CDU bleibt stärkste Kraft in Niedersachsen – AfD verdreifacht Ergebnis
Bild: KI-generiert
Hochrechnung

CDU bleibt stärkste Kraft in Niedersachsen – AfD verdreifacht Ergebnis

Die AfD verdreifacht ihr Ergebnis auf 16,5 Prozent und wird drittstärkste Kraft auf Kreisebene, die SPD stürzt auf 24,5 Prozent ab – die CDU bleibt trotz Verlusten stärkste Kraft. In Salzgitter liegt die AfD sogar vorn.

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Die AfD hat ihr Ergebnis bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen mehr als verdreifacht und ist erstmals drittstärkste Kraft auf Kreisebene. Nach der Hochrechnung von Infratest dimap für den NDR kommt sie am Wahlabend des 13. September auf 16,5 Prozent – 2021 waren es 4,6 Prozent.

Stärkste kommunale Kraft bleibt die CDU mit 27,7 Prozent, verliert aber 4,0 Punkte gegenüber 31,7 Prozent vor fünf Jahren. Die regierende SPD von Ministerpräsident Olaf Lies fällt auf 24,5 Prozent (−5,5). Zusammen mit den Grünen (13,6 Prozent) verliert das rot-grüne Lager in Kreistagen und Stadträten deutlich an Gewicht.

Gewählt wurden die Vertretungen in fast 2.200 Kommunen, dazu rund 395 Direktwahlen von Landräten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern. Bis 16:30 Uhr stieg die Wahlbeteiligung auf 50,67 Prozent – 6,68 Punkte mehr als 2021 zur selben Zeit, wie der Liveticker zum Kommunalwahl-Abend dokumentiert.

Der Wahlabend in Niedersachsen

  1. 13. September 2026, 8 Uhr
    Wahllokale öffnen

    Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte können in fast 2.200 Kommunen bis zu fünf Stimmzettel abgeben.

  2. 13. September 2026, 16:30 Uhr
    Wahlbeteiligung bei 50,67 Prozent

    6,68 Prozentpunkte mehr als 2021 zur selben Zeit. In Hannover muss ein Schlüsseldienst zwei Wahllokale öffnen.

  3. 13. September 2026, 18 Uhr
    Schließung der Wahllokale

    Die Auszählung beginnt, erste Ergebnisse der Direktwahlen treffen ab etwa 19 Uhr ein.

  4. 13. September 2026, 22 Uhr
    Hochrechnung von Infratest dimap

    CDU 27,7 / SPD 24,5 / AfD 16,5 / Grüne 13,6 / Linke 5,9 / FDP 3,6 Prozent.

  5. 14. September 2026, 4:45 Uhr
    Vorläufiges Endergebnis der Kreiswahlen

    CDU 27,2, SPD 24,6, AfD 15,9, Grüne 14,1, Linke 6,0, FDP 3,7 Prozent, Wahlbeteiligung 64,6 Prozent.

  6. 27. September 2026
    Stichwahlen in Niedersachsen

    Unter anderem in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Oldenburg und um das Amt des Regionspräsidenten der Region Hannover.

Zugewinne nur für AfD und Linke

Zugewinne gab es nach der Hochrechnung nur für zwei Parteien: Die AfD legte um 11,9 Punkte zu, die Linke um 3,1 Punkte auf 5,9 Prozent. Die Grünen fallen auf 13,6 Prozent (−2,3) und liegen damit hinter der AfD, die FDP rutscht auf 3,6 Prozent (−2,9). 2021 hatte die CDU mit 31,7 Prozent noch knapp vor der SPD (30,0 Prozent) gelegen.

Hochrechnung zur Kommunalwahl in Niedersachsen 2026

Stimmenanteile in Prozent, Wahlabend 13. September 2026

Quelle: Infratest dimap für den NDR

Das am Montagmorgen veröffentlichte vorläufige Endergebnis der Kreiswahlen bestätigte den Trend mit leichten Abweichungen: CDU 27,2, SPD 24,6, AfD 15,9, Grüne 14,1, Linke 6,0, FDP 3,7 Prozent. Für CDU und AfD liegt das amtliche Resultat damit unter der Hochrechnung, die SPD bleibt praktisch auf ihrem Wert. Die Wahlbeteiligung erreichte 64,6 Prozent nach 57,0 Prozent im Jahr 2021.

Für die AfD ist der Abend der Sprung in die Fläche. Landeschef Ansgar Schledde kündigte an, mit den vielen neuen Mandatsträgern die Präsenz vor Ort bis zur Landtagswahl 2027 auszubauen.

Mit den vielen neuen Mandatsträgern werden wir unsere Präsenz vor Ort bis zur Landtagswahl 2027 noch einmal deutlich steigern. Das ist ein starker Rückenwind.
Ansgar Schledde, AfD-Landesvorsitzender Niedersachsen

Der niedersächsische Verfassungsschutz führt den AfD-Landesverband als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt; die Partei wehrt sich juristisch dagegen. Vier AfD-Kandidaten, darunter Landesvize Stephan Bothe, wurden wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht zur Wahl zugelassen.

Lechner fordert Kurswechsel in Berlin

CDU-Landeschef Sebastian Lechner wertete das Ergebnis als Vertrauensbeweis, räumte aber Verluste und ein Glaubwürdigkeitsproblem ein. Der „Unmut über Berlin“ sei im Wahlkampf deutlich zu spüren gewesen; trotz dieses Bundestrends habe seine Partei gewonnen.

Schon im Wahlkampf hatte es in der eigenen Partei geknirscht: CDU-Wahlkämpfer kritisierten die Parteispitze als zu weit links. Lechner verlangte nach dem Wahlergebnis nun einen Kurswechsel der Bundesregierung:

Ich glaube, es braucht eine politische Änderung in Berlin. Wir müssen die Menschen entlasten. Die Energiepreise sind zu hoch, die Wohnungspreise sind zu hoch. Man hat zu wenig Netto vom Brutto.
Sebastian Lechner, CDU-Landesvorsitzender Niedersachsen

Für die CDU verbuchte Lechner die absolute Mehrheit für Dennis Weilmann in Wolfsburg, den Einzug von Oliver Junk in die Stichwahl um das Amt des Regionspräsidenten der Region Hannover – und die seit 1981 währende Serie als stärkste Kraft bei den Kreiswahlen.

Die Wahl galt als Stimmungstest im rot-grün regierten Niedersachsen: Sie fiel eine Woche nach dem AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und eine Woche vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Dort liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern laut ARD-Vorwahlumfrage bei 38 Prozent, fünf Punkte vor der SPD.

Lies: Der Wählerstrom fließt an die Ränder

Ministerpräsident und SPD-Landesvorsitzender Olaf Lies nannte das Abschneiden ein schwieriges Ergebnis und räumte ein, seine Partei habe sich mehr erhofft. Zugleich verwies er darauf, dass sich Niedersachsen den bundespolitischen Einflüssen nicht gänzlich entziehe:

Das Vertrauen in die etablierten Parteien ist angespannt, und dieser Wählerstrom fließt nach dem derzeitigen Stand nicht zu anderen demokratischen Kräften, sondern an die Ränder.
Olaf Lies, Ministerpräsident Niedersachsen (SPD)

Bei seiner Stimmabgabe in seiner Heimatgemeinde Sande in Friesland hatte Lies zuvor betont, es sei „keine kleine Bundestagswahl, sondern eine echte Persönlichkeitswahl“, bei der es um die eigene Gemeinde, Stadt oder den Landkreis gehe. SPD-Generalsekretärin Dörte Liebetruth nannte das Ergebnis „Licht und Schatten“ und kündigte an, die Partei wolle in früheren Arbeiterhochburgen „dringend Land zurückgewinnen“.

Grünen-Landesvorsitzende Greta Garlichs hob hervor, ihre Partei sei „nicht nur in grünen Hochburgen erfolgreich“, grüne Politik habe in Niedersachsen längst Wurzeln geschlagen. CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nannte es „bemerkenswert“, dass Schwarz-Rot in Niedersachsen stabile und gute Ergebnisse erzielt habe.

Salzgitter, Wolfsburg und der Blick auf 2027

Die Hochrechnung verdeckt starke lokale Unterschiede. In Salzgitter wurde die AfD mit rund 27,4 Prozent stärkste Kraft im Stadtrat (SPD 25,9, CDU 23,2). Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) verpasste mit 45,6 Prozent die Wiederwahl im ersten Gang und tritt am 27. September gegen die AfD-Kandidatin Patricia Mair (25,5 Prozent) an.

In Wolfsburg wurde CDU-Amtsinhaber Dennis Weilmann mit 50,1 Prozent im Amt bestätigt. Stichwahlen gibt es auch in Hannover zwischen Amtsinhaberin Belit Onay (Grüne, 45,6 Prozent) und SPD-Kämmerer Axel von der Ohe (21,5), in Braunschweig zwischen Thorsten Kornblum (SPD, 43,3) und Maximilian Pohler (CDU, 17,2) sowie in der Region Hannover zwischen Eva Bender (SPD, 30,6) und Oliver Junk (CDU, 22,0).

Direkt wiedergewählt wurden Tim Kruithoff in Emden (68,7 Prozent), Jörg Nigge in Celle (65,3), Claudio Griese in Hameln (56,5) und Uwe Santjer in Cuxhaven (rund 59 Prozent); in Wilhelmshaven wurde die parteilose Eva Maria Haarmann mit rund 55 Prozent erste Oberbürgermeisterin der Stadt.

Mehrere Pannen begleiteten den Urnengang: In Wilhelmshaven wurden im Wahlbezirk Heppens-Villenviertel 90 falsche Stimmzettel ausgegeben und in die Urne geworfen. Im Landkreis Leer mussten vor dem Wahltag 27.500 Stimmzettel für die Kreistagswahl neu gedruckt werden, weil bei vier Kandidaten die Ankreuzfelder fehlten. In Rinteln zeichnete sich ab, dass die AfD mehr Mandate gewinnt, als sie mit nur zwei Kandidaten besetzen kann.

Der eigentliche Stimmungstest folgt erst: Am 26. September 2027 wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt, voraussichtlich als Duell zwischen Ministerpräsident Lies und CDU-Landeschef Lechner. Eine am 11. September 2026 veröffentlichte Insa-Umfrage im Auftrag der „Bild“ sah die SPD mit 26 Prozent vor CDU (22) und AfD (21). Ob die AfD ihren Schwung hält, entscheidet sich zuerst bei den Stichwahlen am 27. September.

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