CDU und CSU stürzen in der neuen YouGov-Sonntagsfrage auf 18 Prozent – den tiefsten Wert, den das Institut je für die Union gemessen hat. Rund eine Woche nach dem CDU-Debakel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Stärkste Kraft bleibt die AfD mit 29 Prozent (+1 Punkt). Damit kommt sie fast an CDU, CSU und SPD zusammen heran, die gemeinsam 31 Prozent erreichen. Die Grünen legen auf 16 Prozent zu – ihr bestes YouGov-Ergebnis seit Mai 2023. Die SPD steigt auf 13 Prozent, die Linke fällt auf 10 Prozent, die FDP bleibt bei 5 Prozent, das BSW erreicht 4 Prozent, Sonstige 5 Prozent.
YouGov-Sonntagsfrage: Union fällt auf 18 Prozent
Werte in Prozent, Erhebung 11. bis 14. September 2026
Historisches Tief – aber nicht bei allen Instituten
Erhoben hat YouGov zwischen dem 11. und 14. September. Befragt wurden 2.161 Wahlberechtigte, 1.787 davon machten eine Angabe zur Wahlabsicht; die Fehlertoleranz liegt bei rund ±2,3 Prozentpunkten. Das Institut selbst ordnet das Ergebnis als historischen Tiefpunkt der Union ein.
Andere Institute messen die Union weiterhin deutlich stärker. Forschungsgruppe Wahlen und Allensbach kommen laut einem Vergleich der Unionswerte bei den anderen Instituten auf 22 beziehungsweise 22,5 Prozent, Forsa und Infratest dimap auf jeweils 21 Prozent. Die Insa-Erhebung für „Bild“ sieht CDU/CSU bei 19,5 Prozent – bei einer AfD von 29 Prozent, Grünen 14 und SPD 12,5 Prozent.
Auch die eigene Geschichte spricht gegen die 18 Prozent: Beim bislang schwächsten Unions-Ergebnis bei einer Bundestagswahl kamen CDU und CSU 2021 auf 24,1 Prozent der Zweitstimmen. Die Berliner Zeitung nennt eine Insa-Umfrage der Vorwoche mit 18,5 Prozent, den tiefsten Stand seit Jahren; der genaue Erhebungszeitraum bleibt unklar. Das Institut GMS sieht die Union bei 20 Prozent und die AfD erstmals 30 Prozent in neuer Umfrage.
Die Brandmauer verliert ihre Mehrheit
Deutlicher als bei den Parteiwerten verschiebt sich die Haltung zur sogenannten Brandmauer: 51 Prozent der Befragten sagen, andere Parteien sollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen – im August lag der Wert bei 44 Prozent. Einen kategorischen Ausschluss fordern nur noch 40 Prozent (August: 46), 9 Prozent sind unentschieden. Schon im Juli lag die AfD in einer Erhebung acht Punkte vor der Union.
Die Anhängerschaften sind tief gespalten. Bei SPD-Wählern wollen 71 Prozent eine Zusammenarbeit grundsätzlich ausschließen (22 Prozent nicht), bei den Grünen 76 Prozent (15), bei der Linken 73 Prozent (18). Unter CDU/CSU-Wählern gibt es dafür keine Mehrheit: 38 Prozent wollen ausschließen, 55 Prozent nicht. AfD-Wähler lehnen die Brandmauer fast geschlossen ab – 3 zu 94 Prozent.
Zugleich hält eine Mehrheit die AfD weiterhin für rechtsextrem: 59 Prozent äußern diese Einschätzung, 30 Prozent widersprechen, 11 Prozent sind unentschieden – kaum anders als im Mai 2025 (61 Prozent). Bei Anhängern der Grünen sagen es 97 Prozent, der SPD 89, der Linken 82; unter CDU/CSU-Wählern 69 Prozent, unter AfD-Wählern verneinen es 88 Prozent.
Kritik aus der eigenen Partei
Seit dem Wahldebakel läuft in der Union die Debatte über Merz‘ Eignung als Kanzler. In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ sagte die Junge-Union-Politikerin Clara von Nathusius, für die CDU seien mit diesem Bundeskanzler keine Wahlen mehr zu gewinnen; auf Nachfrage präzisierte sie, Merz solle nicht noch einmal antreten.
„Mit diesem Bundeskanzler sind keine Wahlen mehr zu gewinnen.“
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) räumte in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ ein, der Eindruck sei entstanden, der Kanzler und die Union hätten vielen Menschen nicht die notwendige Empathie entgegengebracht; das müsse sich ändern. CSU-Chef Markus Söder stellte sich in der „Bild am Sonntag“ hinter Merz: Einen Kanzlersturz werde es von der CSU auf keinen Fall geben, und Merz stehe zu den Reformen.
Vom Wahldebakel zum Umfrage-Tief
Auslöser der neuen Zahlen ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September. Die AfD wurde dort mit 43,8 Prozent stärkste Kraft – ihr bestes Landtagswahlergebnis überhaupt und mehr als eine Verdopplung gegenüber 2021. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze stürzte auf 17,2 Prozent, ihr schwächstes Ergebnis in dem Land.
Für eine eigene Mehrheit reichte es der AfD nicht: CDU, SPD, Grüne und Linke lehnten eine Zusammenarbeit ab, nur das BSW zeigte sich gesprächsbereit. Die FDP verpasste mit 2,6 Prozent den Wiedereinzug, das BSW kam mit 5,3 Prozent erstmals in den Landtag.
Von der Landtagswahl bis zum 20. September
- 6. September 2026AfD gewinnt Sachsen-Anhalt
Die AfD wird mit 43,8 Prozent stärkste Kraft, die CDU stürzt auf 17,2 Prozent, die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde, das BSW zieht erstmals ein.
- 11. bis 14. September 2026YouGov erhebt die neue Sonntagsfrage
2.161 Wahlberechtigte werden befragt, 1.787 machen eine Angabe zur Wahlabsicht.
- 13. September 2026Kritik aus der eigenen Partei
Clara von Nathusius sagt in der ARD, mit diesem Kanzler seien keine Wahlen mehr zu gewinnen; Karin Prien spricht von fehlender Empathie; Markus Söder schließt einen Kanzlersturz durch die CSU aus.
- 14. September 2026Merz äußert sich in Rovaniemi
Am Rande des EU-Arktis-Gipfels verweist der Kanzler auf die außenpolitische Bedeutung des Termins; Fraktionsvize Middelberg stärkt ihm im Deutschlandfunk den Rücken.
- 15. September 2026Union stürzt auf 18 Prozent
Die bundesweite Berichterstattung über die Umfrage beginnt: Union 18 Prozent, AfD 29 Prozent, 51 Prozent gegen einen grundsätzlichen Ausschluss der AfD.
- 20. September 2026Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
Der nächste Belastungstest für Merz und die Union.
Rückendeckung vom Polarkreis – und der Test am 20. September
Merz selbst äußerte sich am 14. September am Rande des EU-Arktis-Gipfels im finnischen Rovaniemi – dort verwies er auf die außen- und sicherheitspolitische Bedeutung des Termins.
„Ich verstehe die innenpolitische Debatte. Aber andererseits ist Deutschland so eng mit dem Schicksal des europäischen Kontinents verbunden, dass wir die Außen- und Sicherheitspolitik nicht von dem trennen können, was wir zu Hause diskutieren.“
Rückendeckung kam aus Fraktion und Kabinett. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Mathias Middelberg nannte die Kanzlerdebatte im Deutschlandfunk überflüssig, räumte aber ein, die Union müsse ihre Reformen zügiger umsetzen; eine Koalition mit der AfD reiche garantiert nicht.
Medien- und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagte im Zeit-Podcast „Alles gesagt?“, die CDU werde mit Friedrich Merz antreten, und nannte den Kanzler einen Marathonmann mit großer innerer Resilienz.
Am 20. September wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landtage. Ob die 18 Prozent von YouGov ein Ausrutscher bleiben oder ob nach diesem Termin personelle Konsequenzen in der Union diskutiert werden, entscheidet sich dort.
