Sahra Wagenknecht ruft CDU-Wähler in MV zur BSW-Wahl auf
Bild: KI-generiert
Landtagswahl MV

Sahra Wagenknecht ruft CDU-Wähler in MV zur BSW-Wahl auf

Sahra Wagenknecht ruft CDU-Wähler in Mecklenburg-Vorpommern auf, taktisch BSW zu wählen, damit die CDU aus dem Landtag fliegt und Kanzler Friedrich Merz stürzt. Das BSW liegt in der letzten Umfrage vor der Wahl bei 4 Prozent.

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Sahra Wagenknecht will die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zum Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz machen. Am Sonntag, dem 13. September 2026, rief die BSW-Gründerin eine Woche vor dem Urnengang CDU-Wähler und Kritiker des Kanzlers auf, ihre Stimme aus taktischen Gründen dem BSW zu geben.

In Wagenknechts Wahlaufruf an CDU-Wähler in MV sagte sie, Mecklenburg-Vorpommern könne Merz stürzen. Ihre Bedingung: Wenn das BSW in den Schweriner Landtag einzieht und die CDU dort herausfliegt, sei Merz Geschichte. Adressaten des Appells sind ausdrücklich nicht das eigene Stammpublikum, sondern Anhänger der Union.

Wie knapp es für das BSW wird, zeigt der LänderTREND Mecklenburg-Vorpommern von Infratest dimap vom 9. September 2026: Das BSW liegt bei 4 Prozent und würde den Landtagseinzug verpassen.

Umfrage zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

infratest dimap für die ARD, Befragung 7. bis 9. September 2026, 1.556 Wahlberechtigte

Quelle: infratest dimap

Taktische Stimmen statt Programmwahl

Als Beleg dient Wagenknecht die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026. Nach der Wählerwanderung von Infratest dimap wechselten dort rund 12.000 Wähler von der CDU zum BSW – mehr Stimmen kamen nur von der Linken. Die AfD gewann mit 43,8 Prozent, die CDU stürzte auf 17,2 Prozent, das BSW zog mit 5,3 Prozent knapp in den Landtag ein.

Für Mecklenburg-Vorpommern leitet Wagenknecht daraus eine Machtfrage für Berlin ab. Gegenüber t-online formulierte sie:

Wiederholen wir das, ist Merz weg. Wer Merz ablösen will, sollte BSW wählen!
Sahra Wagenknecht, Gründerin des BSW

Der Satz richtet sich an Merz-Kritiker in der CDU-Anhängerschaft, nicht an BSW-Stammwähler. Inhaltliche Angebote für diese Gruppe lieferte Wagenknecht nicht: Bei ihrem Wahlkampfabend in Neubrandenburg nannte sie keine landespolitischen Forderungen. Dass sie den Kanzler über die Landtagswahl stürzen will, verfolgt sie seit Wochen.

Ein Regierungschef für wechselnde Mehrheiten

Das zweite erklärte Ziel des BSW im Nordosten ist die Verhinderung von Rot-Rot-Grün. Nur mit dem BSW im Landtag bestehe die Chance, dass die amtierende Koalition aus SPD und Linke keine Laufzeitverlängerung bekomme, sagte Wagenknecht.

Wir brauchen stattdessen einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regiert – auch unter Einbeziehung der AfD.
Sahra Wagenknecht, Gründerin des BSW

Dieses Modell ist die zentrale Regierungsidee des BSW – Wagenknechts Forderung nach einem parteiunabhängigen Ministerpräsidenten unter Einbeziehung der AfD. Offen bleibt, wer das Amt übernehmen soll und wie ein solches Kabinett zusammengesetzt wäre. In Sachsen-Anhalt wirbt das BSW ebenfalls für einen überparteilichen Ministerpräsidenten; die dort stärkste Kraft AfD lehnt den Vorstoß bislang ab.

Operation Kanzlersturz in der CDU

Der Aufruf trifft eine geschwächte Union. Friedrich Merz gilt als politisch beschädigt, in der CDU kursieren nach Medienberichten Pläne für seine Ablösung. Die Zeit berichtete am 12. September 2026 unter dem Titel „Operation Kanzlersturz“, die Stimmung in der Partei kippe gegen den Kanzler. Vor allem Ministerpräsidenten drängten auf ein schnelles Verfahren und suchten nach einem Nachfolger; genannt werden Hendrik Wüst und Boris Rhein.

Ob dieser Schritt nach einem weiteren Wahldebakel am 20. September tatsächlich gegangen wird, ist offen. Die Stationen der vergangenen zwei Wochen:

Von Sachsen-Anhalt bis zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

  1. 6. September 2026
    Debakel für die CDU in Sachsen-Anhalt

    Die AfD gewinnt mit 43,8 Prozent, die CDU stürzt auf 17,2 Prozent, das BSW zieht mit 5,3 Prozent knapp in den Landtag ein.

  2. 8. September 2026
    CDU-Landesvize fordert Merz-Ablösung

    Tino Schomann, stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, verlangt die Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz.

  3. 9. September 2026
    Letzter MV-Trend vor der Wahl

    Infratest dimap sieht AfD 38, SPD 33, Linke 9, CDU 7, Grüne 5 und BSW 4 Prozent – das BSW läge unter der Fünf-Prozent-Hürde.

  4. 9. September 2026
    BSW-Wahlkampfabend in Neubrandenburg

    Vor rund 450 Zuhörern rechnet Wagenknecht mit Merz ab und wirbt für die Zweitstimme; die Plakate laufen unter dem Motto „Kein Weiter so!“.

  5. 12. September 2026
    Die Zeit: „Operation Kanzlersturz“

    Die Zeit berichtet über Ablösungspläne für Merz in der CDU; als mögliche Nachfolger werden Hendrik Wüst und Boris Rhein genannt.

  6. 13. September 2026
    Wahlaufruf über t-online

    Wagenknecht erklärt, Mecklenburg-Vorpommern könne Merz stürzen, und ruft CDU-Wähler auf, taktisch BSW zu wählen.

  7. 20. September 2026
    Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

    Rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte in MV sind aufgerufen.

CDU bei sieben Prozent

Der Druck im Nordosten ist messbar. Die CDU liegt in den Umfragen nur noch im einstelligen Bereich: 7 Prozent nach der Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der ARD (Befragung vom 7. bis 9. September 2026, 1.556 Wahlberechtigte). Es wäre das historisch schlechteste Ergebnis der Union bei einer Landtagswahl in der Bundesrepublik; bislang galt Bremen 1951 mit 9 Prozent als Tiefstand. Spitzenkandidat Daniel Peters sprach laut ZDF von einer „bedrohlichen Situation“.

Zugleich spricht wenig für einen Wechsel im Land. 55 Prozent favorisieren eine SPD-geführte Landesregierung, 32 Prozent einen Regierungswechsel zugunsten der AfD. In der direkten Entscheidung zwischen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und dem AfD-Kandidaten Leif-Erik Holm liegt die Amtsinhaberin mit 59 zu 28 Prozent vorn. Rechnerisch bleibt eine rot-rot-grüne Mehrheit möglich – genau das will Wagenknecht mit dem BSW-Einzug verhindern.

Das BSW hatte seine Schlusskampagne unter das Motto „Kein Weiter so!“ gestellt und warb um die Zweitstimme. Bei einer Veranstaltung am Mittwochabend, dem 9. September 2026, sprach Wagenknecht auf dem Marktplatz in Neubrandenburg vor rund 450 Zuhörern. In ihrer rund 30-minütigen Rede spielten landespolitische Forderungen keine Rolle. Zum Umgang mit der AfD sagte sie an diesem Abend nichts.

Umfrage
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Am Sonntag, dem 20. September 2026, sind in Mecklenburg-Vorpommern rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen; am selben Tag wählt Berlin. Ob das BSW die Fünf-Prozent-Hürde überspringt und ob ein CDU-Debakel den Kanzler tatsächlich stürzt, entscheidet sich in einer Woche.