AfD erstmals 30 % in neuer Umfrage – Union stürzt auf 20 %
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Sonntagsfrage

AfD erstmals 30 % in neuer Umfrage – Union stürzt auf 20 %

Die AfD erreicht in der GMS-Sonntagsfrage erstmals 30 Prozent, die Union fällt auf 20 Prozent – zehn Punkte Rückstand. Die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz hätte nach diesen Werten keine rechnerische Mehrheit mehr.

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In der am Montag veröffentlichten GMS-Sonntagsfrage zur Bundestagswahl kommt die AfD auf 30 Prozent, die Union (CDU/CSU) fällt auf 20 Prozent – es ist der erste Zehn-Punkte-Abstand in einer Sonntagsfrage.

Für die schwarz-rote Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat das unmittelbare Folgen: Nach diesen Werten hätte sie keine rechnerische Mehrheit mehr im Bundestag. Die AfD liegt nur noch einen Prozentpunkt hinter CDU/CSU und SPD zusammen.

Die vollständigen Werte

Neben AfD und Union listet die Erhebung: Grüne 14 Prozent, Linke 11 Prozent, SPD 11 Prozent, FDP 4 Prozent, BSW 3 Prozent, Freie Wähler 1 Prozent und sonstige Parteien 6 Prozent. Die vollständigen GMS-Werte vom 14. September zeigen FDP und BSW klar unter der Fünf-Prozent-Hürde – beide würden den Einzug in den Bundestag verpassen.

Im Vergleich zur vorherigen GMS-Erhebung vom 20. Juli 2026 legt die AfD zwei Punkte zu, die Union verliert drei. Grüne, Linke und BSW gewinnen je einen Punkt, die FDP verliert einen, SPD und Freie Wähler bleiben unverändert.

GMS-Sonntagsfrage zur Bundestagswahl vom 14. September 2026

Angaben in Prozent

Quelle: GMS, 1.009 Wahlberechtigte, 9.–14. September 2026

Druck auf die Koalition wächst

Die Erhebung fällt in eine Phase, in der die Regierung seit Wochen verliert. Eine Woche vor der Veröffentlichung hatte die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent klar gewonnen.

Bereits Anfang Juli lag die AfD in einer anderen Erhebung acht Punkte vor der Union – Erhebung Anfang Juli war damals der größte gemessene Abstand. Zwei Monate später sind daraus zehn Punkte geworden.

Am 20. September wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In der Union wird seit Wochen über einen Kanzlertausch spekuliert. Als mögliche Nachfolger von Merz gelten der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Die Entwicklung seit der Bundestagswahl

Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 kam die Union auf 28,5 Prozent, die AfD auf 20,8 Prozent, die SPD auf 16,4 Prozent. Seitdem steigt die AfD in den GMS-Erhebungen kontinuierlich: von 25 Prozent im April 2026 über 28 Prozent Mitte Juli auf nun 30 Prozent. Die Union verlor im selben Zeitraum von 26 auf 20 Prozent.

Von der Bundestagswahl bis zu den Wahlen im September

  1. 23. Februar 2025
    Bundestagswahl

    Union 28,5 Prozent, AfD 20,8 Prozent, SPD 16,4 Prozent.

  2. April 2026
    GMS misst die AfD bei 25 Prozent

    In der GMS-Reihe beginnt der Aufstieg der AfD bei 25 Prozent.

  3. 20. Juli 2026
    Vorherige GMS-Sonntagsfrage

    AfD 28 Prozent, Union 23 Prozent.

  4. 6. September 2026
    Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

    Die AfD gewinnt mit 43,8 Prozent klar.

  5. 9. September 2026
    Beginn der GMS-Befragung

    1.009 Wahlberechtigte werden bis zum 14. September befragt.

  6. 14. September 2026
    GMS veröffentlicht neue Sonntagsfrage

    AfD erstmals 30 Prozent, Union 20 Prozent – zehn Punkte Abstand.

  7. 20. September 2026
    Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

    Die Ergebnisse entscheiden mit über die politische Zukunft von Merz.

Der 30:20-Kipppunkt

Für den Kommunikationsexperten und Buchautor Philipp Jessen ist die Kombination aus 30 Prozent für die AfD und 20 Prozent für die CDU ein Kipppunkt. Der frühere Journalist und Chefredakteur von „Bravo“ und „Stern online“ erwartet, dass sich die politische Statik Deutschlands danach grundlegend verschiebt.

Sollte die AfD die nächste Bundestagswahl mit 30 Prozent gewinnen, die CDU aber nur 20 Prozent holen, hätte das weitere dramatische Verschiebungen zur Folge.
Philipp Jessen, Kommunikationsexperte und Buchautor

Jessen vergleicht den Effekt mit dem Bestseller-Effekt im Buchhandel: Menschen griffen eher zu einem Buch, das ohnehin ganz oben auf der Liste stehe – und versammelten sich auch hinter der politischen Kraft, die sie als die stärkste wahrnehmen. Als Grund für die AfD-Stärke nennt er deren Fokus auf soziale Medien: Entscheidend sei nicht mehr die Rede im Bundestag, sondern der zehnsekündige Clip fürs Netz.

CDU, SPD und Grüne hätten diese Entwicklung lange unterschätzt, sagt Jessen und fordert eine digitale Gegenoffensive der bürgerlichen Parteien.

Was die Erhebung leistet – und was nicht

Für die Erhebung befragte GMS 1.009 Wahlberechtigte per Telefon und Online-Panel, also in einer Mixed-Befragung, zwischen dem 9. und 14. September 2026. Einen Auftraggeber gab es nicht: Die Umfrage entstand in eigenem Auftrag und wurde am 14. September unter anderem bei wahlrecht.de veröffentlicht. Die Fehlertoleranz liegt bei etwa drei Prozentpunkten.

Wahlumfragen sind mit Unsicherheiten behaftet: Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Instituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Die nächste reguläre Bundestagswahl findet voraussichtlich 2029 statt.

Eine offizielle Stellungnahme der AfD-Spitze speziell zu dieser GMS-Erhebung ließ sich zunächst nicht belegen. Auch von AfD-Chefin Alice Weidel war keine Äußerung zu dem Umfragewert auffindbar; ihre jüngsten öffentlichen Beiträge galten anderen Themen, darunter einer Anti-AfD-Demo in Berlin am 13. September.

Umfrage
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Wie stark der Druck auf Merz tatsächlich wird, zeigt sich am 20. September: Dann wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bleibt die Koalition dort hinter den Erwartungen zurück, dürfte die Debatte über einen Kanzlertausch in der Union weiter an Fahrt aufnehmen.