Reinhold Messner feiert seinen 82. Geburtstag in Pakistan
Der Extrembergsteiger wird 82 – und feiert nicht in Südtirol, sondern im Karakorum mit alten Weggefährten. Zu seinen vier Kindern hat Reinhold Messner seit Jahren keinen Kontakt mehr.
Reinhold Messner (82) feiert an diesem 17. September seinen 82. Geburtstag – nicht in Südtirol, sondern in Pakistan. An seiner Seite sind seine Frau Diane Schumacher, alte Expeditionsgefährten und Freunde. Seine vier Kinder sind es nicht: Der Kontakt gilt seit Jahren als abgerissen.
In einer Geburtstagsbotschaft schreibt Messner, er feiere in diesem Jahr weit weg von zu Hause. Den Tag verbringe er mit dem pakistanischen Bergsteiger Nazir Sabir, der mit ihm „einige große Abenteuer in diesen Bergen“ geteilt habe, sowie mit Freunden wie Liver Khan, den er seit mehr als 25 Jahren kenne.
Instagram · @reinholdmessner_official
„Ja, heute ist mein Geburtstag. In diesem Jahr feiere ich weit weg von zu Hause, hier in Pakistan, zusammen mit alten Expeditionsgefährten wie Nazir Sabir, der einige meiner großen Abenteuer in diesen Bergen mit mir geteilt hat – aber auch mit Freunden wie Liver Khan, den ich seit mehr als 25 Jahren kenne.“
Reinhold Messner auf Instagram, 17. September 2026
Rückkehr an den Schicksalsberg
Wenige Tage vor dem Geburtstag war Messner, damals noch 81 Jahre alt, in die Region am Nanga Parbat zurückgekehrt. Dort kletterte er auf einen Felssims, von dem aus er 1970 zusammen mit seinem Bruder Günther erstmals den 8.125 Meter hohen Nanga Parbat gesehen hatte, wie der Bericht über seine Rückkehr ins Nanga-Parbat-Gebiet festhält.
Messner nahm die Kletterei mit Augenzwinkern: Er sei nicht mehr „ganz wie eine Bergziege“ hochgekommen, es habe aber gereicht. Begleitet wird die Reise von Diane; er wolle neue Landschaften und Orte in Pakistan entdecken.
Der Nanga Parbat ist sein Schicksalsberg. 1970 durchstiegen die Brüder die Rupalwand, die höchste Wandflucht der Erde, und erreichten den Gipfel. Beim Abstieg über die Diamirflanke verlor Reinhold seinen Bruder: Günther Messner kam ums Leben. Erst 2005 wurden am Hang sterbliche Überreste gefunden und per DNA-Analyse als Günther Messner identifiziert. Reinhold Messner verlor durch Erfrierungen mehrere Zehen.
Erster Mensch auf allen 14 Achttausendern
Acht Jahre nach der Tragödie, 1978, gelang Messner am Nanga Parbat der erste vollständige Alleingang eines Achttausenders. Im selben Jahr stand er mit dem Tiroler Peter Habeler als erster Mensch ohne Flaschensauerstoff auf dem Mount Everest; 1980 folgte dort die Solobesteigung.
1984 überschritt er mit Hans Kammerlander Gasherbrum I und II in einer Tour, 1986 hatte er als erster Mensch alle vierzehn Achttausender bestiegen – durchweg ohne Flaschensauerstoff. Als einer der Ersten übertrug er den Alpinstil mit kleinen Seilschaften und ohne Fixseile in den Himalaya.
Später kamen die Seven Summits in Messners eigener Version, die Antarktis-Durchquerung 1989/90 mit Arved Fuchs, Grönland 1993 und die Wüste Gobi 2004 hinzu. Von 1999 bis 2004 saß er für die italienischen Grünen im Europäischen Parlament, 2006 gründete er die Messner Mountain Museen. 2023 strich das Guinness-Buch der Rekorde seinen Eintrag, weil neue geodätische Berechnungen Zweifel weckten, ob er am Annapurna den höchsten Punkt erreicht hatte.
Stationen eines Bergsteigerlebens
17. September 1944
Geburt in Brixen
Reinhold Andreas Messner wird in Brixen in Südtirol geboren; er wächst mit acht Geschwistern in Villnöß auf.
27. Juni 1970
Nanga Parbat mit Bruder Günther
Die Brüder erreichen den Gipfel über die Rupalwand. Beim Abstieg über die Diamirflanke kommt Günther Messner ums Leben.
8. Mai 1978
Everest ohne Flaschensauerstoff
Mit Peter Habeler steht Messner als erster Mensch ohne zusätzlichen Sauerstoff auf dem Mount Everest.
16. Oktober 1986
Alle vierzehn Achttausender
Mit der Besteigung des Lhotse vollendet Messner als erster Mensch alle vierzehn Achttausender.
28. Mai 2021
Hochzeit mit Diane Schumacher
Messner heiratet seine dritte Ehefrau. Kurz danach bricht der Kontakt zu seinen vier Kindern ab.
28. Juni 2025
Neues Haus in Sexten
Am Berg Helm bei Sexten wird das Reinhold-Messner-Haus eröffnet, nachdem Messner Schloss Juval verlassen hat.
17. September 2026
82. Geburtstag in Pakistan
Messner feiert in der Bergwelt des Karakorum mit Ehefrau Diane, Nazir Sabir und Liver Khan.
Zerwürfnis mit den vier Kindern
Überschattet wird das Jubiläum vom Bruch mit seinen Kindern Layla, Magdalena, Simon und Anna Juditha. Messner hatte sein Vermögen – Schätzungen zufolge rund 30 Millionen Euro – 2019 zu Lebzeiten an die Kinder übertragen, um Streit zu vermeiden. Der Effekt war der gegenteilige: Die Familie sei in dem Moment zerbrochen, als er das Erbe verteilt habe, sagte er später. Er fühle sich „entsorgt“.
Sohn Simon Messner, Alpinist und Bergfilmer, widerspricht: „Es stimmt nicht, dass wir ihn entsorgt haben. Er hat sich uns entzogen.“ Seit der Heirat mit Diane 2021 sei der Kontakt vollständig abgerissen, sagte Simon. Im Juli 2026 erklärte er zum Kinostart seines Films „Aus dem Schatten“, jede Kontaktaufnahme scheitere an einem Anwaltsschreiben des Vaters. Zu Simon Messners Schilderung des Kontaktabbruchs gehört auch die Frage, wie Kauf von Schloss Juval zusammenhängt.
Reinhold Messner nennt Diane die einzige Person, die sein „geistiges Erbe in die Zukunft tragen“ könne. In seiner Geburtstagsbotschaft dankte er allen, die ihn begleiten – und speziell Diane, die mit ihm „auf diesem letzten Stück des Lebenswegs“ gehe.
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Neues Base Camp in Sexten
2025 beendete Messner nach fast 40 Jahren das Juval-Kapitel: Er und Diane verließen Schloss Juval im Vinschgau, das zugleich als Messner Mountain Museum diente, und zogen ins Pustertal nach Sexten. Am Berg Helm wurde am 28. Juni 2025 das Reinhold-Messner-Haus eröffnet. „Sexten wird unser neues Base Camp“, erklärte er. In Sulden züchtet er weiter Yaks und betreibt das Restaurant „Yak und Yeti“.
Seinen Geburtstag deutet Messner nicht als Ruhepunkt. Er beschreibt sich selbst als „alternden Bergsteiger“, der neugierig bleibt und Träume sowie Hunger auf Abenteuer behält. Vor allem wolle er teilen: Wissen, Erfahrungen, Fehler und Geschichten – „nicht um zu belehren, sondern um zu erzählen, zu ermutigen und vielleicht zu inspirieren“.
„Von jetzt an will ich jeden Geburtstag feiern. Nicht weil Geburtstage an sich so wichtig wären, sondern weil ich weiß, dass die Zeit kostbarer wird, je weniger davon bleibt.“
Reinhold Messner auf Instagram, 17. September 2026
Ab dem 12. Oktober 2026 tourt Messner wieder mit Live-Multivisionsvorträgen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, erster Termin ist Füssen. Im Programm stehen unter anderem „Nanga Parbat – mein Schicksalsberg“, „Weltberge – Die 4. Dimension“ und „Über Leben“, wie die Ankündigung seiner Live-Tournee zeigt.
Ob Messner auf dieser Tournee auch über den Bruch mit seinen Kindern sprechen wird, ist offen. Die erste Gelegenheit dazu wäre der 12. Oktober in Füssen – die erste Bühne nach seinem 82. Geburtstag.