Bierpreis auf dem Oktoberfest steigt langsamer als die Inflation
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Wiesn-Preise

Bierpreis auf dem Oktoberfest steigt langsamer als die Inflation

Die Maß Bier kostet 2026 im Schnitt 15,61 Euro – erstmals steigt der Wiesn-Preis langsamer als die allgemeine Teuerung. Seit 1985 hat sich der Preis aber verfünffacht, und um die geforderte Nullrunde streiten Oberbürgermeister Krause und die Wirte.

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15,61 Euro kostet die Maß Bier auf dem Oktoberfest 2026 im Schnitt. Das sind 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr, als der Durchschnitt bei 15,25 Euro lag – und damit steigt der Wiesn-Bierpreis in diesem Jahr langsamer als die allgemeine Teuerung von voraussichtlich rund drei Prozent.

Den Langfristvergleich dazu liefert Andreas Rees, Chefökonom der UniCredit in Deutschland. Sein Befund: Seit 1985 ist die Maß auf das Fünffache gestiegen, ein Plus von rund 400 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum nur um 120 Prozent zu, wie der Anstieg der Wiesn-Bierpreise um 400 Prozent zeigt.

Bierpreis auf dem Oktoberfest 1985 bis 2026

Durchschnittspreis je Maß in Euro

Quelle: UniCredit-Auswertung, Statistisches Amt München

Ein Fünftel des Preises von 1985

1985 kostete die Maß umgerechnet im Schnitt 3,20 Euro, rund 6,26 DM. Das ist ein Fünftel des heutigen Preises, die Teuerung über 41 Jahre summiert sich auf 400 Prozent. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen seit 1985 nur um 120 Prozent. An anderer Stelle wird weiter kräftig aufgeschlagen: Das Deutschlandticket soll ab 2027 teurer werden.

Für Rees ist die moderate Anhebung von diesmal 2,38 Prozent ein Signal. Der Ökonom fragt, ob auch das Oktoberfest die Nachfragekurve entdeckt hat – die volkswirtschaftliche Grundregel, dass hohe Preise mit niedrigerer Nachfrage einhergehen. Die Wiesnflation habe möglicherweise ihren Höhepunkt überschritten, schreibt er, und formuliert zugespitzt:

Würden wir die nächste Maß darauf wetten? Wahrscheinlich nicht.
Andreas Rees, Chefökonom der UniCredit in Deutschland

Krause fordert Nullrunde – die Wirte rechnen anders

Der Bierpreis auf der Wiesn ist seit Jahren ein Politikum. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hatte sich bereits vor dem Fest für eine „Bierpreisbremse“ ausgesprochen – gemeint war kein Vorschreiben, sondern ein Appell an die Wirte. Hintergrund ist die zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent, die nur für Speisen gilt.

Erste Münchner Betriebe wie der Haxnbauer und das Tegernseer Tal Bräuhaus gaben die Senkung teilweise weiter und senkten den Bierpreis um 1,20 Euro, die Halbe von 5,70 auf 4,50 Euro. Krause forderte daraufhin eine Nullrunde beim Wiesn-Bier, die Wirte könnten sich „durchaus eine Scheibe abschneiden“ – „auch so wird kein Wiesnwirt verarmen“.

Wiesnwirte-Sprecher Christian Schottenhamel reagierte skeptisch: Die Brauereien verlangten bereits bis zu fünf Prozent mehr im Einkauf, die Preise für Fleisch schnellten um 15 Prozent in die Höhe, und der Mindestlohn steige. Sein Fazit: „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er den Bierpreis halten kann.“

Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) verwies auf Pacht, Energiepreise, Lebensmittel und den Bierpreis der Brauereien. Er appellierte an „Augenmaß und Nachvollziehbarkeit bei der Preisgestaltung – nicht nur beim Bier, sondern auch bei Speisen und anderen Getränken“, damit die Wiesn ihren Volksfestcharakter behält.

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Zwischen 14,80 und 15,90 Euro pro Maß

Die Preisspanne reicht 2026 von 14,80 Euro bis 15,90 Euro, die Marke von 16 Euro pro Liter Festbier wird also nicht überschritten. In den großen Festhallen ist die günstigste Maß in der Augustiner Festhalle zu haben (14,90 Euro). Die teuersten Maß-Preise verlangen mehrere Zelte, etwa die Bräurosl und das Löwenbräu-Festzelt mit jeweils 15,90 Euro; auch das Armbrustschützenzelt zählt zu den teuersten.

Bei den Mittelbetrieben gibt es die günstigste Maß beim „Familienplatz“ (14,80 Euro), die teuersten bei Glöckle-Wirt und Poschner mit je 15,90 Euro. Am billigsten trinkt man im Museumszelt auf der Oidn Wiesn (14,80 Euro), dort wird allerdings Spaten ausgeschenkt. Datenquelle der Wiesn-Bierpreise ist das Statistische Amt der Landeshauptstadt München.

Auch die alkoholfreien Getränke wurden teurer: Ein Liter Tafelwasser kostet im Schnitt 11,13 Euro (2025: 10,95 Euro), ein Liter Spezi 12,84 Euro (2025: 12,48 Euro), ein Liter Limonade 12,35 Euro (2025: 12,11 Euro). Beim Wasser ist die Spanne groß – das günstigste kostet 8 Euro, der teuerste Liter 15,33 Euro und damit mehr als das Bier in den günstigsten Zelten.

In Münchner Großgastronomien kosteten Tafel- und Mineralwasser 8,50 bis 9 Euro pro Liter (Stand Mai 2026). Die Differenz zum Wiesn-Durchschnitt von 11,13 Euro hält die Oktoberfest-Pressestelle der Stadt für angemessen. Wie die Preise auf dem Oktoberfest zustande kommen, erklärt sie mit dem Vergleich zu Münchner Großbetrieben und dem kostenlosen Rahmenprogramm.

Eine Sprecherin des Kuffler-Weinzelts, wo das Wasser hochgerechnet am meisten kostet, argumentiert, der Preis lasse sich nicht eins zu eins mit anderen Zelten vergleichen: Dort werde das Wasser flaschenweise verkauft, andere Zelte böten teils vor Ort gesprudeltes Leitungswasser an. Zehn kostenlose Trinkwasserbrunnen sind auf dem Lageplan eingezeichnet.

Anstich am 19. September: Krauses Premiere

Das 191. Oktoberfest läuft vom 19. September bis 4. Oktober 2026 auf der Theresienwiese, mehr als 6,5 Millionen Besucher werden erwartet. Der Anstich im Schottenhamel-Festzelt ist für 12 Uhr vorgesehen, der Bayerische Rundfunk überträgt ab 11.15 Uhr im BR Fernsehen, in der ARD und im Livestream der ARD Mediathek.

Von der Steuersenkung zum Fassanstich

  1. 1. Januar 2026
    Mehrwertsteuer in der Gastronomie sinkt auf 7 Prozent

    Die Senkung von 19 auf 7 Prozent gilt nur für Speisen, für Getränke wie Bier bleibt der reguläre Satz.

  2. Mai 2026
    Krause wird Münchner Oberbürgermeister

    Der Grüne tritt die Nachfolge von Dieter Reiter (SPD) an.

  3. 10. September 2026
    Stadt meldet Durchschnittspreis von 15,61 Euro

    Ein Liter Tafelwasser kostet im Schnitt 11,13 Euro.

  4. 16. September 2026
    Rees legt den Langfristvergleich vor

    400 Prozent Preisplus beim Bier seit 1985, 120 Prozent bei den Verbraucherpreisen.

  5. 19. September 2026
    Krause zapft das erste Fass an

    Um 12 Uhr eröffnet er im Schottenhamel-Festzelt das 191. Oktoberfest.

Traditionell reicht der Oberbürgermeister die erste Maß dem bayerischen Ministerpräsidenten – Krause wird sie also Markus Söder übergeben. Für Krause ist es eine Premiere: Er hatte im Mai die Nachfolge von Dieter Reiter (SPD) angetreten und sich mit mehreren Trainingseinheiten am Bierfass auf den Auftritt vorbereitet.

Eine besondere Note erhält der Auftritt durch eine frühere Äußerung Krauses, der das Oktoberfest 2023 als Zweiter Bürgermeister als „weltweit größte offene Drogenszene“ bezeichnet hatte und dafür scharfe Kritik der Wiesn-Wirte geerntet hatte. Am Samstag um 12 Uhr zapft er das erste Fass – an den Preisen, die die Wirte festgelegt haben, ändert sein Appell nichts mehr.