Deutsche Gasspeicher sind so leer wie nie zu dieser Jahreszeit
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Wintervorsorge

Deutsche Gasspeicher sind so leer wie nie zu dieser Jahreszeit

Die deutschen Gasspeicher sind so leer wie nie zu diesem Zeitpunkt eines Jahres. Bundeswirtschaftsministerin Reiche will Händlern Geld für vorgehaltenes Gas zahlen – einen staatlichen Gaseinkauf wie 2022 aber soll es nicht geben.

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In Deutschlands Gasspeichern steckt so wenig Gas wie nie zu diesem Zeitpunkt eines Jahres seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Anfang September waren sie nach Angaben des Speicherverbands Initiative Energien Speichern (INES) nur zu rund 53 Prozent gefüllt – ein Jahr zuvor lag der Wert bei rund 71 Prozent. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will nachsteuern.

Für den Gastag 14. September 2026 meldete die Bundesnetzagentur einen Füllstand von 55,92 Prozent – 19,48 Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt 2025. Schon Anfang August waren Deutschlands Gasspeicher nur zu 48 Prozent gefüllt. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Speicher zum 1. November zu 80 Prozent befüllt sind; für einzelne Speicher gelten abweichend 45 Prozent, woraus sich rechnerisch ein Gesamtziel von rund 70 bis 71 Prozent ergibt.

Ursache ist die Preisentwicklung: Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer günstig Erdgas ein, speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn. Infolge des Iran-Kriegs und der Spannungen an der Straße von Hormus sind die Preise am Weltmarkt jedoch so hoch, dass sich Import und Einspeicherung kaum noch rechnen. Das Einlagern selbst kostet zusätzlich Geld – viele Händler verkaufen ihre Bestände deshalb sofort, statt sie für den Winter vorzuhalten.

Füllstand der deutschen Gasspeicher

Angaben in Prozent des Speichervermögens

Quelle: Bundesnetzagentur, INES

Wie der Bund Händler zum Einlagern bewegen will

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll eine für den Herbst 2026 geplante Ausschreibung sogenannter Long Term Options (LTO) um eine noch nicht festgelegte Gasmenge aufgestockt werden. Zuerst berichtet hatte der Politico-Newsletter „Energie & Klima“; dpa, Reuters und die Tagesschau verbreiteten die Information am 16. September 2026.

Das Instrument wirkt indirekt: Über die ausgeschriebenen Optionen reserviert der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) Gaslieferungen bei Händlern und zahlt ihnen dafür eine Gebühr, wie die Tagesschau über die Speicher-Anreize berichtet. Die Händler müssen die zugesagte Menge in ihren Speichern vorhalten.

Den Leistungspreis erhalten sie unabhängig davon, ob das Gas tatsächlich abgerufen wird; kommt es zum Abruf, gibt es eine zusätzliche Vergütung, und die Händler müssen zu einem festen Arbeitspreis liefern. Reiche hatte im Bundestag gewarnt, der Staat dürfe nicht selbst die Preise nach oben treiben:

Aber der Staat darf nicht selbst zum Preistreiber werden. Sonst sind hohe Energiepreise das Ergebnis und unsere Wirtschaft wird noch mehr belastet.
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin

Kein staatlicher Gaseinkauf wie in der Krise 2022

In Regierungskreisen heißt es, die Ministerin setze weiter auf „marktgetriebene Maßnahmen“ statt auf staatliche Eingriffe. Einen direkten Gaseinkauf des Bundes wie in der Energiekrise 2022 plant sie nicht – damals war er über die inzwischen abgeschaffte Gasspeicherumlage für Gaskunden finanziert worden.

So neu ist das Werkzeug nicht: Trading Hub Europe nutzt Long Term Options seit einer Anpassung im Jahr 2015 regelmäßig, zuletzt kontrahierte THE im Oktober 2025 Optionen für die Wintermonate. Anfang Februar 2026 reagierte das Unternehmen mit Sonderausschreibungen von Trading Hub Europe für die Variante „Rest of the Day“, nachdem der Füllstand Ende Januar auf 34,55 Prozent gefallen war. Damals galt das ausdrücklich als präventive Maßnahme, nicht als Eingriff nach dem Speichergesetz.

Sefe und Uniper sollen nachlegen

Parallel zu den Marktanreizen sollen die beiden bundeseigenen Konzerne ihre Einspeichermöglichkeiten ausschöpfen. Nach einem zuerst vom „Spiegel“ veröffentlichten Bericht haben der Gasimporteur Sefe und der Energiekonzern Uniper der Bundesregierung nach Angaben von Insidern informell zugesichert, alle Möglichkeiten zu nutzen, damit bis zum Beginn der Heizperiode noch so viel Erdgas wie möglich in die Speicher gelangt. Eine formelle Anweisung zum Gaseinkauf gibt es nicht – anders als bei einer Gasmangellage.

Sefe befindet sich vollständig in Bundesbesitz, Uniper zu 99 Prozent. Sefe betreibt in Rehden in Niedersachsen den größten deutschen Erdgasspeicher, der deutlich schlechter gefüllt ist als die von Uniper betriebenen Anlagen. Die Kosten der Maßnahmen sollen nach dpa-Informationen vom Markt getragen werden, nicht von Steuerzahlern oder Gaskunden über eine Umlage – anders als bei der Umlage für die geplante Gasreserve.

Von 75 Prozent im Herbst 2025 auf 53 Prozent im September 2026

  1. 1. November 2025
    Speicher zu 75 Prozent gefüllt

    Deutschland startet mit vergleichsweise gut gefüllten Speichern in den Winter.

  2. 2. Februar 2026
    THE schreibt Sonderoptionen aus

    Nachdem der Füllstand Ende Januar auf 34,55 Prozent gefallen war, kontrahiert Trading Hub Europe zusätzliche Long Term Options der Variante „Rest of the Day“.

  3. 1. September 2026
    Nur noch rund 53 Prozent

    Laut INES der tiefste Stand zu diesem Zeitpunkt seit 15 Jahren; ein Jahr zuvor lag der Wert bei rund 71 Prozent.

  4. 15. September 2026
    Sefe und Uniper sagen Einspeisung zu

    Der „Spiegel“ berichtet über die informelle Zusage; dpa meldet, die Kosten trage der Markt.

  5. 16. September 2026
    Reiche stockt die Ausschreibung auf

    Reuters und die Tagesschau melden die geplante Erhöhung der LTO-Ausschreibung; ein staatlicher Gaseinkauf bleibt ausgeschlossen.

  6. 21. September 2026
    Ministerium will entscheiden

    Einen Tag nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern soll feststehen, ob die Ausschreibungen erhöht werden.

Kritik an Reiche: „späte Krücke“

Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner hält höhere Ausschreibungen für eine „späte Krücke“. Es sei „mehr als schleierhaft“, ob das Instrument überhaupt funktioniere und dafür sorge, dass auch bei einem kalten Winter ausreichend Gas in den Speichern liege. Der Nachrichtenüberblick von upday spricht von einem Kurswechsel Reiches, die staatliche Eingriffe zuvor abgelehnt hatte.

Streit gibt es auch um den Kurs gegenüber den Staatskonzernen. Das Bundesfinanzministerium sieht staatliche Vorgaben für Uniper skeptisch, weil sie die geplante Privatisierung erschweren könnten; die EU-Kommission verlangt den Verkauf von Uniper und Sefe bis Ende 2028. Das Wirtschaftsministerium hält mögliche finanzielle Belastungen für Sefe dagegen für überschaubar.

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Netzagentur: 80 Prozent sind nicht mehr zu schaffen

Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller hält die Versorgungslage dennoch für stabil, rechnet aber nicht mehr mit dem gesetzlichen Ziel. Ein Füllstand von 80 Prozent bis zum 1. November sei „nicht mehr zu schaffen“, sagte er am 16. September dem Sender Phoenix. Die Speicher könnten und sollten weiter gefüllt werden; September und Oktober müssten die Händler nutzen.

Wir haben mit vier Flüssiggasterminals eigene Kapazitäten geschaffen. Wir können aus Norwegen, aus Belgien, Holland, Frankreich Gas beziehen.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur

Der Speicherverband INES hatte schon in der Vorwoche vor Engpässen gewarnt, sollte der Winter sehr kalt werden. Technisch sei bis zum 1. November noch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreichbar – garantiert sei das aber nicht. Entscheidend ist, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich nutzen; bei extrem kalten Temperaturen könnten nach den Modellrechnungen bereits im Januar Versorgungslücken auftreten.

Entschieden werden soll bis zum 21. September 2026 – einen Tag nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bis dahin will Reiches Ministerium klären, ob die LTO-Ausschreibungen genutzt und erhöht werden können. Ob und um welche Menge sie aufgestockt werden, ist öffentlich bislang nicht bestätigt.