Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent – und steht trotzdem vor einer Blockade. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte die absolute Mehrheit ausgegeben; am Wahlabend muss er zugeben, dass es dafür nicht reicht, und bietet anderen Parteien Gespräche an.
Laut dem vorläufigen Endergebnis der Wahl kommt die AfD auf 39 Sitze, 42 wären für eine absolute Mehrheit nötig. Es ist das beste AfD-Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt; die CDU stürzt von 37,1 auf 17,2 Prozent ab, die SPD erreicht 9,3, die Grünen 8,9, die Linke 8,6, das BSW 5,3, die FDP fliegt mit 2,6 Prozent.
Rekord für die AfD – Debakel für die CDU
Vorläufiges Endergebnis Sachsen-Anhalt 2026
Das Ergebnis ist das beste, das eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei einer Landtagswahl erzielt hat. Für CDU-Ministerpräsident Sven Schulze wird der Abend zum Debakel: Er gratuliert der AfD zum Wahlsieg, sieht sich aber bereits Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen ausgesetzt.
Siegmunds Kurswechsel am Wahlabend
Noch vor der Wahl hatte Siegmund eine Alleinregierung oder absolute Mehrheit als Ziel genannt – Siegmunds Ziel einer Alleinregierung im TV-Duell zeigt den Kurswechsel. Am Wahlabend klingt er anders: Selbstverständlich habe man einen Regierungsauftrag, sagte er, und die Hand bleibe ausgestreckt, sollten Gesprächsbereite da sein.
„Wir wollen uns nicht verbiegen.“
Damit erteilt Siegmund der Vorstellung eine Absage, die AfD könne für eine Regierungsbeteiligung inhaltliche Abstriche machen. Zugleich schließt er eine Minderheitsregierung unter seiner Führung aus – und bringt Neuwahlen ins Spiel.
Als Drohung formuliert er: Im Notfall gebe es halt Neuwahlen, dann habe man 50 oder 55 Prozent.
AfD-Bundesspitze stärkt Siegmund – Dissens zeichnet sich ab
AfD-Co-Chefin Alice Weidel nennt das Ergebnis historisch und einen klaren Regierungsauftrag. Co-Chef Tino Chrupalla geht noch weiter.
„Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schon mal sicher.“
Zwischen Siegmund und der Parteispitze zeichnet sich nach ARD-Recherchen ein Dissens ab: Siegmund will sich nicht von anderen abhängig machen, Chrupalla setzt auf eine mögliche Zusammenarbeit mit dem BSW, um nicht auf die CDU angewiesen zu sein.
BSW als Königsmacher – alle anderen blocken
CDU, SPD, Grüne und Linke schließen eine Koalition mit der als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD weiter aus. Das BSW bietet Gespräche in einzelnen Sachfragen an, lehnt Siegmund als Ministerpräsident aber ab. Den BSW-Vorschlag eines überparteilichen Regierungschefs lehnt Siegmund wiederum ab.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte schon vor der Wahl eine Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt für wahrscheinlich gehalten – Siegmund schließt genau das nun aus.
Fristen und Folgen
Der neue Landtag muss spätestens am 6. Oktober 2026 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen; für die Wahl eines Ministerpräsidenten gibt es keine Frist. Bis dahin bleibt die bisherige Regierung geschäftsführend im Amt. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens kündigt nach dem Ausscheiden ihrer Partei ihren Rücktritt an.
