MDRfragt: 89 Prozent fordern Eingreifen bei Spritpreisen
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Tankpreise

MDRfragt: 89 Prozent fordern Eingreifen bei Spritpreisen

Die MDRfragt-Befragung aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt: 89 Prozent wollen, dass der Staat bei stark steigenden Spritpreisen eingreift, 81 Prozent fühlen sich belastet. Am Tag der Veröffentlichung einigen sich Bund und Länder auf ein Entlastungspaket von rund 2,5 Milliarden Euro.

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89 Prozent der Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fordern, dass der Staat eingreift, wenn die Spritpreise in kurzer Zeit stark steigen. 81 Prozent der Befragten sagen, die Preise an der Zapfsäule belasten sie persönlich – unter denen, die regelmäßig Auto oder Motorrad fahren, sind es 88 Prozent.

Das sind die Kernbefunde der MDRfragt-Befragung „Spritpreise – Schmerzgrenze erreicht?“, die vom 11. bis 14. September lief. 30.033 Menschen beteiligten sich, 15.018 aus Sachsen, 7.680 aus Sachsen-Anhalt und 7.335 aus Thüringen. Die Ergebnisse sind laut MDR nicht repräsentativ, aber gewichtet und wissenschaftlich begleitet. Am 18. September veröffentlichte der MDR die Ergebnisse der MDRfragt-Befragung zu Spritpreisen.

Zustimmung zu staatlichen Eingriffen in den Spritmarkt

Anteil der MDRfragt-Teilnehmenden in Prozent

Quelle: MDRfragt, 11.–14. September 2026 (30.033 Teilnehmende)

Wer regelmäßig fährt, spürt die Preise

Die Belastung hängt stark davon ab, ob jemand selbst fährt: Bei Menschen, die regelmäßig Auto oder Motorrad fahren, geben 88 Prozent an, die Preise belasten sie persönlich; bei denen, die nicht regelmäßig selbst fahren, sind es 41 Prozent. Viele Befragte überlegen genau, welche Fahrten wirklich nötig sind – Arbeitsweg, Arztbesuch, Einkauf, Besuch bei Freunden oder Enkeln.

Vor allem in ländlichen Regionen sehen viele keine Alternative zum Auto. Einige sparen bei Freizeitaktivitäten und Urlauben, andere tanken regelmäßig in Polen oder Tschechien. Manche Teilnehmer nutzen dagegen überwiegend Fahrrad, Bus und Bahn oder ein E-Auto. In mehreren hundert Kommentaren wird die Senkung oder Abschaffung der CO₂-Steuer gefordert. Wie tief die Einschnitte reichen, zeigt eine 50-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Wittenberg:

Die derzeitigen Diesel- und Benzinpreise belasten uns so stark, dass wir sogar Vereine gekündigt und das Kindertraining aufgegeben haben, damit wir das irgendwie abfedern können. Ich habe auch meine ehrenamtliche Tätigkeit deshalb eingestellt, weil sich das überhaupt nicht mehr rechnet.
Anja, Teilnehmerin der MDRfragt-Befragung aus dem Landkreis Wittenberg

Erst Zögern, dann das 2,5-Milliarden-Paket

Die Befragung traf auf eine Bundesregierung, die lange gegen staatliche Eingriffe argumentiert hatte. Am 15. September forderte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Armand Zorn eine Preis-Obergrenze und warf den Mineralölkonzernen „Gier“ vor. Auch die Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Manuela Schwesig (beide SPD) sowie Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) verlangten Entlastungen. Der CDU-nahe Wirtschaftsrat lehnte Tankrabatte und Preisdeckel dagegen ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte am 15./16. September „sehr bald“ Entlastungen an. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) brachte eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent ins Spiel, dazu Direktzahlungen an Geringverdiener. Der erste von Mai bis Juni 2026 verringerte die Steuerlast rechnerisch um rund 17 Cent je Liter; das Auslaufen des Tankrabatts zum 30. Juni fiel zeitlich mit einem erneuten Anstieg der Preise zusammen; welchen Anteil daran das Ende des Rabatts hatte, lässt sich nicht isoliert feststellen.

Am 18. September – dem Tag der Veröffentlichung – einigten sich Bund und Länder auf ein Entlastungspaket von rund 2,5 Milliarden Euro. Die Energiesteuer sinkt um 14 Cent je Liter, mit dem Umsatzsteuer-Effekt um 17 Cent, die Umsetzung soll bis zum 1. Oktober kommen. Dazu kommt ein nicht dauerhafter, krisenbedingter Spritpreisdeckel nach Vorbild Luxemburgs oder Belgiens, spätestens zum 1. Januar 2027.

Verbraucherschützerin Ramona Pop vom vzbv kritisierte die „Gießkanne“, SoVD-Chefin Michaela Engelmeier nannte den Tankrabatt unzielgenau. Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch sagte: „Der Tankrabatt ist zurück. Was für ein Wahnsinn. Das Geld muss im Geldbeutel der Menschen ankommen, nicht in den Taschen der Ölkonzerne.“

Von der 12-Uhr-Regel bis zum Krisenpaket

  1. April 2026
    12-Uhr-Regel tritt in Kraft

    Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen; zuvor änderten sie sie bis zu zwanzig Mal am Tag.

  2. Mai bis Juni 2026
    Erster Tankrabatt

    Der Bund senkt die Energiesteuer, Autofahrer werden an der Zapfsäule um faktisch rund 17 Cent je Liter entlastet. Der Bund rechnet mit rund 1,6 Milliarden Euro Mindereinnahmen.

  3. 11.–14. September 2026
    MDRfragt-Befragung läuft

    30.033 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nehmen teil.

  4. 14. September 2026
    Neues Allzeithoch beim Benzin

    Super E10 kostet im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,286 Euro, Diesel 2,412 Euro je Liter – gemeldet vom ADAC.

  5. 15. September 2026
    SPD fordert Preis-Obergrenze

    Fraktionsvize Armand Zorn wirft den Mineralölkonzernen „Gier“ vor; Kanzler Merz deutet Entlastungen an.

  6. 16. September 2026
    Reiche bringt Mehrwertsteuer-Senkung ins Spiel

    Die Wirtschaftsministerin schlägt 19 statt sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vor, dazu Direktzahlungen an Geringverdiener.

  7. 18. September 2026
    Ergebnisse und Einigung am selben Tag

    Die MDRfragt-Ergebnisse erscheinen: 81 Prozent belastet, 89 Prozent fordern staatliches Eingreifen. Bund und Länder einigen sich auf rund 2,5 Milliarden Euro Entlastung.

Einig sind sich die wenigsten

Wie uneinig die Bevölkerung über den richtigen Weg ist, zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage für WELT TV vom 16./17. September. 70 Prozent der Befragten halten die angekündigten Maßnahmen in erster Linie für ein Wahlkampfmanöver. Am meisten Zustimmung erhielt eine Senkung der Energiesteuer mit 23 Prozent, gefolgt von einer Übergewinnsteuer (22 Prozent) und einer Senkung der CO₂-Abgabe (20 Prozent). Ein Spritpreisdeckel kam auf 12 Prozent.

Seit April gilt zudem die 12-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, Preissenkungen sind jederzeit möglich. 61 Prozent der MDRfragt-Teilnehmer sagen, das habe das Tanken eher nicht planbarer gemacht. 67 Prozent finden die Steuerbefreiung für reine E-Autos nicht richtig, 51 Prozent lehnen eine kilometerabhängige Pkw-Maut ab. Offen bleibt, ob die Energiesteuer-Senkung zum 1. Oktober an der Zapfsäule ankommt – und ob der Preisdeckel bis Januar 2027 steht.

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