Nach AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: 13 Prozent erwägen Wegzug aus Deutschland
Bild: KI-generiert
Civey-Umfrage

Nach AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: 13 Prozent erwägen Wegzug aus Deutschland

Drei Tage nach der Landtagswahl zeigt eine Civey-Umfrage: Mehr als die Hälfte der Deutschen hält den AfD-Sieg für schlecht für die Demokratie. 13 Prozent ziehen sogar einen Wegzug in Betracht.

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Jeder achte Wahlberechtigte in Deutschland erwägt wegen des AfD-Siegs in Sachsen-Anhalt, das Land zu verlassen. Das geht aus Umfrage des Instituts Civey für FOCUS online hervor, für die vom 6. bis 8. September rund 5000 Bundesbürger ab 18 Jahren online befragt wurden.

Demnach geben 13 Prozent der Befragten an, wegen des Wahlergebnisses zumindest einen Wegzug zu planen: 8 Prozent antworteten „eher ja“, 5 Prozent „auf jeden Fall“. 79 Prozent wollen laut Umfrage auf keinen Fall wegziehen, 8 Prozent sind unentschieden.

Umfrage
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Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent und einem Rekordergebnis gewonnen und ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, SPD, Grüne und Linke kamen auf 9,3, 8,9 und 8,6 Prozent, das BSW zog mit 5,3 Prozent erstmals in den Landtag ein.

Mehrheit bewertet Wahlergebnis als schlecht für die Demokratie

Auf die Frage, wie sie das Ergebnis bewerten, sagen 54 Prozent, es sei schlecht für die Demokratie in Deutschland. 39 Prozent sehen darin eine gute Entwicklung, 7 Prozent sind unentschieden.

Bewertung des AfD-Siegs in Sachsen-Anhalt

Civey-Umfrage, 6.–8. September 2026

Quelle: Civey/FOCUS online

Auch bei den konkreten Folgen überwiegen die negativen Erwartungen. 54 Prozent beurteilen die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft Sachsen-Anhalts als negativ, nur 33 Prozent erwarten eine positive Entwicklung. 49 Prozent glauben, die Lebensqualität im Land würde sich unter einer AfD-geführten Regierung verschlechtern, 34 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.

Civey-Gründerin Janina Mütze warnt davor, den Wahlausgang eins zu eins auf die kommenden Landtagswahlen zu übertragen. Die AfD gewinne zwar über alle Altersgruppen und Schichten hinweg, doch die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hätten eigene Dynamiken.

Sachsen-Anhalt ist ein starkes Warnsignal, aber keine Eins-zu-eins-Blaupause für Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Janina Mütze, Civey-Gründerin und -Geschäftsführerin

Machtfrage: Siegmund liegt bei Ministerpräsidenten-Wunsch vorn

36 Prozent der Befragten nennen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als gewünschten künftigen Ministerpräsidenten, den amtierenden Sven Schulze (CDU) nur 25 Prozent. 28 Prozent wünschen sich jemand anderen, 11 Prozent machten keine Angabe.

Bei der Frage nach der künftigen Regierungsführung ist das Land gespalten: 45 Prozent wünschen sich eine CDU-geführte Regierung, 43 Prozent eine unter Führung der AfD. 12 Prozent wissen es nicht.

Sollte die AfD bei der Regierungsbildung scheitern, liegt der Ball bei der CDU: Jeweils 29 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Koalition mit der AfD aus oder lehnen sämtliche abgefragten Optionen ab. 17 Prozent favorisieren eine von der Linken tolerierte CDU-Minderheitsregierung, 11 Prozent eine Koalition mit der Linken, 5 Prozent eine von der AfD tolerierte Minderheitsregierung.

Schon vor der Wahl hatte eine Insa-Umfrage ergeben, dass 22 Prozent würden bei einer AfD-Regierung auswandern. Der Soziologe Gert Pickel sagte, es würden vermutlich nicht so viele gehen, aber ein signifikanter Teil. Die Ängste seien diffus, weil unklar sei, was die Partei umsetzen würde.

AfD-Spitzenkandidat Siegmund hat zu Sondierungsgesprächen eingeladen, schließt Kompromisse und eine Minderheitsregierung aber aus – „im Notfall wird es halt Neuwahlen geben“. CDU, SPD, Grüne und Linke erteilten einer Zusammenarbeit mit der AfD bereits Absagen, das BSW ziert sich bislang. Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 6. Oktober 2026 zusammentreten. Ob eine Regierungsbildung gelingt oder Neuwahlen drohen, ist offen.