Russische Drohne trifft Zug zwei Kilometer vor Polens Grenze
Bild: KI-generiert
Ukraine-Krieg

Russische Drohne trifft Zug zwei Kilometer vor Polens Grenze

Eine russische Drohne zerstört die Lokomotive eines Kiew – Warschau-Zuges wenige Kilometer vor der polnischen Grenze. Minuten zuvor war ein Sonderzug mit Boris Johnson, Carl Bildt und dem Merz-Berater Günter Sautter durch denselben Bahnhof gefahren; Kiew hält einen gezielten Anschlag auf die Delegation für möglich, Moskau bestreitet das.

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Eine russische Drohne hat am frühen Morgen des 13. September die Lokomotive eines Passagierzugs der Verbindung Kiew – Warschau getroffen. Der Einschlag am Bahnhof Yahodyn in der Oblast Wolhynien liegt nach übereinstimmenden Angaben ukrainischer und polnischer Behörden rund zwei Kilometer von der polnischen Staatsgrenze entfernt.

Verletzte oder Tote gab es nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn Ukrzaliznytsia nicht. Die 206 Fahrgäste hatten die Waggons zuvor verlassen und sich in angrenzenden Gehölzen, Gräben und nahe eines Sees in Sicherheit gebracht; das Bahnpersonal koppelte die Lokomotive rechtzeitig von den Wagen ab.

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Russlands barbarische Angriffe an der Ukraine-Polen-Grenze in Yahodyn sind nicht nur eine Fortsetzung seiner Angriffe auf unsere Staatsgrenzen. Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der NATO „klopft“. Russische Barbaren stehen an eurem Tor, liebe Partner. Handelt jetzt: werft das volle Gewicht eurer Sanktionen auf Putins aggressives Regime. Lasst Moskau die Konsequenzen seines Terrors spüren. Nicht nur Halbentscheidungen, sondern kompromisslose, kraftvolle Schritte. Vollständiges Handelsembargo. Vollständige Einreiseverbote. Vollständige Sanktionen gegen den militärisch-industriellen Komplex. Putin muss verstehen, dass seiner Barbarei mit entschlossenem Handeln begegnet wird, das die Kosten des Krieges für ihn auf ein unannehmbares Niveau erhöht. Nur so kann man ihn stoppen.

X · @andrii_sybiha

Die Delegation im Zug davor

Nur Minuten zuvor hatte ein Sonderzug denselben Bahnhof passiert. An Bord waren nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien der frühere britische Premierminister Boris Johnson, der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt und der britische nationale Sicherheitsberater Jonathan Powell.

Mitgereist waren auch Günter Sautter, außen- und sicherheitspolitischer Chefberater von Bundeskanzler Friedrich Merz, der diplomatische Berater der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Fabrizio Saggio, und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener. Die Gruppe kehrte von der Sicherheitskonferenz Yalta European Strategy in Kiew zurück.

Sautter hatte in Kiew gemeinsam mit den Sicherheitsberatern aus Großbritannien, Frankreich und Italien sowie mit der Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj über mögliche Friedensverhandlungen mit Russland beraten.

Der Angriff auf Yahodyn ereignete sich nach Darstellung der Warschauer-Sicherheitsforum-Vorsitzenden Katarzyna Pisarska etwa 30 Minuten nach dem Grenzübertritt des Sonderzugs. Pisarska saß nach eigenen Angaben im selben Wagen wie Johnson und Powell, wie sie dem BBC-Bericht über den Angriff auf den Zug sagte.

Johnson forderte nach seiner Ankunft in Polen die Übertragung eingefrorener russischer Zentralbankvermögen an die Ukraine – mehr als 140 Milliarden Euro auf einem belgischen Konto, rund zehn Milliarden Pfund in London – und verlangte umfassende Flugabwehrsysteme. Er verwies auf mehr als 1.700 Bahnbedienstete von Ukrzaliznytsia, die im Krieg getötet wurden.

Ich weiß nicht, welche verquere Logik Putin dazu getrieben hat, heute Morgen eine stehende ukrainische Lokomotive an der polnischen Grenze in die Luft zu jagen.
Boris Johnson, ehemaliger britischer Premierminister

Vorverlegt wegen ständiger Drohnengefahr

Der Fahrplan des Diplomatenzugs war nach Angaben von Ukrzaliznytsia wegen der ständigen Drohnengefahr kurzfristig vorverlegt worden. Die Passagiere wurden während der Durchfahrt angewiesen, sich auf eine mögliche Notfallevakuierung vorzubereiten; nach kurzer Lagebeurteilung wurde der Zug freigegeben und überquerte die Grenze nach Polen unbeschadet.

Für den nachfolgenden Passagierzug erging die Evakuierungswarnung rund 15 Minuten vor dem Einschlag. Nach Darstellung der Londoner Times traf der Angriff eine bereits abgekoppelte, stehende Lokomotive. Der Zug setzte seine Fahrt fort und erreichte Warschau mit rund sechs Stunden Verspätung.

Nahezu zeitgleich traf ein zweiter unbemannter Flugkörper eine Tankstelle am Grenzübergang Yahodyn-Dorohusk, rund 800 Meter vor der Grenze. Zwei Lastwagen gerieten in Brand, zwei Kraftfahrer wurden verletzt. Der Übergang wurde vorübergehend geschlossen, zwei polnische Grenzübergänge wurden geräumt – rund 280 beziehungsweise mehr als 300 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen.

Die Nacht und die Tage danach

  1. 11.–12. September 2026
    Sicherheitskonferenz in Kiew

    Unter dem Motto „Peace Through Strength NOW!“ beraten mehr als 700 Politiker, Diplomaten und Militärvertreter aus 28 Ländern über die Lage in der Ukraine.

  2. 12. September 2026
    Drohne trifft Zug in Luzk

    Rund 100 Kilometer von Yahodyn entfernt wird ein Zug am Bahnhof Luzk von einer russischen Drohne getroffen.

  3. 13. September, ca. 05:00 Uhr
    Sonderzug passiert Yahodyn

    Der Diplomatenzug fährt vor dem planmäßigen Zeitpunkt durch den Bahnhof und überquert die Grenze nach Polen.

  4. 13. September, ca. 05:00 – 05:15 Uhr
    Evakuierung des Passagierzugs

    Die 206 Fahrgäste verlassen die Waggons, das Personal koppelt die Lokomotive ab.

  5. 13. September, früher Morgen
    Einschlag in die Lokomotive

    Eine Jet-Drohne zerstört die Lokomotive; nahezu zeitgleich brennt eine Tankstelle am Grenzübergang Yahodyn-Dorohusk, zwei Fahrer werden verletzt.

  6. 13. September, Nachmittag
    Krisenstab in Warschau

    Polens Ministerpräsident Donald Tusk beruft ein Sicherheitstreffen ein, die polnische Luftwaffe steigt auf.

  7. 15. September 2026
    Warnung aus Moskau

    Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa warnt westliche Politiker und Diplomaten vor Reisen in die Ukraine.

Petraeus erlebt die Explosion aus nächster Nähe

Auf demselben Streckenabschnitt befand sich zeitgleich ein weiterer Zug mit dem früheren US-CIA-Direktor David Petraeus an Bord. Er wurde nach eigenen Angaben etwa 15 Minuten vor dem Einschlag evakuiert und erlebte die Explosion aus nächster Nähe. Sein Zug habe ausschließlich Zivilisten befördert, betonte er.

Für diejenigen, die noch nie unter Beschuss standen, war das furchterregend. Dies ist die Tat eines wahrhaft barbarischen Anführers, der versucht, ukrainische Zivilisten zu terrorisieren.
David Petraeus, ehemaliger CIA-Direktor

Petraeus wies mit dieser Schilderung die russische Begründung zurück, der Schlag habe der Eisenbahninfrastruktur gegolten. Der Vorfall fällt zeitlich mit einem Bericht zusammen, wonach russische Drohnen am 8. September in den moldauischen Luftraum eindrangen, während sich das Flugzeug von Präsident Selenskyj zum Abflug von Chișinău bereithielt.

War der Diplomatenzug das Ziel?

Ukrzaliznytsia erklärte auf Telegram, es sei „durchaus denkbar“, dass das Ziel der russischen Drohne auch der Diplomatenzug gewesen sein könnte, der wegen der Fahrplananpassungen früher als vorgesehen abgefahren war.

Die Denkfabrik ISW in Washington wertete die Berichterstattung in ihrer Einschätzung zum Drohnenschlag als starken Beleg dafür, dass der Kreml einen Präzisionsdrohnenschlag ausführte, um amtierende und frühere europäische Regierungsvertreter beim Verlassen der Ukraine zu verletzen oder zu töten.

Sicherheitsanalysten unterscheiden drei Lesarten: einen gezielten Anschlag auf die Delegation, einen Infrastrukturschlag mit billigend in Kauf genommenen Opfern unter westlichen Delegierten oder ein Identifikationsversagen der russischen Aufklärung, die die Vorverlegung des Sonderzugs nicht registrierte.

Das russische Verteidigungsministerium bestritt jede Tötungsabsicht gegen westliche Diplomaten und erklärte, die Streitkräfte hätten Schläge gegen „Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine“ geführt, die dem Umschlag militärischer Frachten aus europäischen Staaten diene. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, die Einsätze würden auf dem gesamten ukrainischen Territorium fortgesetzt.

Der Angriff war Teil eines massiven nächtlichen Beschusses: Die ukrainische Luftwaffe gab an, 405 Drohnen und vier Raketen abgefangen zu haben. Bereits in der Nacht zum 27. August hatte Russland die Ukraine mit Raketen und Drohnen überzogen – drei Tote und ein zerstörtes Kraftwerk in Cherson waren die Folge. Seit August 2026 wurden zudem vier ukrainisch-moldauische Grenzübergänge getroffen.

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Polen alarmiert, Kiew fordert mehr Flugabwehr

Polens Ministerpräsident Donald Tusk, der erst am 10. September eine abgewendete Bedrohung an der Grenze zur Ukraine gemeldet hatte, berief für den Nachmittag einen Krisenstab in Warschau ein.

Die polnische Luftwaffe stieg auf, in mehreren grenznahen Landkreisen wurden Warnmeldungen verschickt. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte, die Angriffe nahe des NATO-Gebiets zeugten von der „Verzweiflung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und auch von seinem Bestreben, Angst und Schrecken zu verbreiten“.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, man solle „das Gegenteil“ zeigen und deutlich machen, dass man nicht eingeschüchtert sei. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, Putin täusche immer wieder Gesprächs- und Friedensbereitschaft vor, um wenig später erneut zu eskalieren: „Das ist gefährlich, was Wladimir Putin da macht“. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha richtete den Appell direkt an die Partner:

Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato klopft. Russische Barbaren stehen vor euren Toren, liebe Partner.
Andrii Sybiha, ukrainischer Außenminister

Die Ukraine fordert mehr Flugabwehr und die Freigabe eingefrorener russischer Vermögen; zudem bittet sie um Breitspur-Lokomotiven, weil seit Kriegsbeginn mehr als 500 Lokomotiven beschädigt oder zerstört wurden. Russlands Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa warnte westliche Politiker und Diplomaten am 15. September vor Reisen in die Ukraine. Ob westliche Regierungen ihre Spitzenvertreter weiter mit der Bahn durch die Westukraine reisen lassen, wird damit zur offenen Frage.