Iran meldet Minentreffer auf Tanker El Gaia – USA widersprechen
Bild: KI-generiert
Hormus-Konflikt

Iran meldet Minentreffer auf Tanker El Gaia – USA widersprechen

Irans Revolutionsgarden melden, der Tanker El Gaia sei in der Straße von Hormus auf eine Seemine gefahren und brenne. Die USA nennen das eine Falschmeldung und sprechen von einem Raketen- und Drohnenangriff. 13 indische Seeleute wurden gerettet, einer wird vermisst.

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Die Straße von Hormus ist nach Darstellung Irans geschlossen – und in der Meerenge brennt ein Supertanker. Die Revolutionsgarden meldeten am Abend des 14. September über den staatlichen Rundfunk Irib die Explosion des Tankers El Gaia nach einem Minentreffer auf der südlichen Route. Das Schiff sei vollständig in Flammen aufgegangen, Löschversuche blieben erfolglos.

Wenige Stunden später widersprach das US-Zentralkommando CENTCOM öffentlich: Die Minen-Darstellung sei falsch. „El Gaia" sei bereits im Vormonat von einer iranischen Rakete getroffen und manövrierunfähig gemacht worden, am Wochenende habe Iran das Schiff vor der Küste Omans erneut mit einer Drohne angegriffen. Der manövrierunfähige Tanker werde derzeit von einem regionalen Partner abgeschleppt.

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Teheran erklärt die Meerenge zur Sperrzone

Die Revolutionsgarden verlangen Gebühren für die Durchfahrt und haben nur eine nördliche Route entlang der iranischen Küste für sicher erklärt. Die südliche Passage sei vermint, davor habe man gewarnt. Die Nachrichtenagentur WANA nannte die Schiffsidentifikationsnummer 9325336 und berichtete, die Meerenge stehe unter „smart control" des IRGC.

Die Revolutionsgarden erklärten: „Die Straße von Hormus ist geschlossen und bleibt unter unserer Kontrolle.“
Marine-Führung der Revolutionsgarden (IRGC)

Der Satz beansprucht die Deutungshoheit über eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt: Nicht Washington oder internationales Seerecht entscheiden demnach, welche Schiffe passieren dürfen, sondern die Revolutionsgarden. Schon in früheren Wochen hatte die IRGC-Marine zwei auf Minen gelaufene Tanker in Hormus gemeldet und Reedereien gewarnt, sich nicht auf Angaben des US-Militärs zu verlassen.

CENTCOM: Die Minen-Darstellung ist falsch

CENTCOM wies die Erklärung noch am 14. September als Falschmeldung zurück: Die Behauptung, ein unter panamaischer Flagge fahrender Öltanker sei kürzlich in der Straße von Hormus auf eine Seemine gestoßen, sei unwahr. Der Kommandostab warf den Revolutionsgarden vor, mit der Darstellung Handelsschiffe in der Meerenge einzuschüchtern und Desinformation zu verbreiten.

Die USA und der Iran liefern sich seit Monaten einen Kampf um die Kontrolle der Meerenge. Teheran erklärte Ende Februar, die Straße von Hormus geschlossen zu haben; Washington verhängte nach eigenen Angaben eine Seeblockade gegen Schiffe von und nach Iran.

Wie es zum Minenstreit kam

  1. 28. Februar 2026
    Teheran schließt die Meerenge

    Nach US-israelischen Angriffen auf Iran schließt Teheran die Straße von Hormus; US-Streitkräfte verhängen eine Seeblockade gegen Schiffe von und nach Iran.

  2. 31. August 2026
    Erste Minenmeldung

    Die IRGC-Marine meldet, ein Supertanker sei nach dem Treffer zweier Seeminen im Süden der Meerenge in Brand geraten; das Schiff wird zunächst nicht identifiziert.

  3. 13. September 2026
    Angriff vor Oman

    Vor der Küste Omans wird „El Gaia" nach Angaben der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO und des indischen Außenministeriums von einem Projektil getroffen; 13 der 14 indischen Seeleute werden gerettet.

  4. 13. September 2026
    Gipfel in Salalah verschoben

    Omans Außenminister Badr al-Busaidi teilt mit, das für Montag geplante regionale Außenministertreffen zur Straße von Hormus werde verschoben.

  5. 14. September 2026
    Zwei unvereinbare Versionen

    Die Revolutionsgarden melden einen Minentreffer, CENTCOM widerspricht und spricht von einer Rakete im Vormonat und einem Drohnenangriff am Wochenende.

  6. 15. September 2026
    Ölpreis steigt, Verkehr bricht ein

    Brent notiert bei rund 107 Dollar; die Zahl der täglichen Durchfahrten in der Meerenge fällt auf eine einstellige Zahl.

13 Seeleute gerettet, einer vermisst

An Bord des unter panamaischer Flagge fahrenden Tankers waren nach Angaben des indischen Außenministeriums 14 indische Seeleute. 13 von ihnen wurden gerettet, ein Besatzungsmitglied wird weiter vermisst. Die indische Botschaft in Oman hatte bereits am Sonntag mitgeteilt, dass 13 Inder bei einem Einsatz in der Nacht zuvor gerettet worden seien.

Das Außenministerium in Neu Delhi verurteilte den Angriff auf das Handelsschiff „MT El Gaia" vor der Küste Omans. Angriffe auf Handelsschifffahrt, Seeleute und zivile Infrastruktur seien inakzeptabel, hieß es; Indien forderte eine sofortige Deeskalation und die schnellstmögliche Wiederherstellung freier und sicherer Schifffahrt. Die Botschaft in Oman stimme sich eng mit den dortigen Behörden ab.

Was die AIS-Daten über den Tanker zeigen

Gegen die US-Darstellung, das Schiff sei schon im August manövrierunfähig geschossen worden, sprechen nach Einschätzung von der Auswertung der AIS-Daten durch Gulf News: Sie zeigten „El Gaia" bis Anfang September 2026 mit Hafenanläufen in Ras Laffan und Sohar und normaler Fahrt.

Der Brand vor Oman am 13. September ist dagegen durch die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO und das indische Außenministerium als Angriff mit einem Projektil belegt. Unabhängig überprüfen lässt sich keine der beiden Versionen. Offen bleibt auch, wann der von Iran gemeldete Minentreffer stattgefunden haben soll und ob er mit dem Angriff vom 13. September identisch ist.

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Ölpreis steigt, Ministertreffen abgesagt

Die Folgen für die Energiemärkte sind bereits spürbar. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 3,62 Dollar auf 108,23 Dollar, WTI stieg um 3,15 Dollar auf 103,20 Dollar. Am Dienstag setzte Brent seine Gewinne fort und notierte bei rund 107 Dollar. Der europäische Gaspreis sprang um mehr als fünf Prozent auf 83,75 Euro je Megawattstunde – der höchste Stand seit Ende 2022.

Ölpreise nach den Angriffen in Nahost

Preis je Barrel am 14. und 15. September 2026

Quelle: SZ, CNBC, September 2026

Ein für Montag, den 14. September, geplantes Außenministertreffen der Golfstaaten zur Straße von Hormus wurde kurzfristig abgesagt. Omans Außenminister Badr al-Busaidi sagte, das Treffen in Salalah werde „im Interesse des Konsenses" verschoben. Der Iran nannte die Eskalation im Jemen als Grund, Saudi-Arabien habe um die Absage gebeten.

Der Schiffsverkehr in der Meerenge ist zuletzt auf eine einstellige Zahl täglicher Durchfahrten gefallen, der Zehn-Tages-Durchschnitt lag bei 14. Anfang September war die Hormus-Schifffahrt auf den niedrigsten Stand seit Mai gesunken. Für die USA und den Iran bleibt offen, wessen Version sich durchsetzt – solange die IRGC-Marine die Passage kontrolliert, entscheidet sie mit, welche Schiffe den Golf verlassen.