Wagenknecht öffnet BSW für AfD-Gespräche, Chrupalla widerspricht
In Sachsen-Anhalt streiten BSW und AfD über die Regierungsbildung: Sahra Wagenknecht bietet Zusammenarbeit mit jedem an, Tino Chrupalla lehnt einen überparteilichen Ministerpräsidenten ab und fordert Ulrich Siegmund.
Sahra Wagenknecht hat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die Tür für eine Zusammenarbeit mit der AfD geöffnet – doch AfD-Chef Tino Chrupalla lehnt das zentrale BSW-Modell ab. Im ZDF-„heute journal“ sagte die BSW-Gründerin am Montagabend: „Wir machen mit jedem gemeinsame Politik, der bereit ist, Veränderungen durchzusetzen, die sich die Menschen in unserem Land wünschen.“
Bei der Wahl am Sonntag kam das BSW auf 5,3 Prozent, die AfD auf 43,8 Prozent. Gemeinsam hätten beide Parteien 44 Sitze und damit eine absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag. Die Umfragen hatten dieses Ergebnis bereits angedeutet, wie die Prognose eines CDU-Regierungs-Endes zeigte.
Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (in Prozent)
Stimmenanteile der größten Parteien, 06. September 2026
Quelle: tagesschau.de
Wagenknecht wirbt für überparteilichen Ministerpräsidenten
Die BSW-Gründerin wiederholte ihren Vorschlag eines überparteilichen Regierungschefs und betonte:
„Wir halten es immer noch für sinnvoll, dass wir mit den Parteien – und die Einladung gilt auch für die AfD – ins Gespräch kommen für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der über Parteigrenzen hinaus respektiert wird, der für einen politischen Neubeginn steht.“
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin
Das Modell beschreibt tagesschau.de als eine Person, die nicht ausschließlich im Interesse einer bestimmten Partei handelt und mit wechselnden Mehrheiten regiert. Wie die Analyse der BSW-Regierungsoptionen erläutert, müsste der Landtag den Kandidaten dennoch mit einer Mehrheit wählen. Die SPD schließt einen überparteilichen Kandidaten nicht kategorisch aus, lehnt wechselnde Mehrheiten aber ab.
Chrupalla lehnt ab: Nur Siegmund als Ministerpräsident
AfD-Chef Tino Chrupalla erteilte dem Modell in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ eine deutliche Absage:
„Für die AfD kann es nur einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund geben. Und davon werden wir auch nicht ablassen. Warum sollten wir jetzt einem Personenwechsel in irgendeiner Weise zustimmen oder in irgendeiner Weise einer Knapp-Sechs-Prozent-Partei dort hinterherlaufen?“
Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender
Chrupalla ergänzte: „Wir brauchen natürlich eine stabile Mehrheit. Und das geht auch nicht mit wechselnden Mehrheiten. Auf solche Modelle lassen wir uns nicht ein.“ Damit verwarf er sowohl den überparteilichen Regierungschef als auch das BSW-Regierungsmodell wechselnder Mehrheiten.
Wagenknecht legte nahe, dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ohnehin lieber Kontakt zu CDU-Abgeordneten suche: „Dort erhofft er sich scheinbar dann, eine Mehrheit zu bekommen. Das steht ihm frei, er hat ein sehr starkes Wahlergebnis und wenn die CDU ihn wählen möchte oder Mitglieder der CDU ihn wählen möchten, dann wird er sicherlich gewählt.“
Weitere BSW-Stimmen skeptisch
BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali äußerte sich in Interviews skeptischer als Wagenknecht: Sie glaube nicht, dass viele BSW-Inhalte durchkämen, weil es wenig Gemeinsamkeiten mit der AfD gebe. Die sachsen-anhaltische BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig schloss eine Regierungskoalition mit der AfD erneut aus, will aber über Projekte reden.
Bis zum 6. Oktober muss sich der neue Landtag konstituieren. AfD und BSW zusammen hätten die absolute Mehrheit, aber der AfD fehlen allein die Stimmen. Das BSW lotet nun seine Optionen aus: Koalition mit der AfD (ausgeschlossen), Tolerierung einer AfD-Minderheitsregierung (von der AfD bislang verworfen) und der überparteiliche Ministerpräsident (von der AfD nun öffentlich abgelehnt).