten des Jahres. Laut FlightAware wurden infolge des Unfalls mehr als 160 Flüge gestrichen und fast 325 weitere verspätet. Die tagesschau berichtete von rund 250 verspäteten Flügen.
Betroffen war auch der Lufthansa-Flug LH462 aus Frankfurt: Die Boeing 747 wurde nach Orlando umgeleitet, der Rückflug von Miami nach Frankfurt am Sonntag wurde annulliert. Mehrere andere Flüge wurden ebenfalls nach Orlando International Airport umgeleitet, gut 320 Kilometer nördlich von Miami.
Gegen 17:00 Uhr Ortszeit wurde der Ground Stop aufgehoben und zwei der vier Bahnen wieder geöffnet. Der Flughafen arbeitete zunächst unter einem Ground-Delay-Programm weiter. US-Verkehrsminister Sean Duffy warnte vor erheblichen Verspätungen und Ausfällen.
„Wir haben einen vollständigen Bodenstopp am Miami International verhängt, während die Einsatzkräfte die Lage nach einem Überrollen der Landebahn durch ein Amazon-Frachtflugzeug beurteilen. Wenn Sie durch die Gegend reisen, rechnen Sie bitte mit erheblichen Verspätungen und möglichen Ausfällen.“
Duffy bestätigte damit die drastischen Maßnahmen, die den Luftverkehr in der Region stundenlang lahmlegten. Der Unfall erinnert an den Beinahe-Start einer Boeing 787 in München, bei dem die Maschine erst 120 Meter hinter dem Bahnende abhob.
Ermittlungen und Reaktionen
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB entsandte ein Untersuchungsteam unter Leitung der NTSB-Vorsitzenden Jennifer Homendy. Eine erste Pressekonferenz war für den 7. September geplant. Auch die FAA leitete eine Untersuchung ein. Die Unfallursache ist noch offen; die NTSB erklärte, es sei zu früh, um Aussagen zur Ursache zu treffen.
Zum Unfallzeitpunkt herrschten am Flughafen Gewitter und böiger Wind. Laut METAR-Daten lag der Wind bei 17 Knoten mit Böen bis 26 Knoten; über dem Platz befand sich ein Gewitter mit vereinzelten Cumulonimbus-Wolken in 2.000 Fuß Höhe.
Amazon-Sprecherin Kelly Nantel drückte ihr Beileid aus und kündigte die volle Kooperation mit den Behörden an. 21-Air-CEO Keith Winters nannte das Unternehmen am Boden zerstört und versicherte die Zusammenarbeit mit NTSB, FAA und lokalen Behörden. Auch Boeing sprach den Angehörigen sein Beileid aus und unterstützt die Untersuchung.
Chronologie des Unglückstags
Der Unfall ereignete sich innerhalb weniger Minuten – hier die entscheidenden Stationen des Tages.
Die Ereignisse am 6. September 2026
- 6. September 2026, 15:42 UTCStart in San Juan
Die Boeing 767-300 der 21 Air startet als Flug 7598 vom Luis Muñoz Marín International Airport in Puerto Rico.
- 6. September 2026, 17:53 UTCLandung und Unfall
Die Maschine setzt in Miami auf, überrollt Landebahn 30, rammt mehrere Fahrzeuge und gerät in Brand. Der Notruf geht gegen 13:55 Uhr Ortszeit ein.
- 6. September 2026, kurz nach dem UnfallGround Stop
Die FAA verhängt einen vollständigen Bodenstopp; über 200 Einsatzkräfte rücken an.
- 6. September 2026, 17:00 Uhr OrtszeitWiedereröffnung
Der Ground Stop wird aufgehoben, zwei von vier Start- und Landebahnen werden wieder geöffnet.
- 6. September 2026, AbendPressekonferenz
Behörden bestätigen mindestens fünf Tote und fünf Verletzte; die NTSB entsendet ein Go-Team unter Leitung von Jennifer Homendy.
- 7. September 2026NTSB-Pressekonferenz
Geplante erste Pressekonferenz der NTSB zur Untersuchung des Unfalls.
Was bleibt offen
Die NTSB will in den kommenden Tagen erste Erkenntnisse präsentieren. Der Unfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit älterer Frachtmaschinen und zu Landungen bei Gewittern auf. Erst im Juli stürzte eine Fracht-Boeing bei einem rätselhaften Sturzflug ins Arabische Meer.
